Apple attackiert EU-Kommission: „DMA gefährdet Sicherheit“

Apple kritisiert EU-Sicherheitslücken durch DMA und erhält schlechte Noten für iPhone-Reparaturfreundlichkeit.

Kyle Andeer, Chief Compliance Officer des US-Konzerns, hat die EU-Kommission scharf attackiert. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt warf er den Brüsseler Regulierern vor, Sicherheitsbedenken zu ignorieren. Besonders die geforderten Interoperabilitäts-Schnittstellen des Digital Markets Act (DMA) sieht Apple kritisch. Sie könnten sensible Daten wie WLAN-Zugangsdaten für Drittanbieter zugänglich machen.

Brüssel lobt sich selbst – Apple kontert

Der Vorstoß kommt kurz nach einer positiven Bilanz der EU-Kommission. Ende April 2026 feierte Brüssel die ersten zwei Jahre DMA. Die Gesetzgebung habe die Fairness digitaler Märkte gestärkt, hieß es. Apple sieht das anders. Der Konzern wehrt sich derzeit gegen eine Strafe von rund 570 Millionen US-Dollar. Die EU hatte die Vertragsbedingungen für alternative App-Stores als unzureichend eingestuft. Der Grundkonflikt ist klar: Apples geschlossenes Ökosystem trifft auf Brüssels Drang nach offenen Märkten.

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Schlechte Noten fürs iPhone

Doch nicht nur bei Software gibt es Ärger. Ein aktueller Bericht des US-amerikanischen Public Interest Research Group (PIRG) Education Fund stellt Apple ein vernichtendes Zeugnis aus. Der Report „Failing the Fix 2026“ bewertet die Reparaturfreundlichkeit von Smartphones. Das Ergebnis: Apple landet mit der Note „D minus“ auf dem letzten Platz. Zum Vergleich: Motorola erreicht ein „B plus“, Samsung immerhin ein „D“. Hauptkritikpunkte sind die erschwerte Demontage und die begrenzte Software-Unterstützung für ältere Modelle.

Ein Lichtblick: Das im Frühjahr eingeführte „MacBook Neo“ erhielt Lob für seine verbesserte Reparierbarkeit. Offenbar reagiert Apple bei neuen Produktlinien punktuell auf den regulatorischen Druck – während das iPhone weiterhin das Sorgenkind bleibt.

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Cleverer Schachzug bei den Batterien

Ab Februar 2027 greift eine strenge EU-Verordnung: Batterien müssen ohne Spezialwerkzeug wechselbar sein. Es sei denn, sie erfüllen hohe Haltbarkeitsstandards – mindestens 80 Prozent Kapazität nach 1.000 Ladezyklen plus Schutzklasse IP67. Apple hat reagiert. Die Batterien der iPhone-15-Serie und neuerer Modelle wurden offiziell auf 1.000 Zyklen hochgestuft. Damit bleiben sie von der Austauschpflicht befreit.

Kritiker sprechen von einer Umgehung des Gesetzes. Die Reparatur-Community sieht das ursprüngliche Ziel untergraben: günstigere und einfachere Reparaturen für den Durchschnittsverbraucher.

Gebrauchte Teile ja – aber bitte mit Kontrolle

Immerhin: Seit Herbst 2025 erlaubt Apple die Installation gebrauchter Originalteile wie Displays oder Kameras – ohne Funktionseinschränkungen durch das umstrittene „Parts Pairing“. Allerdings bleibt die Software-Kalibrierung ein Streitpunkt. Apple verifiziert weiterhin die Authentizität der Bauteile über interne Server. Unabhängige Werkstätten sehen darin eine unnötige Hürde.

Der „Brüssel-Effekt“ wirkt global

Was in Europa passiert, bleibt nicht in Europa. Der sogenannte „Brüssel-Effekt“ zwingt globale Konzerne, ihre Standards an die strengen EU-Regeln anzupassen. Wie der erzwungene Wechsel auf USB-C bei iPhones 2023 weltweit Schule machte, könnten auch die Reparaturvorgaben das Design künftiger Smartphones global beeinflussen.

Die Zahlen belegen den Bedarf: Rund 77 Prozent der EU-Bürger würden eine Reparatur dem Neukauf vorziehen, zeigt eine Eurobarometer-Studie. Doch hohe Ersatzteilpreise und technische Hürden bremsen. Die EU schätzt, dass die vorzeitige Entsorgung reparierbarer Güter jährlich 35 Millionen Tonnen Abfall verursacht. Seit Juni 2025 schaffen Reparatur-Labels zumindest mehr Transparenz beim Kauf.

Countdown läuft: 31. Juli 2026

Der nächste Meilenstein naht. Bis zum 31. Juli 2026 müssen alle EU-Mitgliedstaaten die „Right to Repair“-Richtlinie (2024/1799) umgesetzt haben. Deutschland plant eine Eins-zu-eins-Umsetzung im Bürgerlichen Gesetzbuch. Für Apple bedeutet das:

  • Reparaturen zu angemessenen Preisen und Zeitrahmen
  • Verlängerung der Gewährleistung um ein Jahr bei Reparatur statt Austausch
  • Bereitstellung von Ersatzteilen und Reparaturinformationen für mindestens sieben Jahre nach Produktionsende

Für 2027 ist zudem eine europaweite Online-Plattform geplant, die Verbraucher mit lokalen Reparaturbetrieben vernetzt.

Ob Apple seinen juristischen Widerstand aufgibt oder die Hardware-Strategie grundlegend ändert, bleibt offen. Die jüngsten Äußerungen von Kyle Andeer lassen eher auf einen langen Rechtsstreit schließen. Die gerichtlichen Auseinandersetzungen in Luxemburg könnten noch Jahre dauern.