App-Store-Klage: Apple muss 50 Millionen Euro zahlen wegen Glücksspiel-Apps

Vier Organisationen verklagen Apple auf Schadensersatz, da Minderjährige im App Store Zugang zu Glücksspiel-Apps erhalten. Der Konzern soll Alterskontrollen nachrüsten.

Apple sieht sich in Brasilien einer milliardenschweren Klage gegenüber: Vier Kinderrechtsorganisationen werfen dem Konzern vor, Minderjährige unzureichend vor Glücksspiel-Apps zu schützen. Der Fall könnte weitreichende Folgen für den App Store haben.

Vorwurf: Keine wirksame Alterskontrolle

Am 30. Juli reichten vier Organisationen – darunter Anced, Educafro Brasil, das Santo Dias Zentrum und Visão Mundial – eine Sammelklage gegen Apple ein. Sie fordern umgerechnet rund 50 Millionen Euro Schadensersatz. Der Vorwurf: Der App Store ermögliche Minderjährigen den Zugang zu Casino-Spielen, ohne dass eine ausreichende Altersverifikation stattfinde.

Als Beispiel nennen die Kläger die App „Casino Roulette: Roulettist“. Zwar ist die Anwendung mit 18+ gekennzeichnet, doch nach Ansicht der Organisationen fehlen wirksame Kontrollen. Weder Dokumentenprüfung noch biometrische Verfahren verhinderten, dass Kinder die App herunterladen.

Hohe Ausgaben durch In-App-Käufe

Besonders kritisch sehen die Organisationen die finanziellen Risiken. In der genannten Roulette-App können Nutzer In-App-Käufe von umgerechnet bis zu 118 Euro tätigen. Da wirksame Barrieren fehlten, hätten Minderjährige Zugang zu Glücksspiel-Mechaniken und könnten erhebliche Summen ausgeben, argumentieren die Kläger.

Geforderte Maßnahmen und Strafen

Die Klage zielt über finanzielle Entschädigung hinaus. Die Organisationen verlangen, dass Apple ein robustes Altersverifikationssystem für den brasilianischen App Store einführt. Zudem soll der Konzern halbjährlich über seine Compliance-Maßnahmen berichten.

Sollte Apple einer gerichtlichen Anordnung zur strengeren Alterskontrolle nicht innerhalb von zehn Tagen nachkommen, droht ein Zwangsgeld von umgerechnet rund 100.000 Euro pro Tag.

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Apples Verteidigung

Der Konzern verweist auf bestehende Schutzmechanismen. Die Familienfreigabe ermögliche Eltern, die App-Nutzung und Ausgaben ihrer Kinder zu verwalten. Zudem durchlaufe jede App vor Veröffentlichung einen Prüfprozess.

Doch offenbar reagiert Apple bereits auf den Druck: Berichten zufolge testet das Unternehmen derzeit ein spezifischeres Altersverifikationssystem für den brasilianischen Markt.

Weltweiter Druck auf den App Store

Der Fall in Brasilien reiht sich ein in zunehmende regulatorische Herausforderungen für Apple. Erst einen Tag zuvor, am 29. Juli, erließ die indische Glücksspielbehörde eine wegweisende Anweisung an App-Stores: Digitale Plattformen sollen Geldspiel-Anwendungen nicht länger ermöglichen. Grundlage ist das indische Online-Glücksspielgesetz, das am 1. Mai 2026 in Kraft trat. Bei Verstößen drohen Plattform-Sperrungen und erhebliche Geldstrafen.

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Auch in anderen Regionen steht Apples App-Review-Prozess in der Kritik. In einem separaten Fall klagen drei Nutzer, nachdem sie gemeinsam 1,8 Millionen Dollar durch eine betrügerische Bitcoin-Wallet-App verloren hatten, die die App-Store-Sicherheit umgangen hatte. Apple erklärte, die App entfernt und die Entwicklerkonten gesperrt zu haben – die Kläger werfen dem Konzern dennoch mangelnde Sorgfalt bei der Prüfung vor.

Der Ausgang des brasilianischen Verfahrens könnte Signalwirkung haben – nicht nur für Südamerika, sondern für die globale Regulierung von App-Stores.