Apple Intelligence: 450 Millionen EU-Nutzer gehen leer aus

Apple bringt seine KI-Funktionen wegen Sicherheitsbedenken nicht auf EU-iPhones. Die EU-Kommission widerspricht den Vorwürfen.

Der Streit um den Digital Markets Act eskaliert: Apple wird seine KI-Suite „Apple Intelligence“ nicht auf iPhones und iPads in der EU anbieten. Der Konzern beruft sich auf unüberbrückbare Sicherheitsbedenken – die EU-Kommission kontert.

Der Tech-Riese hat am 8. Juni auf seiner Entwicklerkonferenz bestätigt, dass die neuen KI-Funktionen für iOS 27 und iPadOS 27 beim Start im Laufe dieses Jahres in der Europäischen Union fehlen werden. Grund ist ein seit Monaten schwelender Konflikt um die Interoperabilitätsvorgaben des Digital Markets Act (DMA).

Der Kern des Streits: Zugriff oder Sicherheit?

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Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Frage, wie tief Drittanbieter in die Apple-Systeme eindringen dürfen. Die DMA-Regeln, die seit Mai 2023 in Kraft sind, verlangen von sogenannten Gatekeeper-Plattformen, dass sie konkurrierenden Diensten den gleichen Zugang zu ihren Kernfunktionen gewähren.

Apple Senior Vice President Craig Federighi erklärte, das Unternehmen habe über 18 Monate lang Compliance-Vorschläge bei der EU-Kommission eingereicht – alle seien abgelehnt worden. Ein von Apple vorgeschlagenes „Trusted System Agent“-Modell zur Steuerung von KI-Interaktionen fand keine Zustimmung.

Der Konzern argumentiert, dass die DMA-Vorgaben Apple zwingen würden, dritten KI-Assistenten direkten Zugriff auf private Nutzerdaten und Gerätesteuerungen zu gewähren. Ein solcher Schritt würde die Privatsphäre und Sicherheit der Nutzer fundamental gefährden, so die Argumentation aus Cupertino.

Die EU-Kommission wies die Vorwürfe am 9. Juni zurück. Sprecher Thomas Regnier betonte, dass die Entscheidung, die Funktionen zurückzuhalten, allein bei Apple liege. Der DMA ziele darauf ab, ein faires Spielfeld für alle Entwickler zu schaffen.

Welche Funktionen EU-Nutzern fehlen werden

Die Sperre betrifft schätzungsweise 450 Millionen Nutzer in der Europäischen Union. Interessant: Auf dem Mac (macOS 27) und der Vision Pro (visionOS 27) sowie der Apple Watch werden die KI-Funktionen auch in der EU verfügbar sein. Warum Apple hier einen Unterschied macht, bleibt unklar.

Konkret werden folgende Features auf EU-iPhones und -iPads fehlen:

  • Siri AI und die Siri-App: Der komplett überarbeitete Sprachassistent mit tiefer App-Integration und semantischer Indexierung
  • Schreibwerkzeuge: Systemweite KI-gestützte Textgenerierung und -bearbeitung
  • Visuelle Intelligenz: Fortschrittliche Bilderkennung und kontextuelles Verständnis
  • Siri-Kameramodus: KI-gesteuerte Verbesserungen für die Kamera-Oberfläche
  • Tap to Share: Diese Funktion wird voraussichtlich auch im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) nicht verfügbar sein

Apple-Vizepräsident Jon McCormack wies zudem darauf hin, dass die neue Fotos-App generative KI-Funktionen wie Objektentfernung und Lichtkorrektur enthalten wird – diese werden aber klar gekennzeichnet, um die Authentizität der Bilder zu wahren.

Wettbewerbsdruck aus Asien

Der EU-Rückzieher kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für Apple. In China ist Siri AI bereits aufgrund lokaler Regulierungen nicht verfügbar. Die Konkurrenz schläft nicht: Am 12. Juni enthüllte Huawei HarmonyOS 7 – eine Architektur, die über 2.000 spezialisierte KI-Agenten unterstützt und eine Leistungssteigerung von 30 bis 40 Prozent gegenüber dem Vorgänger verspricht.

Um seine KI-Workloads global zu stemmen, setzt Apple offenbar auf die Google Cloud-Infrastruktur. Dabei kommen die großen Sprachmodelle von Googles Gemini zum Einsatz. Die Partnerschaft kommt auch Alphabet zugute: Die Aktie notierte am 12. Juni bei 357,77 US-Dollar und verzeichnete ein deutliches Jahresplus.

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Droht Europa der KI-Anschlussverlust?

Die grundsätzliche Frage, ob Regulierung Innovation erstickt, wird zunehmend lauter diskutiert. Eine Gruppe von KI-Politik-Analysten warnte am 11. Juni: Europa beherberge derzeit nur 5 Prozent der weltweiten KI-Rechenressourcen – die USA dagegen 80 Prozent. Überregulierung könnte zur regionalen Bedeutungslosigkeit im KI-Sektor führen.

Auch in den USA zeichnet sich eine ähnliche Debatte ab. Am 12. Juni brachten US-Senatoren erneut den American Innovation and Choice Online Act (AICOA) ein. Das Gesetz zielt auf Plattformen mit einem Jahresumsatz von über 175 Milliarden Dollar ab – eine Kategorie, die Apple klar erfüllt. Der Konzern kritisierte den Vorstoß als „europäische Regulierung“, die Innovation und Verbrauchersicherheit gefährde. Die Argumente sind dieselben wie im aktuellen Streit mit Brüssel.