Anthropic, das von ehemaligen OpenAI-Managern gegründete Startup, hat am Montag vertraulich einen Börsengang in den USA angemeldet. Mit einer aktuellen Bewertung von rund 965 Milliarden Euro könnte es zum größten Tech-IPO des Jahres werden – und das ist erst der Anfang.
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Vom Startup zum Milliarden-Konzern
Die Entwicklung des 2021 gegründeten Unternehmens ist atemberaubend. Erst Ende Mai sammelte Anthropic 65 Milliarden Euro in einer privaten Finanzierungsrunde ein – damals lag die Bewertung noch bei 380 Milliarden Euro. Heute nähert man sich der Billionengrenze.
Haupttreiber des Wachstums ist Claude Code, ein KI-gestütztes Programmierwerkzeug. Seit dem Start im Februar 2025 hat das Tool innerhalb von sechs Monaten eine Milliarde Euro Jahresumsatz erzielt – inzwischen sind es über 2,5 Milliarden. Insgesamt liegt die annualisierte Umsatzrate von Anthropic bei 47 Milliarden Euro, mehr als eine Verdreifachung seit Februar.
Die Plattform zählt über 300.000 Geschäftskunden, mehr als 500 davon geben jährlich über eine Million Euro aus. Claude.ai, das Verbraucherangebot, verzeichnet rund 288 Millionen Besuche pro Monat.
Gleich drei Tech-Giganten wollen an die Börse
Anthropic ist nicht allein. OpenAI, zuletzt mit 852 Milliarden Euro bewertet, soll in den kommenden Wochen seinen eigenen Börsenantrag einreichen. Und auch SpaceX von Elon Musk hat bereits die IPO-Unterlagen eingereicht – mit einer Zielbewertung zwischen 1,75 und 1,8 Billionen Euro. SpaceX könnte bereits am 12. Juni den Handel aufnehmen.
Zusammen dürften die drei Börsengänge rund 200 Milliarden Euro einsammeln. Der globale IPO-Markt erholt sich ohnehin: Im ersten Quartal 2026 stieg das eingesammelte Kapital im Jahresvergleich um 45 Prozent. Die Nasdaq 100 hat vorgesorgt und einen Schnellzugang für Unternehmen mit Billionen-Bewertungen geschaffen – nach nur 15 Handelstagen.
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Milliarden für Rechenleistung
Die technischen Anforderungen von Anthropic sind enorm. Das Unternehmen hat langfristige Verträge über mehr als 100 Milliarden Euro mit Amazon Web Services abgeschlossen. Weitere Rechenkapazitäten kommen von Google und Broadcom. Besonders spektakulär: Ein Deal mit Elon Musk für den Zugang zum Colossus-Rechenzentrum – monatliche Zahlungen von 1,25 Milliarden Euro bis 2029.
Gleichzeitig bereitet Anthropic die Veröffentlichung des neuen Claude Mythos vor, einem Modell mit erweiterten Cybersicherheitsfunktionen.
Risiken und politische Fallstricke
Trotz der beeindruckenden Zahlen warnen Analysten vor einer möglichen KI-Blase – die Parallelen zur Dotcom-Ära sind unübersehbar. Alle drei IPO-Kandidaten arbeiten derzeit verlustbringend.
Anthropic steht zudem vor besonderen Herausforderungen. Als Public Benefit Corporation muss das Unternehmen seine Gewinnerwartungen mit dem Bekenntnis zu KI-Sicherheit und verfassungskonformer KI in Einklang bringen – ein Spagat, der Investoren abschrecken könnte.
Hinzu kommen politische Konflikte: Ein Rechtsstreit mit dem US-Verteidigungsministerium über KI-Nutzungsbeschränkungen ist anhängig. Und Donald Trump hat das Unternehmen öffentlich kritisiert und Einschränkungen für die Zusammenarbeit mit Bundesbehörden gefordert.
Die institutionellen Geldgeber halten dennoch an Anthropic fest. Seit Jahresbeginn flossen über 90 Milliarden Euro in das Unternehmen. Zu den größten Anteilseignern zählen Salesforce (derzeit rund 5 Milliarden Euro wert), Amazon und Google.

