Anthropic hat dem externen KI-Watchdog METR weitreichenden, mitarbeiterähnlichen Zugang zu seinen internen Systemen und Modellen eingeräumt. Am 15. Oktober 2026 kündigte das KI-Unternehmen den Schritt an, dessen Bedingungen tags darauf am 16. Oktober 2026 weiter präzisiert wurden.
Sechs Beschäftigte von METR werden direkt in den Büroräumen von Anthropic platziert. Sie erhalten Unternehmshardware, reguläre Arbeitsplätze sowie Zugriff auf interne Werkzeuge, der in etwa dem Niveau der hauseigenen Risikobewertungsteams entspricht.
Eigenständige Veröffentlichung und Prüfgrenzen
Die Vereinbarung sieht vor, dass METR seine Analysen eigenständig publizieren kann. Anthropic besitzt kein Vetorecht, um Berichte zu verhindern. Das Unternehmen darf allerdings Schwärzungen in vorab festgelegten Kategorien verlangen, zu denen Kundendaten, das Anwaltsgeheimnis sowie die Modellarchitektur zählen.
Die Entscheidung darüber, ob eine Information unter diese Schutzkategorien fällt, verbleibt bei Anthropic. Vertrauliche Kundendaten und besonders geschützte interne Angaben sind vom Einblick durch das Prüfteam ausgenommen.
Zwischen den beiden Einheiten fließen keine Honorare oder Spenden. METR finanziert seine Arbeit über Einzelpersonen, Philanthropie sowie das UK AI Security Institute und schließt Zahlungen von führenden KI-Entwicklern aus, erhält von Anthropic jedoch kostenlosen Zugang zu den Modellen.
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METR hatte den Auftragsumfang, die eingeräumten Zugriffsrechte sowie den Schwärzungsprozess bereits am 14. Oktober 2026 in einem eigenen Beitrag dargelegt. Das Ziel liege darin, neue öffentliche Evidenz zu schaffen; es handle sich ausdrücklich nicht um Sicherheitsgarantien oder lückenlose Audits.
Branchenkontext und Vorbild im Finanzsektor
Mit der Maßnahme vollzieht Anthropic die erste konkrete Umsetzung von Zusagen, die Dario Amodei im September formuliert hatte und die seinerzeit von Sam Altman sowie Elon Musk befürwortet worden waren. Beim Konkurrenten OpenAI existiert bislang kein vergleichbarer Plan.
Anthropic verteidigte die begrenzte Offenlegung mit Missbrauchs- und Wettbewerbsrisiken, die einer uneingeschränkten Veröffentlichung aller Sicherheitsdaten entgegenstünden. Das Unternehmen verwies dabei auf das Regulierungsmodell residenter Bankenprüfer und hob hervor, dass der gewählte Rahmen tiefer gehe als bei bisherigen Risikobewertungen üblich.
Kritiker äußerten dagegen Vorbehalte und zogen Parallelen zu Interessenkonflikten in der klassischen Wirtschaftsprüfung, weshalb sie verstärkt verbindliche staatliche Regeln anmahnen.
Zunehmender behördlicher Prüfdruck
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Die Öffnung für externe Prüfer fällt zeitlich mit verschärften Untersuchungen von Wettbewerbs- und Sicherheitsbehörden zusammen. Die US-Handelskommission FTC versandte am 14. Oktober 2026 administrative Vorladungen in Form von Civil Investigative Demands an OpenAI und Anthropic.
Die jeweils über 50 Seiten starken Anfragen fordern Dokumente zu Sicherheitsvorfällen, Schutzvorkehrungen, Werbeaussagen sowie Datenschutzrichtlinien an, um mögliche Verstöße gegen das US-Verbraucherschutzrecht im Umgang mit autonomen Sprachmodellen zu prüfen.
Die FTC plant in diesem Rahmen auch Befragungen von Führungskräften beider Entwickler und von Vertretern der Organisation METR; ein festgestellter Rechtsverstoß oder eine formelle Klage liegt bislang nicht vor.
Parallel verschickte das AI Office der Europäischen Union am 14. Oktober 2026 Auskunftsersuchen auf Grundlage des europäischen AI Act, die sich an beide Unternehmen richten und Themen wie Modellüberwachung und externe Evaluierungen abdecken.

