Anthropic überflügelt OpenAI: 965 Milliarden Euro Bewertung

KI-Startup Anthropic erreicht mit Rekordfinanzierung eine Bewertung von 965 Milliarden Euro und plant den Börsengang für Oktober 2026.

Mit einer Bewertung von umgerechnet rund 965 Milliarden Euro nach einer Rekord-Finanzierungsrunde und einem vertraulich eingereichten Börsengang (IPO) zeichnet sich ein neues Kräfteverhältnis in der KI-Branche ab.

Rekord-Finanzierung und atemberaubender Wertanstieg

Am 28. Mai 2026 schloss Anthropic eine Series-H-Finanzierungsrunde ab, die 65 Milliarden Euro einbrachte. Damit katapultierte sich das Unternehmen auf eine Bewertung von 965 Milliarden Euro und überholte damit den bisherigen Spitzenreiter OpenAI, der auf rund 852 Milliarden Euro geschätzt wird.

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Zum Vergleich: Noch im März 2025 lag der Wert von Anthropic bei etwa 61,5 Milliarden Euro. Im Frühjahr 2026 waren es bereits 380 Milliarden Euro – ein atemberaubender Anstieg, der selbst die kühnsten Erwartungen übertraf.

Angeführt wurde die Finanzierungsrunde von namhaften Investoren wie Altimeter, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia. Auch Coatue, ICONIQ sowie die Technologiekonzerne Micron, Samsung und SK hynix beteiligten sich.

IPO rückt näher: Börsengang schon im Oktober?

Nur wenige Tage nach der Finanzierungsrunde reichte Anthropic am 1. Juni 2026 einen vertraulichen Börsenprospekt (S-1) bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Damit könnte der KI-Entwickler früher an die Börse gehen, als viele Analysten erwartet hatten. Ein möglicher Termin für das Debüt ist bereits Oktober 2026, vorausgesetzt die regulatorischen Hürden sind genommen.

Die finanziellen Kennzahlen untermauern die hohe Bewertung: Anthropic erwirtschaftet einen annualisierten Umsatz von 47 Milliarden Euro – ein Fünffaches des Wertes von Ende 2025. Und das Unternehmen erwartet für das zweite Quartal 2026 den ersten operativen Gewinn von rund 559 Millionen Euro.

Doch der immense Kapitalbedarf für KI-Infrastruktur ist gewaltig. Anthropic verhandelt offenbar über eine Kreditlinie von 36 Milliarden Euro mit Partnern wie Alphabet und Broadcom für den Einkauf von Chips. Aktuell betreibt das Unternehmen eine 5-Gigawatt-Cloud-Kapazität mit Amazon sowie eine weitere 5-Gigawatt-TPU-Kapazität über Google und Broadcom.

Amazon kassiert kräftig mit – Microsoft bremst

Amazon, das mit fünf Milliarden Euro bei Anthropic eingestiegen ist, erntet nun die Früchte: Im ersten Quartal 2026 verbuchte der Konzern einen Vorsteuergewinn von 16,8 Milliarden Euro allein aus seiner Beteiligung. Der Gesamtwert von Amazons Engagement wird auf rund 74 Milliarden Euro geschätzt.

Doch nicht alle Tech-Giganten ziehen mit. Microsoft kündigte an, die internen Lizenzen für Anthropics „Claude Code“ bis zum 30. Juni 2026 zu kündigen – aus Budgetgründen. Die Kosten lagen zwischen 500 und 2.000 Euro pro Ingenieur und Monat. Auch Uber hatte sein gesamtes KI-Budget für 2026 bereits in den ersten vier Monaten des Jahres aufgebraucht.

Sieben Milliardäre – und ein ethisches Versprechen

Die astronomische Bewertung hat die Gründer von Anthropic zu Multimilliardären gemacht. Sieben Mitgründer – darunter Dario und Daniela Amodei, Jack Clark, Sam McCandlish, Chris Olah, Tom Brown und Jared Kaplan – halten jeweils Anteile von über 1,7 Prozent. Das entspricht einem Wert von rund 16,6 Milliarden Euro pro Person.

Doch die Führungsriege zeigt sich ungewöhnlich großzügig: Alle sieben haben zugesagt, 80 Prozent ihres Vermögens zu spenden – ein Gesamtbetrag von schätzungsweise 93 Milliarden Euro. Ein klares Bekenntnis zur KI-Ethik, das in der Branche für Aufsehen sorgt.

Warnung vor zu schnellem Fortschritt

Trotz des finanziellen Erfolgs bleibt Anthropic seiner sicherheitsorientierten Linie treu. In einem Bericht vom 4. Juni 2026 forderte das Unternehmen eine weltweite Pause bei der Entwicklung sogenannter „Frontier“-KI-Systeme. Die Führung warnt davor, dass Modelle sich zunehmend selbst verbessern könnten – bereits 80 Prozent des eigenen Codes werde von KI generiert.

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Anthropic präsentierte kürzlich das Modell „Claude Mythos“, das eine 52-fache Beschleunigung beim maschinellen Lernen erreicht. Während Branchenkenner den Vorstoß für eine Pause teilweise als Marketingtaktik abtun, bleibt Anthropic dabei: Die Sicherheitsvorkehrungen müssten mit den rasant wachsenden Fähigkeiten selbstverbessernder Systeme Schritt halten.

SpaceX als Stimmungstest für den Markt

Der für den 12. Juni 2026 angekündigte Börsengang von SpaceX gilt an der Wall Street als wichtiger Indikator für die Liquidität des Marktes. Zusammen repräsentieren SpaceX und Anthropic einen kombinierten Marktwert von rund 3,55 Billionen Euro – eine gewaltige Herausforderung für die US-Aktienmärkte. Sollte SpaceX erfolgreich debütieren, wäre der Weg für Anthropics IPO im Oktober wohl geebnet.