Apotheken statt Spitalsambulanz: Telemedizin könnte über 46.500 Euro sparen

Das Apothekenmodell verzeichnet hohe Patientenzufriedenheit und Einsparungen; die Ärztekammer warnt vor möglichen Parallelstrukturen.

•

In Österreich stößt die Verknüpfung von Vor-Ort-Beratung und digitaler Medizin auf reges Interesse. Im Rahmen eines Pilotprojekts zur assistierten Telemedizin in Apotheken wurden von Februar bis Juni 2026 insgesamt 481 assistierte Arztkonsultationen durchgeführt.

Die Initiative wurde von der Österreichischen Apothekerkammer gemeinsam mit Uniqa Health Services, Mavie Next und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in ausgewählten Apotheken in Wien und Oberösterreich umgesetzt, wie das Portal medianet.at am 04.10.2026 berichtete.

Das Modell sieht vor, dass Patientinnen und Patienten direkt in den Räumlichkeiten der Apotheke eine Videosprechstunde mit Ärztinnen und Ärzten wahrnehmen können. Dabei werden sie vom pharmazeutischen Fachpersonal vor Ort bei der Nutzung der Technik und den vorbereitenden Schritten unterstützt.

Entlastung von Spitalsambulanzen und messbare Einsparungen

Die Begleitdaten des Projekts zeichnen ein positives Bild bei Akzeptanz und Behandlungsverlauf. Nach Angaben der Österreichischen Apothekerkammer waren 9 von 10 Patienten mit den assistierten Telemedizin-Konsultationen sehr zufrieden. Zudem führte der digitale Arztkontakt in den meisten Fällen zu einer konkreten therapeutischen Maßnahme: Bei 94 % der Konsultationen wurde etwas verordnet.

Besondere Bedeutung kommt dem Angebot mit Blick auf die Steuerung von Patientenströmen zu. Rund 24 % der Ratsuchenden gaben an, dass sie sich ohne das telemedizinische Angebot in der Apotheke an eine Spitalsambulanz gewandt hätten. Nach der erfolgten Telekonsultation suchten schließlich weniger als 1 % tatsächlich eine solche Ambulanz auf.

Anzeige

Das Pilotprojekt zeigt: In 481 assistierten Videosprechstunden wurden 24 % der Ratsuchenden von der Spitalsambulanz ferngehalten — bei 18,62 Euro Einsparung pro Fall. Wer das Modell selbst testen will, braucht einen klaren Ablauf für Technik, Personal und Dokumentation. Kostenlosen Praxisleitfaden jetzt anfordern

Dieser Effekt wirkt sich auch auf die Ausgabenseite aus. Eine entsprechende Auswertung beziffert die Einsparung auf 18,62 € pro Fall. Eine Fortführung der Initiative in 50 Apotheken über einen Zeitraum von fünf Monaten würde laut der Studie mehr als 46.500 € einsparen.

Apothekerschaft drängt auf Weiterführung – Ärztekammer skeptisch

Angesichts dieser Ergebnisse setzt sich die Standesvertretung für einen dauerhaften Verbleib des Angebots im Gesundheitssystem ein. Innerhalb der Apothekerschaft befürworten 90 % eine feste Etablierung des telemedizinischen Services im Regelbetrieb. Für viele Betriebe bietet der Service die Möglichkeit, ihre Funktion als wohnortnahe Erstberatungsstelle weiter zu stärken und das Leistungsspektrum auszubauen.

Anzeige

Noch ist offen, ob die assistierte Telemedizin dauerhaft im Regelbetrieb bleibt — die Ärztekammer warnt vor Parallelstrukturen, 90 % der Apothekerschaft wollen sie behalten. Wer jetzt ein eigenes Pilotprojekt vorbereitet, hat die Argumente und den Umsetzungsplan parat. Schritt-für-Schritt-Umsetzungsplan sichern

Gleichzeitig stößt das Modell auf Vorbehalte der niedergelassenen Ärzteschaft. Die Österreichische Ärztekammer äußerte deutliche Kritik an dem Vorstoß und warnte vor dem Entstehen möglicher Parallelstrukturen durch die assistierte Telemedizin in Apotheken.

Aus Sicht der ärztlichen Standesvertretung sollte die medizinische Diagnostik und Behandlung primär in den etablierten Strukturen der Praxen verbleiben. Die Diskussion um die künftige Rolle von Apotheken in der digital gestützten Grundversorgung dürfte sich damit weiter fortsetzen.