Der Konzern steht unter Druck: Ein Führungswechsel steht bevor, und die Vorwürfe des Stalkings mit AirTags reißen nicht ab.
Technische Aufrüstung gegen Missbrauch
Die zweite Generation des AirTag kam im Januar 2026 auf den Markt – und sie ist deutlich lauter geworden. Der eingebaute Lautsprecher soll rund 50 Prozent mehr Schall liefern als das Original von 2021. Hinzu kommt ein verbesserter Ultrabreitband-Chip, der die „Präzisionssuche“ aus doppelter Entfernung ermöglicht. Ziel: Verdächtige Tracker schneller aufspüren.
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Am 1. April 2026 legte Apple mit der Firmware-Version 3.0.45 nach. Die Aktualisierung verändert die Töne, die ein unerwünschter AirTag von sich gibt. Das soll die Identifizierung während der Suche erleichtern. Und noch etwas ist neu: Der Lautsprecher sitzt so im Gehäuse, dass er sich kaum noch manipulieren lässt. Ein Schwachpunkt, den Sicherheitsexperten seit dem Start des ersten AirTag immer wieder kritisiert hatten.
Branchenstandard gegen unerwünschte Ortung
Die technischen Verbesserungen sind Teil einer größeren Initiative: dem „Detecting Unwanted Location Trackers“-Standard, kurz DULT. Apple und Google hatten sich im Mai 2024 darauf geeinigt, Ortungswarnungen zwischen iOS und Android zu synchronisieren. Ein Meilenstein – aber noch nicht das Ende der Entwicklung.
Ende Februar 2026 tagte die zuständige Arbeitsgruppe der Internet Engineering Task Force (IETF). Thema: das „Bedrohungsmodell“ für den DULT-Standard. Die Teilnehmer diskutierten, wie sich auch nicht-konforme Tracker erkennen lassen – also Geräte, die nicht den offiziellen Herstellerstandards entsprechen. Ziel ist ein Protokoll, das unabhängig von der Marke funktioniert. Besonders heikel: Der Zugriff auf die Standortnetzwerke, die diese Tracker erst nutzbar machen.
Stalking-Risiko bleibt trotz Fortschritten
Die Warnungen kommen heute oft innerhalb von 8 bis 24 Stunden, nachdem sich der Tracker von seinem Besitzer getrennt hat. Das ist ein Fortschritt. Doch die Geräte sind klein, günstig und leicht zu verstecken – ein ideales Werkzeug für Belästigung und Stalking.
Die Justiz beschäftigt sich längst mit dem Problem. Ende 2024 ließ ein Bundesrichter in Kalifornien Teile einer Sammelklage gegen Apple zu. Die Kläger werfen dem Konzern vor, beim ersten AirTag fahrlässig gehandelt zu haben – die Sicherheitsfunktionen seien unzureichend gewesen. Apple verweist auf die branchenweit führenden Schutzmaßnahmen und die Zusammenarbeit mit den Behörden. Der Rechtsstreit ist noch nicht entschieden.
Führungswechsel mit Signalwirkung
Am 20. April 2026 gab Apple bekannt: Tim Cook tritt noch dieses Jahr als CEO zurück, John Ternus übernimmt. Der neue Mann an der Spitze erbt ein Produkt, das kommerziell erfolgreich ist – aber auch im Fokus der Datenschutzregulierung steht. Cook hatte Apple zum Vorreiter in Sachen Privatsphäre gemacht, vor allem mit dem „Wo ist?“-Netzwerk.
Doch die Zusammenarbeit mit Google und anderen Herstellern wie Chipolo oder Motorola hat den geschlossenen Ansatz aufgebrochen. Der DULT-Standard verlangt Transparenz und Interoperabilität – ungewöhnlich für die Branche. Beobachter sind gespannt, ob sich die Verkaufszahlen des AirTag 2 halten lassen, wenn der Erfolg künftig auch an der Zahl der gemeldeten Stalking-Fälle gemessen wird.
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Ausblick: Strengere Regeln für alle
Die IETF arbeitet an der formellen Verabschiedung des DULT-Protokolls. Das würde verbindliche Vorgaben für alle künftigen Bluetooth-Tracker bedeuten. Kleinere Hersteller müssten dann die gleichen Anti-Stalking-Warnungen einbauen wie Apple und Google – oder riskieren, von den großen Betriebssystemen ausgeschlossen zu werden.
Für die Nutzer steht die Praxis im Vordergrund: iOS 26 und die erweiterten „In der Nähe suchen“-Funktionen von Android sollen mehr Kontrolle bieten. Die Branche steckt in einem Wettrüsten: Die Bequemlichkeit, verlorene Gegenstände wiederzufinden, darf nicht auf Kosten der Sicherheit gehen.





