Anthropic: KI-Assistent Claude wird für alle deutlich leistungsfähiger

Anthropic stellt Dokumentenerstellung, Datenanbindung und Skills nun auch in der kostenlosen Claude-Version bereit und positioniert sich als werbefreie Alternative zu ChatGPT.

In einem offensiven Schachzug gegen den Rivalen OpenAI macht Anthropic seine KI Claude für Millionen Nutzer deutlich mächtiger. Das Unternehmen stellt mehrere Premium-Funktionen wie Dokumentenerstellung und Datenanbindung nun auch in der kostenlosen Version bereit – und setzt damit gezielt auf eine werbefreie Alternative zu ChatGPT.

Premium-Funktionen für alle Nutzer

Die seit Mittwoch rollierende Aktualisierung ist die umfangreichste Erweiterung des kostenlosen Angebots seit Claudes Start. Bislang waren Schlüsselfunktionen hinter den Bezahlmodellen Claude Pro und Claude Team verschlossen.

Kostenlose Nutzer erhalten nun Zugriff auf File Creation. Die KI kann damit direkt im Chat analysierte Daten in herunterladbare Dateien wie Excel-Tabellen, PowerPoint-Präsentationen oder PDFs verpacken. Eine komplette Folienpräsentation aus Rohdaten zu erstellen, war bisher Bezahlkunden vorbehalten.

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Zudem öffnet Anthropic die Connectors für alle. Diese Schnittstelle verbindet Claude sicher mit externen Datenquellen. In der ersten Ausbaustufe ist die Integration von Google Workspace verfügbar. Claude kann so Inhalte aus Google Drive, Sheets und Slides lesen und zusammenfassen, was ihn zu einem produktiveren Arbeitszentrum macht.

Die dritte Neuerung sind Skills. Nutzer können damit eigene Wissensdatenbanken und Anweisungen anlegen, auf die Claude in Gesprächen zurückgreift. Die KI „erinnert“ sich so an Projektanforderungen, ohne in jeder Sitzung neu instruiert werden zu müssen.

Für diese komplexeren Aufgaben führt Anthropic zudem Compaction ein. Diese Backend-Technologie fasst frühere Gesprächsteile automatisch zusammen, um den Kontext zu erhalten. Effektiv verlängert dies die mögliche Interaktionslänge deutlich, bevor das Modell an seine Kontextgrenze stößt.

Die werbefreie Alternative als Strategie

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist kein Zufall. Erst vor wenigen Tagen begann OpenAI damit, in der kostenlosen Version von ChatGPT Werbeanzeigen zu testen – ein Schritt, der Diskussionen über Nutzererlebnis und Datenschutz auslöste.

Anthropic nutzt diesen Moment, um sich als werbefreie und datenschutzfokussierte Alternative zu positionieren. Während des Super Bowl strahlte das Unternehmen einen aufwendigen Werbespot aus, der das „ad-free“-Versprechen betonte. Mit Premium-Funktionen ohne Abo oder Werbung verfolgt Anthropic eine klassische Lockvogel-Strategie, um unzufriedene Nutzer von der Konkurrenz abzuwerben.

Marktbeobachter sehen Claude damit auf Kurs als „professionelle“ Wahl für Verbraucher. Durch eine saubere, nutzenorientierte Oberfläche will das Unternehmen das Vertrauen von Wissensarbeitern gewinnen, die später vielleicht auf kostenpflichtige Unternehmenslösungen umsteigen.

30 Milliarden Euro als Kriegskasse

Die Finanzierung dieser rechenintensiven Gratis-Features stützt sich auf gewaltige neue Geldmittel. Am Donnerstag bestätigte Anthropic eine Series-G-Finanzierungsrunde in Höhe von umgerechnet 30 Milliarden Euro. Angeführt wurde sie vom Staatsfonds GIC und der Investmentfirma Coatue. Die Bewertung des Unternehmens schnellt damit auf rund 380 Milliarden Euro – mehr als das Doppelte gegenüber Ende 2025.

Laut den Finanzangaben wächst der Umsatz explosionsartig. Anthropic meldet eine annualisierte Umsatzrate von 14 Milliarden Euro, wovon allein das spezialisierte Produkt Claude Code über 2,5 Milliarden Euro beisteuert. Diese finanzielle Stärke gibt den Spielraum, die hohen Inferezkosten für Millionen Gratisnutzer zu subventionieren.

Mit diesem Kriegsbudget will Anthropic den Infrastrukturausbau beschleunigen, vermutlich durch massive Investitionen in Computer-Hardware. Damit sollen die nächsten Modell-Generationen trainiert werden, mutmaßlich die Claude-4-Opus-Serie.

Folgen für Nutzer und Markt

Die Demokratisierung dieser Tools wird unmittelbare Auswirkungen auf den Bildungs- und Freelancer-Sektor haben. Studierende und Solo-Selbstständige erhalten Zugang zu ausgefeilten Dokumenten- und Analysefähigkeiten, die bisher zu teuer waren.

Für den breiteren SaaS-Markt signalisiert der Schritt eine zunehmende Commoditisierung von Standard-Büroaufgaben. Wenn eine KI eine komplette Präsentation kostenlos entwirft und formatiert, geraten eigenständige Tools für diese Einzelfunktionen unter Druck.

Die kostenlose Stufe behält jedoch Einschränkungen. Die Nutzungsobergrenzen – die Anzahl erlaubter Nachrichten pro Zeitfenster – bleiben niedriger als bei Pro-Abonnenten. Zudem steht kostenlosen Nutzern zwar das leistungsstarke Claude-3.5-Sonnet-Modell zur Verfügung, doch die absoluten Top-Modelle werden bei hoher Auslastung weiterhin vorrangig für zahlende Kunden reserviert.

Die Rivalität zwischen Anthropic und OpenAI dürfte sich 2026 weiter verschärfen. OpenAI bereitet eigenen Berichten zufolge Gegen-Updates vor, und das Erscheinen von GPT-5 wird für später im Jahr erwartet. Der Funktionsvorsprung zwischen den Plattformen wird also wohl weiter schwanken.

Anthropic hat eine klare Herausforderung formuliert. Indem es die Bezahlschranke für produktivitätszentrierte Features einreißt, setzt das Unternehmen auf Nutzen und Vertrauen als Wachstumstreiber – und nicht auf kurzfristige Werbeeinnahmen. In diesem Wettbewerb profitiert vorerst der Nutzer, der Zugang zu immer mächtigeren Werkzeugen ohne direkte Kosten erhält.

Die Updates für den kostenlosen Claude-Plan sind ab sofort über die Web-Oberfläche und die mobilen Apps verfügbar.