Die Apothekerschaft (ABDA) hat im Vorfeld des Deutschen Apothekertages in München einen strategischen Fünf-Punkte-Plan vorgestellt, um die Arzneimittelversorgung in Deutschland zukunftsfest zu gestalten.
Das Papier fokussiert sich auf die wirtschaftliche Stabilisierung der Vor-Ort-Apotheken, den Ausbau der Primärversorgung, eine weitreichende Entbürokratisierung sowie Maßnahmen zur Krisenresilienz und zur Eindämmung des ausländischen Versandhandels.
Der Deutsche Apothekertag, zu dem mehr als 300 Delegierte aus 17 Kammern und 17 Verbänden erwartet werden, findet in diesem Jahr vom 15. bis 17. September in München statt. Die dort diskutierten Forderungen stützen sich unter anderem auf den aktuellen Apothekenklima-Index (AKI), für den 500 Apothekeninhaber befragt wurden.
Forderungen an die Bundespolitik
Im Zentrum der wirtschaftlichen Forderungen an Bundesgesundheitsminister Linnemann steht die Anpassung der Vergütungsstruktur. Die ABDA fordert eine Überprüfung des Kassenabschlags, der zum Jahreswechsel von 1,77 Euro auf 2,07 Euro steigen soll.
Stattdessen wird eine zweistufige Anhebung des Fixums auf 9,50 Euro angestrebt. Bereits zum 1. Juli 2026 war das Fixum für verschreibungspflichtige Medikamente von 8,35 Euro auf 9,00 Euro erhöht worden; die nächste geplante Stufe auf 9,50 Euro ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen.
Zudem spricht sich die Standesvertretung für eine stärkere Regulierung des Versandhandels aus. ABDA-Präsident Preis bezeichnete diesen Sektor als Störfaktor für die flächendeckende Versorgung.
In diesem Zusammenhang schlägt die Organisation eine Ergänzung im Sozialgesetzbuch (§ 43c Abs. 2 SGB V) vor, um Werbung für den Erlass von Zuzahlungen explizit zu verbieten. Für das Jahr 2027 wird zudem mit einer Steigerung der Zuzahlungen um 50 Prozent gerechnet.
Stimmungslage in der Apothekerschaft
Der Kassenabschlag soll zum Jahreswechsel von 1,77 auf 2,07 Euro steigen, das Fixum erst 2027 auf 9,50 Euro — 46 Prozent der befragten Inhaber werten den Abschlag laut Apothekenklima-Index als harten Einschnitt in ihre wirtschaftliche Basis. Wer die eigene Kalkulation darauf ausrichten will, findet in diesem Report den Fünf-Punkte-Plan der Apothekerschaft, die Zahlen des Index und die neuen Dienstleistungen als Erlösbausteine. Kostenlosen Strategie-Report anfordern
Die Ergebnisse des Apothekenklima-Index 2026 verdeutlichen die angespannte Lage in der Branche. Rund 47 Prozent der befragten Inhaber bewerten die aktuelle Gesundheitspolitik als mangelhaft oder ungenügend. Weniger als 10 Prozent vergeben die Noten gut oder sehr gut.
Hinsichtlich der Honorarentwicklung zeigen sich die Apothekenleiter skeptisch: 39 Prozent der Befragten betrachten die Erhöhungen ohne eine dauerhafte Dynamisierung als wertlos. Weitere 29 Prozent nannten die Maßnahmen inkonsequent, während lediglich 15 Prozent darin ein wichtiges Signal sehen. Den geplanten Anstieg des Kassenabschlags auf 2,07 Euro werten 46 Prozent der Teilnehmer als harten Einschnitt in ihre wirtschaftliche Basis.
Strukturwandel und neue Aufgabenfelder
Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen gibt es Anzeichen für eine leichte Stabilisierung bei den Betriebszahlen. Zum 30. Juni 2026 gab es bundesweit 16.488 Apotheken. Dies entspricht einem Rückgang um 113 Standorte seit Beginn des Kalenderjahres, wobei 30 Neueröffnungen insgesamt 143 Schließungen gegenüberstanden.
ABDA-Präsident Preis wies darauf hin, dass sich das Apothekensterben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – im ersten Halbjahr 2025 belief sich der Rückgang auf 238 Apotheken – verlangsamt habe.
Dennoch markiere der aktuelle Stand den niedrigsten Wert seit rund fünf Jahrzehnten. Mit knapp 20 Apotheken pro 100.000 Einwohnern liegt Deutschland deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von rund 31 Apotheken.
Mit knapp 20 Apotheken pro 100.000 Einwohnern liegt Deutschland deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von rund 31 — und 143 Schließungen standen im ersten Halbjahr 2026 nur 30 Neueröffnungen gegenüber. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie Impfungen, Blutentnahmen und Raucherentwöhnung als neue Kernaufgaben der Primärversorgung in Ihrer Offizin aufbauen und dokumentieren. Leitfaden jetzt anfordern
Um die Rolle der Apotheken in der Gesundheitsversorgung zu stärken, setzt die Branche künftig verstärkt auf pharmazeutische Dienstleistungen. Hierzu zählen insbesondere Schutzimpfungen, Blutentnahmen und Programme zur Raucherentwöhnung, die als neue Kernaufgaben der Primärversorgung etabliert werden sollen.
Während 38 Prozent der Apotheken mit einer weiteren Verschlechterung ihrer Lage rechnen, ist dieser Wert im Vergleich zu vor zwei Jahren gesunken, als noch 63 Prozent der Betriebe pessimistisch in die Zukunft blickten.

