Ein Bundesberufungsgericht in Washington, D.C. hat die Einstufung des KI-Unternehmens Anthropic als nationales Sicherheitsrisiko für die Lieferkette bestätigt. Mit einer Entscheidung von zwei zu eins Stimmen wies das Gericht eine Klage des Unternehmens ab. Damit erhält das Pentagon die rechtliche Befugnis, Anthropic von Militärverträgen auszuschließen und das KI-Modell Claude aus den Systemen des Verteidigungsministeriums zu entfernen.
Rechtliche Grundlage und Urteilsbegründung
Das Gericht stützte sein Urteil auf den Federal Acquisition Supply Chain Security Act (41 U.S.C. § 4713). In der Urteilsbegründung hieß es, dass für eine solche Einstufung keine böswillige Absicht seitens des Unternehmens erforderlich sei. Vielmehr reiche die begründete Sorge aus, dass Anthropic das Verteidigungsministerium daran hindern könnte, das Sprachmodell Claude für notwendige und vertraglich zulässige Sicherheitsaufgaben einzusetzen.
Richterin Karen Henderson widersprach der Mehrheitsmeinung in einem Sondervotum. Sie vertrat die Auffassung, dass die zugrunde liegende Regelung die offene Durchsetzung von Nutzungsbeschränkungen durch ein Unternehmen nicht erfasse.
Der Streit zwischen dem Pentagon und dem Technologieunternehmen hatte sich bereits im März 2026 verschärft. Damals weigerte sich Anthropic, einer Vertragsänderung zuzustimmen, die eine Nutzung der Technologie für alle rechtmäßigen Zwecke vorgesehen hätte. Das Unternehmen hielt stattdessen an internen Schutzvorkehrungen fest, die den Einsatz der KI in vollautonomen Waffen sowie die Massenüberwachung von US-Bürgern im Inland untersagen.
Differenzierung zu laufenden Verfahren
Die aktuelle Entscheidung des D.C. Circuit bezieht sich explizit auf Aufgaben des Verteidigungsministeriums und gilt nicht für die gesamte Bundesregierung der Vereinigten Staaten. Das Urteil lässt zudem eine frühere Entscheidung eines kalifornischen Gerichts unberührt.
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Ende August 2026 hatte eine Richterin in Kalifornien eine parallele Einstufung auf Basis einer anderen Rechtsgrundlage (10 U.S.C. § 3252) als rechtswidrige Bestrafung gewertet und ein regierungsweites Verbot blockiert. Infolge dieser rechtlichen Konstellation bleibt es anderen Bundesbehörden und privaten Auftragnehmern weiterhin erlaubt, Geschäfte mit Anthropic zu tätigen, während der Einsatz für Pentagon-Aufgaben untersagt bleibt.
Wirtschaftliche Folgen und Börsenpläne
Für Anthropic hat der Ausschluss durch das Verteidigungsministerium erhebliche finanzielle Konsequenzen. Das Unternehmen gab an, dass die Einstufung bereits zu entgangenen Geschäften in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar geführt habe. Zudem sei der Ruf des Unternehmens vor einem geplanten Börsengang beschädigt worden.
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Trotz der rechtlichen Auseinandersetzungen verzeichnet das Unternehmen ein starkes Wachstum. Branchenberichten zufolge wächst der Umsatz von Anthropic jährlich etwa um das Zehnfache.
Ein Börsengang wird für November 2026 angestrebt, wobei Marktbeobachter eine Bewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar für möglich halten. Die Einstufung als Risiko durch das Pentagon könnte jedoch einen wesentlichen Teil des Geschäfts mit Unternehmenskunden gefährden.
Anthropic verfügte bereits über Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem Militär. Im Juli 2025 sicherte sich das Unternehmen einen Pentagon-Vertrag mit einem maximalen Volumen von 200 Millionen US-Dollar.
Angesichts der Bedeutung des Urteils erwägt Anthropic weitere juristische Schritte. Möglich sind eine erneute Anhörung vor dem gesamten Gremium der elf Richter des Berufungsgerichts oder eine Überprüfung durch den Supreme Court der Vereinigten Staaten.

