Anthropic macht Indien zur KI-Zweitzentrale

Der KI-Pionier Anthropic verzeichnet in Indien ein rasantes Umsatzwachstum, angetrieben durch den starken Einsatz seiner Entwickler-Tools für komplexe technische Aufgaben.

Der KI-Pionier Anthropic etabliert Indien als zweitwichtigsten Markt nach den USA. Ein neues Büro in Bengaluru und eine verdoppelte Umsatzrate binnen vier Monaten markieren eine strategische Neuausrichtung.

Der Grund für den Boom ist ungewöhnlich: Fast die Hälfte der Nutzung in Indien entfällt auf komplexe technische Aufgaben wie Programmierung und mathematische Problemlösungen. Das unterscheidet den Subkontinent deutlich von anderen Märkten, in denen eher einfache Konversationen dominieren. Verantwortlich ist vor allem das Entwickler-Tool „Claude Code“, dessen Verbreitung sogar das allgemeine Umsatzwachstum übertrifft.

Strategische Partnerschaften mit IT-Riesen

Um in den riesigen indischen IT-Sektor einzudringen, setzt Anthropic auf Allianzen mit Schlüsselunternehmen. Die neue Chefin für Indien, Ex-Microsoft-Managerin Irina Ghose, steuert diese Offensive vom neuen Global Hub in Bengaluru aus.

Konkret laufen bereits mehrere Großprojekte:
* Infosys entwickelt mit Anthropic spezielle KI-Agenten für regulierte Branchen wie Telekommunikation.
* Cognizant will Claude für rund 350.000 Mitarbeiter weltweit einsetzen, um Software-Entwicklung und System-Modernisierung zu beschleunigen.
* Auch Air India nutzt Claude Code, um eigene Entwicklungsprozesse zu optimieren.

Diese Integration in Geschäftsabläufe zielt direkt auf das Herz der indischen Wirtschaft: die IT-Dienstleistungsbranche mit einem Volumen von über 250 Milliarden US-Dollar.

Mehr als Business: Bildung und Sprachen

Jenseits der Wirtschaft positioniert sich das Unternehmen auch als Werkzeug für soziale Entwicklung. Eine Partnerschaft mit der Nichtregierungsorganisation Pratham zielt darauf ab, mit KI Unterrichtsbewertungen zu digitalisieren und zu automatisieren.

Ein weiterer Schlüssel für den Erfolg in Indien ist die sprachliche Vielfalt. Entwicklungsteams arbeiten daran, die Leistungsfähigkeit der Modelle in zehn weit verbreiteten indischen Sprachen wie Hindi, Bengalisch und Tamil zu verbessern. Dabei kooperieren sie mit lokalen Organisationen, um repräsentative Trainingsdaten zu sammeln.

Wettlauf um die Tech-Elite

Der aggressive Vorstoß kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Während Konkurrenten wie OpenAI ebenfalls um die Vorherrschaft in der Region kämpfen, setzt Anthropic gezielt auf „agentische“ Workflows für die riesige Gemeinde indischer Software-Ingenieure.

Die Zukunft des Engagements hängt stark von der Zusammenarbeit mit der Regierung ab. Gespräche über die „IndiaAI Mission“ laufen bereits. Die Regierung will mit Wirtschaftswirkungsstudien verfolgen, wie KI verschiedene Sektoren verändert. Für Anthropic geht es nun darum, diese öffentlich-privaten Partnerschaften zu vertiefen und das Entwickler-Ökosystem weiter auszubauen.

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