Paul Meade, langjähriger Leiter der Hardware-Entwicklung für das Vision-Pro-Headset und die geplante Smart Glasses-Reihe, verlässt den Konzern nach 16 Jahren in Richtung OpenAI. Sein Wechsel, der Ende Juni 2026 bekannt wurde, ist bereits der zweite prominente Abgang aus dem Vision-Team innerhalb eines Jahres. Als Nachfolger wurde Fletcher Rothkopf benannt.
Abschied vom High-End-VR-Traum
Die Marktzahlen sprechen eine deutliche Sprache. Seit dem Start im Februar 2024 konnte Apple weltweit rund 600.000 Einheiten des Vision Pro absetzen – das entspricht gerade einmal 5,2 Prozent des Marktes für erweiterte Realität (XR). Zum Vergleich: Meta dominiert mit 75 Prozent. Der interne Strategiewechsel ist die logische Konsequenz.
Apple hat die Entwicklung eines direkten Nachfolgers für das Vision Pro offenbar gestoppt. Auch das geplante „Vision Air“ – eine leichtere und günstigere Variante – wurde eingestellt. Zwar brachte Apple Ende 2025 ein M5-Upgrade auf den Markt, doch der 3.500 Euro teure Kopfhörer konnte damit keine nennenswerte Nachfrage auslösen.
Stattdessen fokussiert sich Apple nun auf die „Apple Glasses“: eine leichte, bildschirmlose Smart-Brille. Die Fassung soll Kameras, Lautsprecher, ein Mikrofon und einen S-Chip enthalten – ähnlich dem der Apple Watch. Statt kompletter virtueller Realität setzt das Gerät auf multimodale KI, Navigation und Übersetzung.
Boom bei AR-Brillen
Der Markt für Datenbrillen entwickelt sich rasant. Während die Auslieferungen von VR-Displays 2026 voraussichtlich um vier Prozent sinken, erlebt das AR-Segment einen Boom: Die Prognosen gehen von 4,1 Millionen ausgelieferten AR-Brillen im Jahr 2026 aus – ein Plus von 154 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
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Apple will offenbar noch dieses Jahr oder Anfang 2027 in diesen Markt einsteigen. Erste Auslieferungen könnten im Frühjahr oder Sommer 2027 beginnen. Insidern zufolge testet das Unternehmen derzeit vier verschiedene Fassungsdesigns, um sicherzustellen, dass die Brille wie eine normale Sehhilfe aussieht. Der Preis soll zwischen 600 und 800 Euro liegen – ein klarer Angriff auf bestehende KI-Brillen.
Vision Pro lebt im Enterprise-Bereich weiter
Ganz aufgegeben hat Apple das Vision Pro nicht – zumindest nicht im professionellen Umfeld. Erst kürzlich veröffentlichte der Konzern die dritte Beta von visionOS 26.6, die Stabilität und Leistung verbessert.
Mit visionOS 27 kommen größere Neuerungen: Die Unterstützung für Drittanbieter-Motion-Controller und getracktes Zubehör. Das System nutzt Infrarot-LEDs und Trägheitssensoren (IMUs) und ermöglicht Tracking mit bis zu 120 Hertz. Apple hat dafür Partnerschaften mit den Hardware-Firmen DFRobot und MIKROE geschlossen. Ziel ist es, das Vision Pro für industrielle Anwendungen und medizinische Simulationen attraktiver zu machen – Bereiche, in denen präzise physische Controller oft besser geeignet sind als Gestensteuerung.
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OpenAI und der Wettbewerb um KI-Hardware
Meades Wechsel zu OpenAI zeigt, wie intensiv der Kampf um KI-Hardware geworden ist. OpenAI baut ein eigenes Hardware-Team auf und arbeitet mit dem ehemaligen Apple-Designchef Jony Ive an KI-zentrierten Geräten. Meades Erfahrung mit komplexen Wearables dürfte für die Entwicklung eines bildschirmlosen KI-Begleiters zentral sein.
Unter der Führung von John Ternus will Apple künftig stärker auf On-Device-KI und Barrierefreiheit setzen. Beobachter erwarten, dass Apple bei seinen zukünftigen Brillen auf Abo-Modelle für Zugänglichkeitsfunktionen verzichtet – ein klarer Kontrast zur aktuellen Strategie der Konkurrenz.

