Anthropic plant Börsengang mit 2-Billionen-Bewertung bis September

Anthropic plant Börsengang mit Supervoting-Aktien für Gründer. Der KI-Konzern strebt eine Bewertung von zwei Billionen Dollar an.

Der US-amerikanische Spezialist für Künstliche Intelligenz (KI), Anthropic, bereitet laut Branchenberichten eine weitreichende Neugestaltung seiner Anteilsstruktur vor.

Im Vorfeld eines geplanten Börsengangs beabsichtigt das Unternehmen, sogenannte Supervoting-Aktien für CEO Dario Amodei sowie die weiteren Mitgründer einzuführen. Dieser Schritt soll die strategische Kontrolle des Gründerteams zementieren, obwohl deren direkter Kapitalanteil am Unternehmen vergleichsweise gering ausfällt.

Kontrolle durch Dual-Class-Struktur

Nach Informationen von Personen, die dem Unternehmen nahestehen, hält CEO Dario Amodei derzeit lediglich rund 2 % der Anteile an Anthropic. Die gesamte Gründergruppe kommt zusammen auf weniger als 5 % des Kapitals. Um dennoch die operative und strategische Führung zu behalten, setzt Anthropic auf eine Dual-Class-Aktienstruktur.

Solche Modelle sind bei Technologiekonzernen nicht ungewöhnlich; auch Unternehmen wie Meta oder SpaceX nutzen ähnliche Konstrukte, um Gründern wie Mark Zuckerberg oder Elon Musk maßgeblichen Einfluss zu sichern. Bei Meta etwa hält der Gründer trotz geringerer Kapitalbeteiligung rund 60 % der Stimmrechte.

Die genauen Details zur Gewichtung der Stimmrechte bei Anthropic wurden bisher nicht offiziell offengelegt. Klar scheint jedoch, dass öffentliche Aktionäre nach dem Börsengang kaum Einfluss auf die Zusammensetzung des Boards oder strategische Entscheidungen haben werden.

Mehrstufiges Governance-Modell als Public Benefit Corporation

Als sogenannte Public Benefit Corporation verfügt Anthropic über ein komplexes Überwachungssystem, das über die üblichen Aktionärsrechte hinausgeht. Neben den geplanten Gründeraktien spielt der „Long-Term Benefit Trust“ eine zentrale Rolle. Dieses Gremium ist dazu legitimiert, die Mehrheit des Boards zu wählen.

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Der Trust ist in den letzten Monaten personell geschrumpft und besteht derzeit aus drei Treuhändern: Shah, Fontaine und Bernanke. Eine Veränderung ergab sich Anfang August, als das bisherige Treuhandmitglied Cuéllar direkt in das Unternehmen wechselte. Dieses zweistufige Kontrollmodell aus Trust und privilegierten Gründeraktien soll sicherstellen, dass die ethische Ausrichtung des KI-Unternehmens auch unter dem Druck des Kapitalmarkts erhalten bleibt.

Rekordbewertung und Finanzkennzahlen

Die finanziellen Ambitionen für den Börsengang sind erheblich. In der letzten privaten Finanzierungsrunde im Mai 2026 wurde Anthropic mit 965 Mrd. US-Dollar bewertet. Für das anstehende öffentliche Debüt wird laut Marktberichten eine Bewertung von rund 2 Billionen US-Dollar angestrebt. Damit könnte Anthropic eines der größten Börsendebüts der Geschichte vollziehen.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens stützt diese Bewertungsgrundlage. Im zweiten Quartal 2026 erzielte Anthropic einen Umsatz von 11,5 Mrd. US-Dollar, was einer massiven Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht, in dem 787 Mio. US-Dollar erlöst wurden.

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Ende Juli 2026 lag die Umsatz-Run-Rate bei über 65 Mrd. US-Dollar. Zudem konnte das Unternehmen für das zweite Quartal 2026 ein positives adjustiertes Betriebsergebnis ausweisen.

Zeitplan für den Börsengang

Die Vorbereitungen für das Listing laufen bereits seit längerer Zeit. Anthropic hatte sein S-1-Formular bereits am 1. Juni 2026 vertraulich bei den Aufsichtsbehörden eingereicht. Derzeit führt CFO Krishna Rao intensive Gespräche mit potenziellen Investoren. Branchenkenner erwarten, dass der Börsengang Ende September 2026 stattfinden könnte. Damit würde Anthropic den Schritt an die Börse voraussichtlich noch vor dem Konkurrenten OpenAI vollziehen.