Anthropic-Modelle: Trump verhängt Exportkontrollen am 12. Juni

Exportbeschränkungen für KI-Modelle von Anthropic belasten internationale Beziehungen und gefährden den geplanten Börsengang.

Präsident Trump bezeichnete das Unternehmen in einem Interview am heutigen Freitag als Sicherheitsrisiko, räumte aber zugleich ein, dass sich das Verhältnis in letzter Zeit verbessert habe. Die Äußerungen folgen auf eine Reihe aggressiver Regulierungsmaßnahmen, die die fortsrittlichsten Modelle des Konzerns vom Netz genommen und zu diplomatischen Verstimmungen mit Verbündeten geführt haben.

Scharfe Exportkontrollen legen Modelle lahm

Anzeige

Die verschärften US-Maßnahmen verdeutlichen, wie komplex die rechtlichen Rahmenbedingungen für moderne Technologien geworden sind. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen der EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt

Der Konflikt eskalierte am 12. Juni, als die US-Regierung strenge Exportbeschränkungen für die Modelle Claude Fable 5 und Mythos 5 von Anthropic verhängte. Zur Begründung hieß es, die Modelle wiesen Sicherheitslücken auf – sogenannte „Jailbreaking“-Funktionen, mit denen Nutzer die Schutzmechanismen umgehen könnten. Anthropic zog daraufhin die globale Verfügbarkeit der Modelle zurück. Große Kunden wie Apple und Meta stehen seither ohne Zugang zu der Technologie da.

Auslöser der Prüfung war offenbar eine Mitteilung von Amazon-CEO Andy Jassy. Branchenkreisen zufolge warnte Jassy die Regierung vor konkreten Sicherheitsrisiken, die Beamte später als schwerwiegend einstuften. Trump selbst sagte, he habe Anthropic noch vor einer Woche als Bedrohung betrachtet. Nach dem G7-Gipfel schlug er jedoch versöhnlichere Töne an, lobte Anthropic-Chef Dario Amodei als fähigen Führungskopf und betonte die Notwendigkeit, im KI-Wettlauf gegen China die Nase vorn zu behalten.

G7-Partner kritisieren US-Alleingang

Die einseitigen Exportkontrollen haben bei den Verbündeten für erhebliche Verstimmung gesorgt. Beim G7-Gipfel Mitte Juni in Évian übten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Indiens Premierminister Narendra Modi scharfe Kritik. Macron warnte vor „Kill-Schaltern“, die die technologische Souveränität anderer Nationen gefährden könnten. Auch Kanadas Premier Mark Carney äußerte Bedenken.

Als Reaktion diskutierten die G7-Staaten ein sogenanntes „Trusted-Partner“-Modell, das einen verlässlichen Zugang zu fortschrittlichen KI-Tools sichern soll. Europäische Regierungsvertreter sprechen von einem Weckruf. Einige fordern massiv höhere Investitionen in eigene Infrastruktur. Aktuelle Daten zeigen: Mehr als 70 Prozent der europäischen Cloud-Infrastruktur hängen von drei großen US-Anbietern ab – eine Verwundbarkeit, die nun als strategisches Risiko für Verteidigung und Cybersicherheit gilt.

Anthropic buhlt um Kooperation – und plant Börsengang

Anthropic versucht, den Konflikt zu entschärfen. Das Unternehmen hat dem US-Handelsministerium einen förmlichen Vorschlag vorgelegt und eine engere Zusammenarbeit mit dem Weißen Haus zugesagt. Die Zuversicht ist groß, dass die Modelle Fable 5 und Mythos 5 bald wieder freigeschaltet werden können. Am 17. Juni setzte Anthropic ein Zeichen seiner internationalen Ambitionen: Die Eröffnung eines neuen Büros in Seoul.

Anzeige

Während die USA auf Präsidialdekrete setzen, schafft die EU mit dem AI Act bereits verbindliche Fakten für alle Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und was Verantwortliche jetzt konkret tun müssen. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?

Der Vorstoß gegen Anthropic ist Teil eines grundlegenden Wandels der US-KI-Politik. Am 2. Juni unterzeichnete Trump eine Executive Order, die einen freiwilligen 30-tägigen Vorab-Prüfprozess für fortschrittliche KI-Modelle vorsieht – zur Bewertung von Cybersicherheitsrisiken. Drei Tage später folgte das National Security Presidential Memorandum (NSPM-11), das die Einführung von KI in Militär und Geheimdiensten beschleunigen soll. Das Papier weist das Pentagon an, binnen 90 Tagen seine Richtlinien für autonome Waffen zu aktualisieren. Es enthält zudem Klauseln, um Verträge mit KI-Firmen zu kündigen, die wiederholt gegen Regierungsvorgaben verstoßen.

Die regulatorische Unsicherheit trifft Anthropic in einer entscheidenden Phase. Das Unternehmen bereitet sich eigenen Angaben zufolge auf einen Börsengang im Herbst 2026 vor. Die Bewertung wird auf 30 bis 60 Milliarden Euro geschätzt. Branchenanalysten sind sich einig: Der Ausgang des Streits mit dem Weißen Haus wird maßgeblich über den Erfolg des Börsendebüts entscheiden.