Der Software-Entwickler Jeff Johnson (StopTheMadness) berichtete am 13. August 2026 über erhebliche Mängel im Überprüfungsprozess des Apple App Stores.
Im Zentrum der Kritik steht die „TabControl Extension“, eine Safari-Erweiterung, die im US-amerikanischen Mac-App-Store zeitweise den zwölften Platz der meistverkauften Anwendungen belegte. Johnson zufolge nutze die App offensichtlich manipulative Marketingpraktiken, um Nutzer über ihre tatsächliche Qualität zu täuschen.
Vorwürfe wegen manipulativer Screenshots und falscher Daten
Johnson legte dar, dass die betroffene App KI-generierte Screenshots verwende, in denen eine Bewertung von „4,9 von 5“ Sternen grafisch eingebunden sei.
Diese Angabe stehe in direktem Widerspruch zum eigentlichen System, da die tatsächliche Bewertung der App im Store gar nicht angezeigt werde. Er argumentierte, dass Apple solche Täuschungsversuche leicht unterbinden könnte, da das Unternehmen Zugriff auf die eigenen Daten habe und die Korrektheit von Bewertungsangaben in Produktbildern verifizieren könne.
Diese Beobachtungen stehen im Kontrast zu den von Apple veröffentlichten Zahlen zur Sicherheit der Plattform. Das Unternehmen gab an, im Jahr 2024 betrügerische Transaktionen im Wert von 2 Milliarden US-Dollar verhindert zu haben. Für das Jahr 2025 bezifferte Apple diese Summe auf 2,2 Milliarden US-Dollar.
Insgesamt habe das Unternehmen laut eigenen Angaben in den vergangenen fünf Jahren Betrug im Volumen von über 9 Milliarden US-Dollar abgewehrt. Kritiker werfen dem Konzern jedoch vor, dass der Prüfungsprozess trotz dieser Investitionen bei der Erkennung offensichtlicher Manipulationen versage.
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Inhaltskontrolle unter Druck: Nudify-Apps und Deepfakes
Zusätzlich zur Problematik gefälschter Bewertungen gerieten die Inhaltsrichtlinien des App Stores in die Kritik. Berichten von „The Independent“ und dem „Tech Transparency Project“ zufolge wurden im US-Store 47 sogenannte „Nudify-Apps“ identifiziert. Eine dieser Anwendungen habe es ermöglicht, Deepfake-Szenen mit sexuellem Bezug zu erstellen. Apple entfernte die entsprechende App erst nach einem Hinweis durch Medienvertreter.
Während Apple eine direkte Stellungnahme zu dem Vorfall ablehnte, verwies das Unternehmen auf seine Richtlinien, die sexuelle Inhalte strikt untersagen. In diesem Zusammenhang gewinnt die rechtliche Lage an Bedeutung: Im Vereinigten Königreich ist die Erstellung nicht einvernehmlicher Deepfakes seit dem Jahr 2026 gesetzlich verboten.
Branchenbeobachter führen zudem weitere Beispiele für ein Versagen der Überprüfung an. So wurde auf Preisabweichungen bei Anwendungen wie „Simply Piano“ hinterlassen, bei denen die im Store gelisteten Gebühren im Vereinigten Königreich deutlich unter den tatsächlichen In-App-Preisen lagen.
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Rechtliche Konsequenzen und internationale Ermittlungen
Der Druck auf Apples App-Store-Modell verschärft sich auch auf juristischer Ebene. Am 13. August 2026 ordnete Richterin Yvonne Gonzalez Rogers ein Beweisverfahren an, um die tatsächlichen Koordinationskosten für die Provisionen bei externen Links zu klären.
Apple hatte für solche Käufe eine Provision von 27 Prozent verlangt, was von der Richterin kritisch bewertet wurde. Gerichtsakten legten zudem nahe, dass innerhalb der Apple-Führung unterschiedliche Ansichten über wettbewerbsstrategische Entscheidungen bestanden.
Auch international sieht sich Apple Ermittlungen ausgesetzt. Die südkoreanische Medienkommission KMCC kam am 12. August 2026 zu dem Schluss, dass Apple und Google gegen nationale Gesetze zu In-App-Zahlungen verstoßen haben.
Apple habe demnach unterschiedliche Provisionsstandards für koreanische Entwickler angewandt, was zu zusätzlichen Kosten in Höhe von 149,6 Milliarden Won (entspricht etwa 105,7 Millionen US-Dollar) geführt habe.
Bereits im Juni 2026 reichten zudem 48 chinesische iOS-Entwickler eine Beschwerde bei der staatlichen Verwaltung für Marktregulierung ein, in der sie dem Unternehmen monopolistisches Verhalten vorwerfen.
Zur Verbesserung der App-Qualität schlug Jeff Johnson vor, das Apple Developer Program zu reformieren und separate Überprüfungswarteschlangen für bewährte Entwickler einzuführen. Branchenanalysten warnen jedoch davor, dass solche Maßnahmen neue Anbieter benachteiligen könnten.

