Anthropic und AP: Erstes Lizenzabkommen bringt Wahldaten in Claude

Claude nutzte bei den US-Midterms AP-Wahldaten; Vertragsdetails bleiben unveröffentlicht, während Anthropic einen Börsengang vorbereitet.

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Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic hat kurz vor den US-Kongresswahlen sein erstes Abkommen zur Lizenzierung von Inhalten und Daten mit einem digitalen Nachrichtenverlag vereinbart.

Wie das Branchenmagazin Adweek unter Berufung auf zwei anonyme Quellen berichtete, handelt es sich bei dem Vertragspartner um die Nachrichtenagentur Associated Press. Für das Entwicklungsunternehmen hinter dem KI-Assistenten Claude markiert dies die erste bezahlte Vereinbarung dieser Art mit einem digitalen Medienhaus.

Finanzielle Details, die Laufzeit sowie der genaue Nutzungsumfang des Lizenzvertrags wurden bislang nicht öffentlich bekanntgegeben. Weder Anthropic noch die Associated Press gaben offizielle Stellungnahmen zu der Vereinbarung ab.

Wahldaten mit Quellenangabe in Claude

Die Auswirkungen der Kooperation zeigten sich unmittelbar am Wahltag. Nutzer des Chatbots Claude erhielten während der US-Midterms Zugriff auf aktuelle Wahldaten, die explizit mit einer AP-Quellenzuschreibung versehen waren.

In der Wahlnacht konnte das Sprachmodell zudem minutenaktuelle, der Associated Press zugeschriebene Umfragedaten abrufen und ausgeben. Die Nachrichtenagentur selbst erfasste bei den diesjährigen Wahlen die Stimmenergebnisse in fast 7.000 politischen Rennen.

Noch Mitte Oktober 2026 hatte Anthropic angekündigt, Claude werde offizielle Stimmenzahlen und Wahlergebnisse anzeigen. In dieser Ankündigung vom 14. Oktober 2026 nannte das Unternehmen jedoch ausschließlich die Organisation Democracy Works als Datenquelle, während die Associated Press damals noch unerwähnt blieb.

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Kurswechsel vor dem geplanten Börsengang

Der Schritt stellt eine strategische Wende für Anthropic dar. Bislang hatte das Unternehmen das automatisierte Sammeln von Daten im Internet als urheberrechtlich zulässige Nutzung im Sinne des US-Pragmas Fair Use gewertet und sich Lizenzabschlüssen länger widersetzt als Konkurrenten wie Google oder OpenAI.

Letzteres Unternehmen unterhält laut Branchenberichten inzwischen mehr als ein Dutzend Lizenzverträge mit Verlagen, darunter Axel Springer, News Corp und The Atlantic.

Auch Google meldete im Oktober 2026, dass mehr als 400 Medienpublikationen an seinem hauseigenen Lizenzprogramm teilnehmen. Die Associated Press war bereits zuvor Vorreiter solcher Kooperationen und schloss entsprechende Verträge mit Google und OpenAI ab.

Die Vereinbarung fällt zudem in eine wichtige unternehmerische Phase: Anthropic bereitet einen Börsengang in wenigen Wochen vor. Am 26. Oktober 2026 reichte das Unternehmen den entsprechenden Registrierungsantrag auf Formular S-1 bei der US-Börsenaufsicht ein. Der Abschluss mit der Nachrichtenagentur fand in der Woche dieser Einreichung statt.

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Anhaltender juristischer Druck durch Verlage

Gleichzeitig steht Anthropic wegen der Nutzung urheberrechtlich geschützter Daten weiterhin unter erheblichem juristischem Druck. Gegen das KI-Unternehmen laufen aktive Urheberrechtsklagen, unter anderem eingereicht von der Universal Music Group, Concord, ABKCO sowie einem Zeitungsverbund aus dem US-Bundesstaat Mississippi.

Musikverlage erhielten zudem die Genehmigung, ihre Klage gegen Anthropic-Chef Dario Amodei in überarbeiteter Form neu einzureichen. Im Streit mit Buchautoren einigte sich das Unternehmen auf einen Vergleich über 1,5 Milliarden US-Dollar.

Auch internationale Medienhäuser gehen juristisch gegen den KI-Entwickler vor. In Kanada reichten die Verlage Postmedia, Torstar, The Globe and Mail sowie die Canadian Press Klage ein. Sie werfen Anthropic vor, Verlagswerke ohne Zustimmung für das Training der Claude-Modelle verwendet zu haben.