In der internationalen Buchbranche herrscht derzeit Unruhe aufgrund ungewöhnlicher Geschäftspraktiken von Unternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Wie verschiedene Berichte aus der Mitte des Monats August belegen, verzeichnen Antiquariate weltweit eine Welle massenhafter Bestellungen aus Nordamerika. Diese Aufträge gehen häufig zur Nachtzeit ein und haben einigen Händlern bereits Gewinne im sechsstelligen Bereich eingebracht.
Hintergrund dieser Entwicklung sind die Aktivitäten des KI-Unternehmens Anthropic. Das Unternehmen hat in Gerichtsdokumenten die Existenz eines Vorhabens namens „Project Panama“ bestätigt. In diesem Rahmen erwarb Anthropic Millionen von gebrauchten Büchern, um sie als Trainingsdaten für seine Sprachmodelle zu nutzen.
Systematische Vernichtung von Originalen zu Digitalisierungszwecken
Die Vorgehensweise von Anthropic bei der Aufbereitung der Daten sorgt für scharfe Kritik. Das Unternehmen gab an, täglich rund 11.000 Bücher für das KI-Training zu erwerben.
Um die Inhalte effizient zu digitalisieren, setzt Anthropic auf ein Verfahren, das als „destruktives Scannen“ bezeichnet wird. Dabei werden die Buchrücken der physischen Exemplare abgeschnitten, um die einzelnen Seiten automatisiert einlesen zu können. Nach dem Scanvorgang werden die Originale vernichtet. Das Unternehmen betonte jedoch, dass keine seltenen Bücher auf diese Weise zerstört würden.
Markus Brandis vom Verband deutscher Antiquare äußerte sich angesichts dieser Praktiken besorgt. Er bezeichnete das Vorgehen als Barbarei und sieht darin einen massiven Verstoß gegen das Urheberrecht.
Während Branchenvertreter die Zerstörung des Kulturguts Buch kritisieren, verwies man im Umfeld der Berichterstattung darauf, dass andere Technologiekonzerne wie Google bei ähnlichen Projekten wie Google Books das Urheberrecht respektiert und Digitalisierungen ohne die Zerstörung der Originale durchgeführt hätten. Das Konkurrenzunternehmen OpenAI reagierte bislang nicht auf Anfragen zu seinen Datenerhebungsmethoden.
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Rechtliche Bewertung und finanzielle Konsequenzen
Ein US-Gericht unter Richter William Alsup befasste sich bereits mit der rechtlichen Einordnung dieses Vorgehens. Der Richter wertete die Vernichtung der Bücher im Rahmen eines Formatwechsels als rechtmäßig und ordnete sie unter die „Fair Use“-Doktrin ein.
Diese Einschätzung gelte jedoch nur für rechtmäßig erworbene Bücher und ausdrücklich nicht für Raubkopien. In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass Anthropic bereits einen Vergleich in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar eingegangen ist.
Das US-Urheberrechtsamt wies allerdings darauf hin, dass die Nutzung kommerzieller KI-Inhalte die Grenzen von „Fair Use“ überschreiten könne. International ist die Rechtslage zudem uneinheitlich.
In Deutschland bleibt das Einscannen geschützter Werke grundsätzlich verboten, wobei es spezifische Ausnahmen für das KI-Training unter strengen Auflagen gibt. Im Vereinigten Königreich ist das Kopieren von Werken ohne explizite Erlaubnis der Rechteinhaber untersagt.
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Auswirkungen auf den Buchmarkt
Die massiven Käufe zeigen bereits deutliche Auswirkungen auf den Handel. Buchhändler in Großbritannien und Irland berichten von anonymen Großbestellungen, die seit dem Frühjahr 2026 zugenommen haben.
Ein einzelner Händler meldete den Verkauf von 6.000 Büchern an einen anonymen Käufer. Auch Dienstleister wie ISBNdb gerieten in den Fokus, nachdem sie Bestände explizit als optimale KI-Trainingsdaten beworben hatten; diese entsprechende Seite wurde inzwischen wieder zurückgezogen.
Neben der physischen Beschaffung von Daten verändert die KI auch den Absatzmarkt für Literatur. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass KI-generierte Bücher menschliche Autoren zunehmend verdrängen.
In den vergangenen Monaten wurde ein 19-facher Anstieg der Verkäufe solcher Werke registriert, während der damit erzielte Umsatz lediglich um das Neunfache stieg. Dies deutet auf einen hohen Preisdruck durch die automatisierte Produktion von Inhalten hin.

