Apple hat binnen eines Tages fast 500 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren. Grund sind massive Engpässe bei Speicherchips, die den Tech-Konzern vor große Herausforderungen stellen – und das ausgerechnet zum Führungswechsel.
Der Kurssturz von knapp zehn Prozent am 31. Juli folgte auf einen Rekordumsatz im abgelaufenen Quartal. Doch die Warnungen des Managements vor steigenden Komponentenkosten und Lieferproblemen bei Speicherchips verunsicherten die Anleger massiv. Für den deutschen Markt ist die Entwicklung doppelt relevant: Apple zählt zu den wichtigsten Treibern der globalen Tech-Lieferkette, an der auch zahlreiche europäische Zulieferer hängen.
Rekordumsatz dank iPhone und Mac
Das am 27. Juni endende Quartal bescherte Apple einen Umsatz von 109,4 Milliarden Dollar – ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Getragen wurde das Wachstum vor allem von den Kernsegmenten: Der iPhone-Umsatz stieg um 22 Prozent auf 54,25 Milliarden Dollar und markierte damit das beste Juni-Quartal der Unternehmensgeschichte. Auch die Mac-Sparte legte mit einem Plus von rund 29 Prozent auf 10,35 Milliarden Dollar kräftig zu.
Die übrigen Bereiche fielen durchwachsen aus. Die Services-Sparte erzielte 30,74 Milliarden Dollar mit 1,5 Milliarden Abonnenten – blieb damit aber leicht hinter den Erwartungen mancher Analysten zurück. Wearables steuerten 7,88 Milliarden Dollar bei, während der iPad-Umsatz um etwa sechs Prozent auf rund 6,2 Milliarden Dollar sank. Der verwässerte Gewinn je Aktie lag bei 2,02 Dollar, begünstigt durch Zollrückerstattungen. Eine Dividende von 0,27 Dollar pro Aktie soll am 13. August ausgezahlt werden.
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„RAMageddon“: Speicherchip-Krise eskaliert
Die heftige Marktreaktion am 31. Juli lösten die düsteren Prognosen für das vierte Quartal aus. CEO Tim Cook sprach von „sehr erheblichen“ Lieferengpässen, insbesondere bei Speicherchips. Branchenbeobachter haben für die Lage bereits den Begriff „RAMageddon“ geprägt: Die enorme Nachfrage nach Speicher für KI-Rechenzentren hat die Preise für Komponenten in nie gekanntem Ausmaß in die Höhe getrieben.
Apple reagiert mit ungewöhnlichen Maßnahmen. Die Lagerbestände wurden auf 11,1 Milliarden Dollar nahezu verdoppelt – im Herbst lagen sie noch bei 5,7 Milliarden Dollar. Cook kündigte an, alternative Lieferanten für Speicher zu prüfen, zumal der Markt derzeit von nur drei großen Anbietern dominiert wird. Bereits Ende Juni hatte der Konzern die Preise für Mac- und iPad-Modelle erhöht – teilweise zwischen 20 und 42 Prozent.
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Politischer Druck aus Washington
Verschärft wird die Lage durch politischen Gegenwind. Eine Gruppe von US-Senatoren um Chuck Schumer und Jim Banks forderte Apple in einem Schreiben vom 30. Juli auf, Speicherchips der chinesischen Hersteller YMTC und CXMT aus allen globalen Produkten zu verbannen. Beide Unternehmen stehen auf US-Sanktionslisten – YMTC auf der Entity List, CXMT auf einer Liste des Pentagons.
Hintergrund sind Sicherheitsbedenken der Politiker. Zwar hatte Apple offenbar erwogen, die Chips nur für Geräte auf dem chinesischen Markt zu verwenden – den Senatoren geht das jedoch nicht weit genug. Der Konzern muss bis zum 21. August offiziell Stellung nehmen.
Führungswechsel zum ungünstigsten Zeitpunkt
Die Turbulenzen überschatten zugleich einen historischen Moment: Es war die letzte Bilanzpressekonferenz von Tim Cook als CEO. Am 1. September übergibt er das Ruder an John Ternus. Der neue Mann an der Spitze übernimmt ein Unternehmen, das für das vierte Quartal ein Wachstum von neun bis elf Prozent prognostiziert – die Wall Street hatte mit rund zwölf Prozent gerechnet.
Analysten sehen neben den Lieferkettenproblemen auch die unklare Monetarisierung der KI-Funktionen als Belastung. Sollte der Abwärtstrend anhalten, könnte Nvidia Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt ablösen. Die Konzernführung rechnet damit, dass die Engpässe bei fortschrittlichen Chips und günstigen Speichermodulen den Rest des Jahres anhalten werden.

