Anthropic vs. China: Claude-Modelle über Dark Web massenhaft kopiert

Anthropic wirft vier chinesischen KI-Anbietern illegale Claude-Kopien vor und plant laut Berichten im Oktober den eigenen Börsengang.

Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic hat schwere Vorwürfe gegen mehrere chinesische Anbieter von künstlicher Intelligenz erhoben. Den Firmen Moonshot AI, DeepSeek, MiniMax und Alibaba wird vorgeworfen, die Claude-Modelle von Anthropic illegal kopiert zu haben.

Laut dem Unternehmen nutzen die Wettbewerber unrechtmäßige Methoden, um eigene Modelle auf Basis der US-Technologie zu entwickeln und diese anschließend als kostengünstigere Alternativen anzubieten.

Systematischer Missbrauch über das Dark Web

Jacob Klein, der als Chef der Bedrohungsanalyse bei Anthropic tätig ist, erläuterte die Hintergründe der Vorwürfe. Den Angaben zufolge greifen die ausländischen Konkurrenten auf sogenannte Modelldestillation zurück, um die Funktionalitäten der Claude-Modelle zu übernehmen. Dabei würden systematisch gestohlene Konten und das Dark Web genutzt, um die Sicherheitsvorkehrungen von Anthropic zu umgehen.

Für den Zugriff auf die Systeme sollen die chinesischen Labore zudem Tausende von gefälschten Nutzerkonten verwenden. Durch diese massenhafte automatisierte Abfrage der Modelle lassen sich Daten generieren, mit denen eigene, fremde Modelle trainiert werden können. Dieser Prozess ermöglicht es den Angreifern, die hohen Forschungs- und Entwicklungskosten zu umgehen, die Anthropic für die ursprüngliche Erstellung der Claude-Serie aufgewendet hat.

Kimi K3 und nationale Sicherheitsrisiken

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Ein konkretes Beispiel für dieses Vorgehen sieht Anthropic in dem Modell Kimi K3 des Anbieters Moonshot AI. Dieses Modell soll im vergangenen Juli unter Einsatz der beschriebenen illegalen Praktiken trainiert worden sein. Die Vorfälle beschränken sich nach Einschätzung von Anthropic jedoch nicht nur auf wirtschaftliche Schäden durch die Verletzung geistigen Eigentums.

Das Unternehmen betonte, dass der Diebstahl hochentwickelter KI-Modelle auch erhebliche Risiken für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten darstelle. Die unkontrollierte Verbreitung und Nachbildung dieser Technologie durch ausländische Akteure wird als strategische Bedrohung eingestuft.

In diesem Zusammenhang verwies Anthropic auf ein offizielles Memorandum der Trump-Administration aus dem April des laufenden Jahres, in dem derartige Praktiken bereits als inakzeptabel eingestuft wurden.

Börsengang in Vorbereitung

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Die Vorwürfe fallen in eine Phase strategischer Neuausrichtung und Expansion für das US-Unternehmen. Während Anthropic versucht, seine technologische Basis gegen unbefugte Zugriffe zu schützen, treibt das Management den weiteren unternehmerischen Ausbau voran. Für den kommenden Oktober plant das Unternehmen laut aktuellen Berichten seinen Börsengang.

Die Debatte um den Schutz von KI-Modellen dürfte damit nicht nur eine juristische und sicherheitspolitische Dimension behalten, sondern auch für potenzielle Investoren an Bedeutung gewinnen.

Branchenbeobachter werten die klaren Vorwürfe als Signal, dass führende KI-Entwickler künftig stärker gegen die kommerzielle Verwertung kopierter Technologien vorgehen werden. Eine Stellungnahme der beschuldigten chinesischen Unternehmen zu den Vorwürfen liegt derzeit noch nicht vor.