Anthropic mit Claude: 493 Sicherheitsprobleme in 25 Open-Source-Projekten

Claude prüfte 25 Softwareprojekte und zeigte Risiken durch Konfigurationskonflikte sowie erreichbaren Code vor der Anmeldung auf.

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Das Frontier Red Team des KI-Unternehmens Anthropic hat am 20. Oktober 2026 Untersuchungsergebnisse zu Sicherheitsproblemen in weit verbreiteter Open-Source-Software vorgelegt. Das hauseigene KI-Modell Claude untersuchte dabei 25 Open-Source-Projekte mit insgesamt über 5 Millionen Zeilen Quellcode in den Programmiersprachen C, C++, Java, PHP und Python. Im Zuge dieser automatisierten Prüfung meldete das System insgesamt 493 Probleme in den Codebasen.

Konfigurationskonflikte hebeln Sicherheitsmechanismen aus

Ein Schwerpunkt der Analyse lag auf komplexen Systemeinstellungen. Claude katalogisierte in den untersuchten Projekten über 17.000 Konfigurationsoptionen, von denen das System 3.842 als sicherheitsrelevant einstufte.

Bei der Gegenüberstellung von Parametern identifizierte das Modell 162 sicherheitssensible Optionspaare. In 94 Fällen führte das Zusammenspiel dieser Einstellungen dazu, dass eine Sicherheitskontrolle stillschweigend deaktiviert wurde. Weitere 68 Kombinationen wiesen logische Widersprüche auf.

Ein spezifisches Zertifikatsprüfungs-Paar setzte eine Sicherheitsüberprüfung laut Angaben von Chris Rohlf von Anthropic über einen Zeitraum von 21 Jahren hinweg unbemerkt außer Kraft.

Schwachstellen vor dem Login in Zugangssystemen

Anthropic unterteilte die 25 untersuchten Softwareprojekte in zehn öffentliche, elf zugangsgeschützte sowie vier private Projekte. Bei allen elf zugangsgeschützten Projekten stieß die KI auf Programmcode, der bereits vor der eigentlichen Benutzerauthentifizierung erreichbar war.

Konkret ermittelte das Modell in der Standardkonfiguration dieser Projekte 93 unnötige präauthentifizierte Pfade. An 37 Stellen wurden Codeausführungen oder Zustandsspeicherungen vorgenommen, bevor sich ein Anwender anmeldete. Zudem existierten 61 Konfigurationskombinationen, die Schutzmechanismen vor der Authentifizierung abschwächten.

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Die praktischen Auswirkungen verdeutlichte Anthropic am Beispiel des Protokoll-Werkzeugs OpenSSH. In der Version 10.4 identifizierte Claude rund 4.500 Zeilen Code für ML-DSA-44-Signaturen, die für unauthentifizierte Clients selbst dann erreichbar blieben, wenn der Algorithmus deaktiviert war. Dieser Bestand machte etwa 16 Prozent der Pre-Authentication-Angriffsfläche des Standard-sshd-Dienstes aus.

Die Betreuer von OpenSSH reagierten in zwei Schritten auf das Problem: Am 11. August 2026 zog das Projekt in Version 10.5 die Prüfung des Algorithmus vor das Key-Parsing vor.

Allerdings blieben zwei Pfade offen, da ein Client einen erlaubten Algorithmus ankündigen, aber einen abweichenden Schlüsseltyp übermitteln konnte, und der Signaturschlüssel von Zertifizierungsstellen vor der Konfigurationsprüfung verifiziert wurde.

Am 6. Oktober 2026 behob Version 10.6 diese zwei Umgehungsmöglichkeiten durch Typprüfungen beim Parsing gegen Erlaubnislisten. Damit entfernte OpenSSH rund ein Fünftel des zuvor unauthentifiziert erreichbaren Codes, was fast ausschließlich den ML-DSA-Code betraf.

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Reduktion der Angriffsfläche statt neuer Schwachstellen

Das methodische Vorgehen von Anthropic zielte darauf ab, erreichbaren Code zu kartieren und Funktionen zu beschränken, die in einem konkreten Einsatzszenario nicht zwingend gebraucht werden. Dies umfasst das Verschieben von Codeausführungen von Vor-Login- in Nach-Login-Bereiche, die Umstellung von Null-Klick- auf Ein-Klick-Aktionen oder der Wechsel von standardmäßig aktivierten Funktionen zu einer expliziten Aktivierung.

Anthropic unterschied drei wesentliche Expositionsarten: ungenutzten Standardcode, Paare von Einstellungen, die Kontrollen aushebeln, sowie komplexen sicherheitskritischen Code vor dem Login.

Das Unternehmen räumte ein, dass dieser Ansatz keine unbekannten Schwachstellen unmittelbar beseitigt, jedoch deren Erreichbarkeit erschwert und dadurch das Schadenspotenzial senkt.

Anthropic verzichtete auf die Vergabe von CVE-Identifikatoren sowie auf Schweregrad-Aufschlüsselungen für die einzelnen Projekte und nannte außer OpenSSH keine weiteren akzeptierten Fehlerbehebungen der Originalentwickler.

Die veröffentlichten Zahlen stammen von Anthropic selbst; die Versionshinweise von OpenSSH bestätigen zwar die vorgenommenen Anpassungen, nennen jedoch weder die 4.500 Codezeilen noch den 16-prozentigen Anteil.

Die verwendete Analysemethode liegt derzeit als Claude-Erweiterung vor. Anthropic plant, das Verfahren künftig in einen Open-Source-Sicherheitsscanner zu integrieren.