Apple begrenzt die Einreichung von Sicherheitsmeldungen, um den Ansturm KI-generierter Meldungen zu bewältigen. Seit Juni 2026 gelten Kontingente und eine 30-tägige Abkühlphase für Forscher, die über Apples Feedback-Assistant berichten. Die Maßnahmen sollen verhindern, dass automatisiert erzeugte, oft wertlose Berichte die Prüfprozesse lahmlegen.
Kontingente und Sperren gegen „KI-Müll“
Die neue Politik begrenzt die Anzahl gleichzeitig aktiver Sicherheitsberichte pro Forscher. Wer das Limit überschreitet, darf 30 Tage lang keine weiteren Schwachstellen melden. Bei wiederholten Einreichungen unverifizierter KI-Berichte drohen 180-tägige Sperren. Mehr als zwei solcher Sperren führen zum dauerhaften Ausschluss vom Programm.
Hintergrund ist eine Flut von „AI Slop“ – Schwachstellenmeldungen, die von großen Sprachmodellen erzeugt werden und oft nicht existierende Sicherheitslücken beschreiben. Während die Limits die Sichtung straffen sollen, kritisieren Forscher, dass die automatischen Grenzen nicht zwischen Spam und legitimen Funden professioneller Sicherheitsfirmen unterscheiden.
Kritische Lücke verzögert – Bynario-Fall zeigt Problem
Die Auswirkungen der Kontingente wurden durch einen Fall des italienischen Startups Bynario deutlich. Mit Unterstützung von GPT-5.5 bei der Code-Analyse identifizierten die Forscher innerhalb von drei Wochen mehr als 50 macOS-Schwachstellen. Doch wegen der neuen Limits konnte die Firma eine kritische Privilegien-Eskalationskette nicht melden.
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Die entdeckte Lücke, registriert als CVE-2026-43760, betraf die macOS-Bildschirmfreigabe und erlaubte VNC-Zugriff mit Root-Rechten. Bynario-CEO Alfredo Pesoli schätzte den Schwarzmarktwert des Exploits auf 100.000 bis 200.000 Euro. Trotz der Schwere des Fundes wurde die Meldung zunächst wegen des Kontingents abgelehnt. Apple kontaktierte das Startup später, um das Problem zu beheben – der Patch erfolgte in macOS Tahoe 26.6.
Interne KI-Nutzung im Kontrast
Während Apple externe KI-generierte Meldungen einschränkt, nutzt das Unternehmen selbst KI-Tools von Partnern wie Anthropic und OpenAI in seinen Sicherheitsabläufen. Diese internen Sichtungssysteme haben Berichten zufolge zu einer Verfünffachung der umgesetzten Sicherheitsfixes geführt.
Um qualitativ hochwertige Meldungen zu fördern, führte Apple zudem „Target Flags“ im Prämienprogramm ein und erhöhte die maximale Auszahlung auf fünf Millionen Euro für schwerwiegende Bedrohungen. Insgesamt zahlte das Unternehmen bisher 35 Millionen Euro an rund 800 Forscher aus. Die Finanzdaten für 2025 zeigen Prämienzahlungen von etwa 6,36 Millionen Euro – deutlich weniger als die geschätzten 19,7 Millionen Euro, die Apple im selben Zeitraum für Kaffee seiner Mitarbeiter ausgab.
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Branchenweites Problem mit automatisierten Meldungen
Apple steht mit diesen Anpassungen nicht allein da. Die Plattform HackerOne verzeichnete einen Anstieg der Einreichungen um 76 Prozent im Jahresvergleich – 82 Prozent der Hacker nutzen inzwischen KI-Tools. Die Folge: ein massiver Rückstau und eine bestätigte Schwachstellenrate von nur etwa 25 Prozent.
Andere Organisationen gehen drastischere Wege. Das curl-Projekt suspendierte im Januar 2026 sein Prämienprogramm wegen der Menge minderwertiger Meldungen. Im Juli 2026 kürzte GitHub die Auszahlungen für Schwachstellen niedriger und mittlerer Schwere um 50 Prozent, um automatisierte Massenmeldungen unattraktiv zu machen. Bereits 2025 zahlten Technologiekonzerne wie Meta, Microsoft und Apple gemeinsam mindestens 58 Millionen Euro an externe Forscher – ein Beleg für den hohen Einsatz funktionierender Bug-Bounty-Ökosysteme im Zeitalter generativer KI.

