Das Unternehmen reagierte umgehend und nahm seine beiden fortschrittlichsten Modelle Fable 5 und Mythos 5 vom Netz. Seit dem 15. Juni 2026 haben alle Kunden weltweit keinen Zugriff mehr auf die Systeme.
Die neuen Exportbeschränkungen zeigen, wie schnell KI-Technologien in den Fokus der Behörden geraten. Dieser kostenlose Leitfaden hilft Unternehmen, die komplexen Anforderungen der KI-Verordnung und des EU AI Acts rechtssicher umzusetzen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Sicherheitslücke als Auslöser
Ausgangspunkt der Maßnahmen war eine Anordnung des US-Handelsministeriums vom 12. Juni 2026. Minister Howard Lutnick unterzeichnete ein Dekret, das ausländischen Staatsangehörigen – auch jenen mit Wohnsitz in den USA – die Nutzung der beiden Anthropic-Modelle untersagt. Um die Vorgaben vollständig zu erfüllen, zog das Unternehmen die Systeme für die gesamte Nutzerbasis zurück.
Der Stein des Anstoßes: eine sogenannte Jailbreak-Sicherheitslücke. Die Sicherheitsforscherin Katie Moussouris von Luta Security und weitere Experten berichten, dass der Fehler durch eine einfache Drei-Wort-Eingabe ausgelöst wurde: „fix this code“. Entdeckt hatten die Schwachstelle demnach Forscher von Amazon. Konzernchef Andy Jassy informierte daraufhin das Weiße Haus.
Während die US-Regierung die Angelegenheit als ernste Sicherheitsbedrohung einstuft, zeigt sich Anthropic zurückhaltender. Das Unternehmen bezeichnet den Fehler als eng begrenzt und die Schwachstellen als geringfügig. Die Reaktion der Regierung sei unverhältnismäßig.
Verhandlungen in Washington
Am Montag reisten Anthropic-Führungskräfte nach Washington, um mit Beamten des Handelsministeriums über den Cyber-Sicherheitskonflikt zu verhandeln. Das Unternehmen argumentiert, dass seine Modelle nicht einzigartig gefährlich seien – andere führende KI-Systeme wiesen vermutlich ähnliche Schwachstellen auf.
Der Konflikt offenbart ein zunehmend angespanntes Verhältnis zwischen dem KI-Entwickler und der aktuellen US-Regierung. Beobachter und Kritiker – darunter Wissenschaftler der Georgetown University und des Cato Institute – vermuten, dass die Anordnung Vergeltungscharakter haben könnte. Sie verweisen auf Anthropics frühere Weigerung, seine KI-Technologie für Massenüberwachungsprogramme oder autonome Waffensysteme bereitzustellen.
Zusätzlich wirft die Regierung dem Unternehmen vor, den Jailbreak nicht gemeldet und Fable 5 ohne die erforderliche vorherige Prüfung veröffentlicht zu haben.
Sicherheitslücken in KI-Systemen können gravierende rechtliche Folgen haben, von Exportstopps bis hin zu Compliance-Verstößen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und welche Dokumentationspflichten Sie jetzt erfüllen müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum AI Act sichern
Europäische Partner alarmiert
Die plötzliche Abschaltung von Fable 5 und Mythos 5 löst weit über die USA hinaus Besorgnis aus. Vor der Deaktivierung hatte Mozilla Mythos 5 genutzt, um über 270 Schwachstellen im Firefox-Browser zu identifizieren.
Europäische Spitzenpolitiker und IT-Verantwortliche zeigen sich alarmiert. Sie sehen in dem Vorgang eine gefährliche Abhängigkeit von US-basierten KI-Modellen. Die Forderung nach mehr technologischer Souveränität in Europa gewinnt damit neue Dringlichkeit.
Fast 100 Sicherheitsexperten unterzeichneten einen offenen Brief, der die Aufhebung der Exportkontrollen fordert. Die Forderung nach „unhackbaren“ Modellen sei unrealistisch, so die Experten. Die aktuellen Beschränkungen könnten die globale Forschung und defensive Cybersicherheitsbemühungen behindern.
Anthropic bereitet derweil seinen Börsengang vor. Das Unternehmen steht weiterhin unter Druck durch eine neue Executive Order der US-Regierung zu Künstlicher Intelligenz – ein Instrument, das mit dieser Durchsetzungsmaßnahme erstmals auf die Probe gestellt wird.

