Anthropic meldet Börsengang an: Claude wächst um 1.858%

Anthropic meldet Börsengang an, während Claude-Nutzung explodiert. Die Bewertung von 965 Mrd. Euro übertrifft sogar OpenAI.

Das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude wagt den Schritt auf das Parkett in einer Phase rasanten Wachstums – und fordert zugleich eine globale Entwicklungspause für KI.

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Claude erobert den Markt im Sturm

Die Nutzerzahlen von Claude sprechen eine deutliche Sprache. Laut einer aktuellen Analyse von Comscore vom 6. Juni 2026 sind die Interaktionen mit dem KI-Assistenten innerhalb von fünf Monaten um atemberaubende 1.858 Prozent gestiegen – von 1,1 Millionen auf über 22 Millionen monatliche Anfragen.

ChatGPT hält zwar weiterhin mit 70 Prozent die Marktführung, doch der Vorsprung schmilzt. Noch vor einiger Zeit lag der Anteil bei 86 Prozent. Google Gemini legte ebenfalls zu und kommt nun auf 23 Prozent. In den USA nutzen rund 5,4 Prozent der Internetnutzer Claude, während ChatGPT auf 36,6 Prozent und Gemini auf 27,4 Prozent kommen. Besonders auffällig: Die mobile KI-Nutzung bei den 55- bis 64-Jährigen stieg im Jahresvergleich um 151 Prozent.

Milliardenbewertung und Rekordumsätze

Anthropics finanzielle Entwicklung ist atemberaubend. Im Mai 2026 erreichte die Bewertung 965 Milliarden Euro – ein gewaltiger Sprung von 380 Milliarden Euro im Februar. Damit liegt das Unternehmen sogar vor seinem Rivalen OpenAI, der auf rund 852 Milliarden Euro geschätzt wird.

Der annualisierte Umsatz schnellte im Frühjahr 2026 auf 47 Milliarden Euro in die Höhe. Zum Vergleich: In den Vorquartalen lag die Spanne noch zwischen zehn und 14 Milliarden Euro. Möglich machte das eine 65 Milliarden Euro schwere Finanzierungsrunde der Serie H mit Investoren wie Altimeter Capital, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia Capital.

Auch strategische Partner springen auf den Zug auf. Amazon investierte acht Milliarden Euro mit der Option auf bis zu 20 Milliarden. Alphabet steuerte drei Milliarden bei, plant aber bis zu 40 Milliarden. Hinzu kommt eine AWS-Verpflichtung über 100 Milliarden Euro für das Modelltraining. Anthropic beschäftigt rund 5.000 Mitarbeiter und erwartet für Juni 2026 den ersten profitablen Quartalsabschluss.

KI schreibt sich selbst: 80 Prozent des Codes von Claude generiert

Anthropic setzt seine eigene Technologie konsequent ein. Seit Mai 2026 stammen über 80 Prozent des neuen Produktionscodes von Claude. Die Produktivität der Ingenieure liegt damit achtmal höher als 2024.

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Das firmeneigene Mythos-Modell zeigt ebenfalls beeindruckende Fortschritte: Bei der Algorithmus-Optimierung erreichte es eine 52-fache Geschwindigkeitssteigerung. Anthropic-Forscher berichten zudem, dass ihre KI-Agenten bei bestimmten komplexen Aufgaben 97 Prozent der Leistungslücke zu menschlichen Experten geschlossen haben – bei menschlichen Forschern lag die Erholungsrate dagegen nur bei 23 Prozent.

Bremsruf trotz Börsenambitionen

So aggressiv Anthropic den Börsengang vorantreibt, so zurückhaltend gibt sich die Führungsspitze bei der Zukunft der KI. Am 4. Juni 2026 veröffentlichte das Unternehmen einen offenen Brief, der eine koordinierte und überprüfbare globale Pause bei der Entwicklung fortschrittlicher KI-Modelle fordert.

Die Begründung: Die Fähigkeiten der KI verdoppeln sich derzeit alle vier Monate. Forscher warnen vor den Risiken einer rekursiven Selbstverbesserung – also Systemen, die ihre eigene Leistung autonom steigern können. Zwar sei eine Pause für einzelne Firmen kontraproduktiv, so die Forscher, doch ein koordinierter Stopp sei nötig, um die Risiken zu kontrollieren. Diese Forderung nach einer „Bremse“ kommt ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem Anthropic sich für einen historischen Börsengang im Laufe des Jahres 2026 rüstet.