Apple gegen OpenAI: Anhörung über einstweilige Verfügung am 14. Oktober

Apple verlangt Schadensersatz und die Vernichtung strittiger Unterlagen; OpenAI weist die Vorwürfe zurück und prüft die Klageschrift.

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Der Technologiekonzern Apple hat beim US-Bezirksgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien in San Jose eine Bundesklage gegen OpenAI eingereicht. Dem KI-Unternehmen wird darin der systematische Diebstahl geschützter On-Device-KI-Architekturen und Geschäftsgeheimnisse vorgeworfen. Laut Klageschrift sollen die entwendeten Technologien dazu gedient haben, eine latenzarme Edge-Computing-Infrastruktur aufzubauen.

Vorwurf der systematischen Abwerbung und Datenübertragung

Die Klage richtet sich neben OpenAI selbst – namentlich der OpenAI Foundation und der OpenAI Group PBC – auch gegen die Design-Tochter io Products, LLC sowie die ehemaligen Apple-Mitarbeiter Chang Liu und Tang Yew Tan. Apple stützt die Klagegründe auf angebliche Verletzungen von Geschäftsgeheimnissen nach dem Defend Trade Secrets Act auf Bundesebene, dem kalifornischen Uniform Trade Secrets Act sowie auf Vertragsbruch.

Nach Angaben von Apple arbeiten mittlerweile über 400 frühere Apple-Beschäftigte bei OpenAI. Über einen Zeitraum von 18 Monaten habe OpenAI gezielt Ingenieure rekrutiert, die über administrativen Root-Zugriff auf Entwicklungsverzeichnisse für CoreML-Compiler und hardwarenahe Kernel der Apple Neural Engine verfügten.

Leitende Entwickler aus der Gruppe für Basismodelle und Chip-Entwicklung sollen Tausende vertrauliche Dateien übertragen haben. Diese beträfen unter anderem Verfahren zur Modell-Quantisierung, zur Optimierung von Speicherbandbreiten sowie Befehlssätze auf Compiler-Ebene für lokale neuronale Prozessoren.

Den Gerichtsunterlagen zufolge ergaben forensische Untersuchungen externe Datentransfers auf Speichermedien, verschlüsselte Cloud-Backups und systematische Downloads von Code-Repositories in den Wochen vor mehreren Kündigungen.

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Apple verweist darauf, eigene Quantisierungsalgorithmen mit 2-Bit-, 3-Bit- und 4-Bit-Präzision sowie Abläufe für spekulatives Decodieren entwickelt zu haben, während herkömmliche Spitzenmodelle mit 16-Bit-Gleitkomma-Präzision arbeiteten und entsprechend hohe Speicherkapazitäten sowie Hunderte Watt an Energie benötigten.

Schwere Vorwürfe gegen ehemalige Führungskräfte

Eine zentrale Rolle in den Vorwürfen spielt Tang Yew Tan, der 24 Jahre bei Apple tätig war, zuletzt als Vizepräsident für das Produktdesign von iPhone und Apple Watch, und nun als Hardware-Chef bei OpenAI agiert.

Tan verließ Apple im Jahr 2024 und gründete mit dem früheren Apple-Chefdesigner Jony Ive und Evans Hankey das Hardware-Startup io Products Inc. Das Startup wurde im vergangenen Jahr von OpenAI übernommen; die Angaben zur Übernahmesumme belaufen sich je nach Bericht auf 6,4 Mrd. oder 6,5 Mrd. US-Dollar.

Tan soll interne Projektnamen in Vorstellungsgesprächen verwendet und Kandidaten dazu aufgefordert haben, Apple-Prototypen vorzuführen. Zudem sollen OpenAI-Personalvermittler Apple-Mitarbeiter gebeten haben, reale Bauteile als Requisiten zu Bewerbungsgesprächen mitzubringen.

OpenAI-Sprecher Drew Pusateri wies die Anschuldigungen zurück und erklärte, das Unternehmen habe kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen dritter Firmen und prüfe derzeit die Klageschrift.

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Streit spitzt sich vor Anhörung zu

Der Rechtsstreit markiert eine deutliche Wende im Verhältnis beider Unternehmen, nachdem Apple im Jahr 2024 noch ChatGPT in die Betriebssysteme seiner Geräte integriert hatte. Später stellte Apple eine überarbeitete Version des Sprachassistenten Siri vor, die auf Google Gemini statt auf ChatGPT setzt.

OpenAI bereitet derzeit einen Börsengang vor und soll noch in diesem Monat die Vorstellung eines ersten eigenen Verbraucher-Hardwareprodukts planen, dem Vernehmen nach eine KI-Tastatur.

Am 5. Oktober 2026 reichte Apple eine Erwiderung bei Gericht ein. Darin wirft der Konzern OpenAI vor, eine Verfahrensantwort genutzt zu haben, um den Fall neu zu verhandeln.

Apple hob dabei eine neue Erklärung von Chang Liu hervor, die unter anderem das Löschen aller Daten auf dessen Arbeitsrechner vor der Rückgabe an Apple sowie Textnachrichten mit einem Zulieferer betrifft. Am 14. Oktober 2026 ist eine Anhörung zu Apples Antrag auf eine einstweilige Verfügung angesetzt.

Eine solche Anordnung könnte den Einsatz von Software, Modellgewichten oder lokalen Inferenz-Werkzeugen, die auf den strittigen Architekturen basieren, vorläufig untersagen. Apple fordert neben Schadensersatz und Lizenzgebühren auch die Vernichtung aller strittigen Unterlagen und hat ein Geschworenenverfahren beantragt.