Anthropic und sechs Biotech-Partner: KI erstellt 35.000 Antikörper-Designs

Anthropic berichtet über präklinische Kooperationsergebnisse, schnellere Dokumentenprüfungen und zwei interne Programme gegen seltene Muskeldystrophien.

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Das KI-Unternehmen Anthropic hat am 27. Oktober 2026 erste Ergebnisse aus sechs Kooperationen im Bereich der Biowissenschaften sowie aus eigenen Wirkstoffprogrammen vorgelegt. Die Partnerschaften umfassen BigHat Biosciences, Bristol Myers Squibb, Divergence Labs, Enveda, Generate Biomedicines und The Column Group.

Die gemeinsamen Arbeiten erstrecken sich vom Antikörperdesign über das CAR-T-Zell-Engineering bis hin zur Analyse umfangreicher Herstellungsdokumente und der Studienplanung. Die bisherigen Resultate sind überwiegend präklinischer Natur; zugelassene Therapien sind daraus bislang nicht hervorgegangen.

Parallel dazu kündigte das Unternehmen die Übernahme von Mithril Medicine an, einem von Cody Tranbarger gegründeten Ein-Personen-Biotech-Start-up aus Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts. Die Transaktion erfolgte bereits im Juli 2026, finanzielle Details wurden nicht offengelegt.

Mit zwei Projekten gegen seltene kindliche Muskeldystrophien bilden diese Vorhaben die ersten internen Wirkstoffprogramme von Anthropic. Zudem startete der Entwickler die Initiativen Claude Science und das Life Sciences Verification Programme.

Fortschritte bei Antikörperdesign und Zelltherapien

In den einzelnen Projekten kamen die KI-Modelle auf unterschiedlichen Stufen der Forschung zum Einsatz. Bei Divergence Labs erzeugte das System Claude innerhalb von rund einem Monat etwa 35.000 Antikörper-Designs für einen neuartigen Ansatz gegen Lebensmittelallergien, der Immunglobulin E (IgE) direkt von Immunzellen ablösen soll, anstatt es nur im Blutkreislauf zu binden.

Drei der Entwürfe banden IgE, 20 lösten es ab – drei davon wirksamer als das Referenzmedikament Omalizumab (25–400 nM). Da noch kein Molekül beide Funktionen zugleich erfüllte, streben die Forscher nun ein kombiniertes Konstrukt an.

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Bei Generate Biomedicines setzten sechs Wissenschaftler Claude Code ein, um ein CAR-T-Design zu entwickeln, das rund 70 Prozent kürzer als der bisherige Standard ist.

In Labortests zeigte sich eine etwa zehnmal höhere Rezeptordichte auf den Immunzellen sowie eine effizientere und längere Zerstörung von Tumorzellen. Tests an Tieren oder Menschen stehen noch aus; anvisiert werden zunächst Mausmodelle mit dem Ziel, CAR-T-Therapien gegen solide Tumore einzusetzen.

BigHat Biosciences wiederum evaluierte circa 1.010 Antikörpervarianten in einem Zeitraum von rund zehn Wochen. Die beste Variante wies eine mehr als zehnmal stärkere Bindung auf.

Ein Wirkstoffkandidat gegen Krebs blieb in Lösung bei einer um 18 Grad Celsius höheren Temperatur stabil, während ein weiterer Kandidat mehr als 100-mal langsamer verklumpte. Die Beteiligungsgesellschaft The Column Group gründete zudem Pleiades und evaluierte eine erste Claude-Fähigkeit an 45 Ziel-Krankheits-Paaren.

Zeitersparnis bei Dokumentation und Zulassungsprozessen

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Bewältigung regulatorischer Dokumentationslasten, für die Herstellungschemiker bislang bis zu 75 Prozent ihrer Arbeitszeit aufwendeten. Bei Enveda prüfte das System 1.061 Seiten an Fertigungsprotokollen aus vier Chargenaufzeichnungen einer Phase-2-Kampagne.

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Über das Werkzeug CMC Document Processor auf Basis von Claude Opus 4.7 wurden sämtliche elf von menschlichen Prüfern erfassten Abweichungen identifiziert sowie sieben zusätzliche Befunde vermerkt.

Die benötigte Zeit für die manuelle Prüfung sank dabei um 89 Prozent von 25,9 Stunden auf 2,8 Stunden. Die reinen Modellkosten für diesen Durchlauf beliefen sich zu Listenpreisen auf 36,97 US-Dollar, was rund 3,5 Cent pro Seite entspricht.

Eine Überprüfung von 500 Seiten beanspruchte etwa 1,3 Stunden bei Kosten unter 20 US-Dollar. Einen FDA-Antragsentwurf erstellte Claude in vier Stunden statt der sonst üblichen rund drei Monate, wobei eine dreiwöchige Nachprüfung unberücksichtigt blieb.

Die formale Freigabe der Chargen verbleibt weiterhin beim internen Qualitätsteam, und das System ist bislang nicht als GMP-Prozess validiert. Enveda verzeichnet seit 2019 insgesamt 17 Wirkstoffkandidaten, von denen sich drei in klinischen Studien befinden.

Interne Pipeline für seltene Krankheiten

Über die übernommene Mithril Medicine koordinierte Gründer Cody Tranbarger mithilfe von Claude Verträge, Logistik und Versuchsreihen mit elf externen Laboren. Ein 341 Seiten starkes Datenpaket zu 113 Antikörperkonstrukten wurde binnen einer Woche in einen Versuchsplan für fünf Auftragsforschungsinstitute überführt.

Im Programm zur Behandlung von LAMA2-bedingter kongenitaler Muskeldystrophie (LAMA2-CMD) gelang in weniger als 18 Monaten ein Wirksamkeitsnachweis an Mäusen. Ein tetravalenter 2+2-Antikörper erzielte das 1,95-Fache der Maximalkraft an den Vorderbeinen im Vergleich zur Kontrollgruppe (95%-Intervall: 1,51–2,51; n=7 behandelte Tiere gegenüber n=4 Kontrollen).

Ziel sind formale Wirkstoffkandidaten für das Jahr 2027. Erste Studien am Menschen sind für LAMA2-CMD frühestens für Ende 2028 und für ein zweites Programm zur Alpha-Dystroglykanopathie frühestens für 2029 geplant.

Als entscheidende offene Frage gilt in Branchenberichten, ob sich die beobachteten Produktivitätsgewinne auch in den streng regulierten Phasen der Validierung, Herstellung und klinischen Erprobung aufrechterhalten lassen.