Das Bundeskartellamt hat Apples Zusagen zur Neugestaltung der App-Tracking-Transparency-Prompts (ATT) für verbindlich erklärt und damit ein vierjähriges Verfahren gegen den Konzern beendet. Wie die Behörde mitteilte, muss Apple die Abfragen, mit denen Nutzer über das Tracking durch Apps entscheiden, künftig neutraler gestalten. Ein Bußgeld wurde nicht verhängt, eine Zuwiderhandlung stellte das Kartellamt nicht fest.
Vorwurf: Bevorzugung eigener Apps
Im Zentrum des Verfahrens stand der Vorwurf, Apple habe mit der Gestaltung der ATT-Prompts eigene Apps gegenüber Drittanbieter-Apps bevorzugt. Die seit iOS 14.5 eingeführten Abfragen sollten Nutzern eigentlich eine informierte Entscheidung darüber ermöglichen, ob Apps sie über verschiedene Dienste hinweg tracken dürfen.
Kritiker bemängelten jedoch, die konkrete visuelle und sprachliche Gestaltung lenke Nutzer zu stark in Richtung Ablehnung – mit spürbaren Folgen für werbefinanzierte Angebote von Drittanbietern.
Konkrete Änderungen an den Prompts
Nach den nun verbindlichen Zusagen muss Apple mehrere Anpassungen vornehmen: Abschreckende Symbole wie eine Warnhand sowie das Wort „Tracking“ selbst sollen aus den Dialogen verschwinden. Die Buttons in den Abfragen werden getauscht, zudem wechselt die Hervorhebungsfarbe von Orange zu Blau.
Entwickler erhalten künftig die Möglichkeit, eigene Texte einzufügen und eine bis zu 4.000 Zeichen lange Zweckangabe zu formulieren. Darüber hinaus dürfen App-Anbieter ihre eigenen Datenschutzabfragen mit den ATT-Prompts kombinieren und Nutzer nach einem Jahr erneut um Zustimmung bitten.
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Apple hat nach Angaben des Bundeskartellamts vier Monate Zeit, die Änderungen umzusetzen. Die Zusagen gelten für sieben Jahre und werden von einem unabhängigen Monitor überwacht. Die neuen Regeln sollen in fast allen EU-Ländern greifen – mit Ausnahme von Polen.
Frankreich und Italien gingen härteren Weg
Während das Bundeskartellamt auf verbindliche Zusagen statt auf eine Sanktion setzte, verhängten andere europäische Wettbewerbsbehörden bereits Bußgelder gegen Apple im Zusammenhang mit den ATT-Regeln.
Frankreich belegte den Konzern mit einer Strafe von 150 Millionen Euro, Italien mit 98,6 Millionen Euro. Die unterschiedlichen Reaktionen der Behörden zeigen, wie uneinheitlich europäische Wettbewerbshüter bislang mit der Gestaltung von Apples Tracking-Abfragen umgegangen sind.
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Kritik aus der Werbeindustrie
Die Werbeindustrie äußerte sich skeptisch gegenüber den von Apple zugesagten Maßnahmen und hält sie für unzureichend, um die durch die ATT-Prompts entstandenen Wettbewerbsverzerrungen wirklich zu beheben. Hintergrund ist der wirtschaftliche Effekt der ursprünglichen Gestaltung: Nach Berechnungen des Fachmediums The Verge haben die ATT-Prompts Social-Media-Apps seit ihrer Einführung mit iOS 14.5 Einnahmen von fast 10 Milliarden US-Dollar gekostet.
Vier Jahre Untersuchung
Das Verfahren des Bundeskartellamts gegen Apple lief über vier Jahre. Ziel der nun vereinbarten Änderungen ist es laut Behörde, eine freie und informierte Entscheidung der Nutzer über das Tracking durch Apps sicherzustellen, ohne dass die Gestaltung der Abfrage das Ergebnis in eine bestimmte Richtung lenkt.
Ob die angepassten Prompts diesem Anspruch gerecht werden, dürfte sich erst nach der Umsetzung durch Apple und der Beobachtung durch den unabhängigen Monitor zeigen.

