Anthropic warnt vor Alibaba: 28,8 Mio. Anfragen aus Fake-Accounts

Anthropic führt ab 8. Juli 2026 eine ID- und Gesichtserkennungspflicht für Claude-Nutzer ein, nachdem Alibaba massiver Missbrauch vorgeworfen wurde.

KI-Entwickler Anthropic verschärft die Sicherheitsmaßnahmen drastisch. Ab dem 8. Juli 2026 müssen bestimmte Claude-Nutzer ihren Ausweis hochladen und sich per Gesichtserkennung identifizieren. Der Schritt folgt auf eine Reihe nationaler Sicherheitsdirektiven, die den Zugriff auf die leistungsstärksten Modelle des Unternehmens bereits eingeschränkt haben.

Exportkontrollen und Modell-Sperren

Den Anfang machte eine Exportkontroll-Verfügung der US-Regierung vom 12. Juni 2026. Sie zwang Anthropic, seine fortschrittlichsten Modelle Fable 5 und Mythos 5 für ausländische Staatsangehörige zu sperren. Obwohl sich die Anordnung gezielt gegen ausländische Nutzer richtete, reagierte Anthropic zunächst mit einer globalen Sperre für alle Kunden. Die Begründung: Sicherheitslücken.

Amazon-Forscher hatten das Weiße Haus zuvor vor möglichen Jailbreak-Risiken gewarnt. Ein Red-Team-Test der National Security Agency (NSA) ergab zudem, dass das Mythos-Modell innerhalb weniger Stunden in klassifizierte Systeme eindringen konnte. Bereits Anfang des Jahres hatte das Pentagon Anthropic als Lieferkettenrisiko eingestuft.

Anthropic-CEO Dario Amodei traf sich zwar beim G7-Gipfel mit der Trump-Administration, um über die Beschränkungen zu sprechen. Inzwischen hat das Unternehmen jedoch die Verhandlungsführung gewechselt: Tom Brown leitet nun die Gespräche zur Aufhebung der Exportkontrollen.

Der Alibaba-Vorwurf: 28,8 Millionen Anfragen aus Fake-Accounts

Ein zentraler Auslöser für die neuen Identifikationspflichten ist der mutmaßliche massive Missbrauch von Anthropics Diensten durch ausländische Akteure. Am 24. Juni 2026 wurde bekannt, dass Anthropic dem chinesischen Konzern Alibaba vorwirft, tausende betrügerische Konten genutzt zu haben, um illegal auf Claude zuzugreifen.

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In einem Schreiben an US-Senatoren vom 10. Juni 2026 legte Anthropic Details offen: Zwischen dem 22. April und dem 5. Juni soll Alibaba über 25.000 Fake-Accounts insgesamt 28,8 Millionen Austausche mit Claude generiert haben. Als Konsequenz führt das Unternehmen ab dem 8. Juli eine Pass- oder ID-Verifizierung für alle Claude-API-Nutzer ein. Zudem empfiehlt Anthropic dem Gesetzgeber, das Kartellrecht zu verschärfen und strengere Chip-Exportkontrollen einzuführen, um Labs für solche Praktiken zu bestrafen.

So läuft die Verifizierung ab

Die Umsetzung der neuen Richtlinie erfolgt über Drittanbieter. Persona Identities übernimmt die Prüfung von Ausweisen und die Gesichtserkennung, Yoti die Altersverifikation. Betroffen sind alle API-Nutzer sowie ein Teil der Privatkunden mit Free-, Pro- und Max-Tarifen, die als potenziell betrugsgefährdet eingestuft werden.

Die Reaktionen in den sozialen Medien sind heftig. Kritiker und Datenschutzorganisationen warnen vor der Speicherung sensibler biometrischer Daten. Anthropic verteidigt die Maßnahmen als notwendig für die Betrugsbekämpfung und zur Einhaltung sich verschärfender Regulierungsstandards.

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Europa reagiert: Brüsseler Gespräche und heimische Alternativen

Die US-Exportkontrollen haben längst internationale Wellen geschlagen. Nachdem europäische Nutzer von Fable 5 und Mythos 5 abgeschnitten wurden, fanden Gespräche zwischen Brüsseler und Washingtoner Beamten statt. Das Vereinigte Königreich beantragte eine Sonderregelung, die jedoch abgelehnt wurde. Die Europäische Kommission erwägt nun, die Förderung heimischer KI-Alternativen zu beschleunigen.