Der US-KI-Konzern Anthropic hat seine leistungsstärksten Modelle Claude Fable 5 und Mythos 5 weltweit vom Netz genommen. Grund ist eine Exportkontrollverfügung der US-Regierung aus nationalen Sicherheitserwägungen.
Das US-Handelsministerium unter Minister Howard Lutnick erließ die Anordnung am Nachmittag des 12. Juni 2026. Sie verbietet ausländischen Staatsangehörigen – einschließlich Anthropics eigener internationaler Mitarbeiter in den USA – die Nutzung der beiden KI-Modelle. Das Unternehmen reagierte umgehend: Am 13. Juni wurden die Systeme global deaktiviert.
Warum Anthropic den Stecker zog
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Die Begründung des Konzerns ist technisch wie politisch brisant. „Wir können die Staatsbürgerschaft eines Nutzers nicht in Echtzeit überprüfen“, teilte Anthropic mit. Deshalb bleibe nur die komplette Abschaltung. Geschäftskunden wurden angewiesen, auf das ältere Modell Claude Opus 4.8 zurückzugreifen. Amazon AWS hat den Zugriff auf die betroffenen Systeme bereits auf Anthropics Bitte hin entfernt.
Pentagon-CIO Kirsten Davies verteidigte den Schritt: „Nationale Sicherheit hat oberste Priorität.“ Die Maßnahme markiert eine Zäsur in der US-Politik: Erstmals sanktionieren die Behörden direkt bestimmte KI-Softwaremodelle – nicht nur Hardware oder Chip-Exporte.
Streit um Sicherheitslücken
Die Regierung beruft sich auf einen angeblichen „Jailbreak“-Exploit, der es Nutzern ermöglichen soll, Sicherheitsprotokolle zu umgehen und Schwachstellen in Software zu identifizieren. Auslöser könnte eine öffentliche Demonstration des Forschers Pliny the Liberator am 10. Juni 2026 gewesen sein.
Anthropic bestreitet die Schwere der Vorwürfe. Das Unternehmen betont, dass Fable 5 – erst am 9. Juni 2026 gestartet – als besonders sichere Version von Mythos 5 entwickelt wurde. Interne Untersuchungen hätten ergeben, dass die identifizierten Schwachstellen eng begrenzt und nicht universell seien. „Wir haben Tausende Stunden Red-Teaming mit der US-Regierung und dem britischen KI-Sicherheitsinstitut AISI durchgeführt – ohne einen universellen Jailbreak zu finden“, so der Konzern.
Ein Sprecher warnte: „Wenn dieser strenge Regulierungsstandard auf die gesamte Branche angewendet wird, könnte das die Einführung aller neuen KI-Modelle faktisch stoppen.“ Auch andere öffentlich zugängliche Systeme wie OpenAIs GPT-5.5 verfügten über vergleichbare Fähigkeiten zur Identifikation von Softwarefehlern.
Spannungen mit der Regierung und IPO in Gefahr
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Die Modellsperre ist der vorläufige Höhepunkt eskalierender Spannungen zwischen Anthropic und der aktuellen US-Administration. Bereits im März 2026 hatte das Pentagon den Konzern auf eine schwarze Liste gesetzt – nachdem Anthropic sich geweigert hatte, seine Modelle für militärische Überwachung und die Entwicklung autonomer Waffen freizugeben.
Der Zeitpunkt könnte für das Unternehmen kaum ungünstiger sein. Im Mai 2026 reichte Anthropic vertraulich einen Börsengang ein. Branchenkenner schätzen den Wert des Konzerns auf knapp eine Billion Euro. Analysten warnen: Ein langanhaltendes Verbot der Flaggschiff-Modelle könnte die Börsenpläne gefährden und das Wachstum auf internationalen Märkten bremsen – darunter Indien, wo Anthropic mit Firmen wie TCS und Infosys kooperiert.
Während Anthropic weiterhin mit den Regulierungsbehörden an einer Wiederherstellung des Zugangs arbeitet, hat das OECD-KI-Politikobservatorium den Vorfall bereits als dokumentiertes KI-Risiko eingestuft. US-Handelsminister Howard Lutnick und der britische Minister Kanishka Narayan betonten die Notwendigkeit, technologische Souveränität zu wahren und KI-beschleunigte Cybersicherheitsrisiken einzudämmen.

