Apple setzt im Speicherpreis-Chaos auf ein 599-Euro-Einsteiger-Notebook und verdoppelt die Produktion – während die Konkurrenz die Preise drastisch erhöht.
Die Unterhaltungselektronik-Branche erlebt derzeit eine dramatische Spaltung der Preisstrategien. Während Nintendo, Asus und Lenovo aufgrund explodierender Speicherkosten zweistellige Preiserhöhungen durchsetzen, hält Apple am MacBook Neo für 599 Euro fest – und fährt die Produktion hoch. Der Grund: Ein beispielloser Anstieg der DRAM- und NAND-Preise um 50 Prozent allein im zweiten Quartal 2026. Experten sprechen bereits vom „RAMageddon“.
Produktion verdoppelt trotz Lieferengpässen
Apples Reaktion auf die Krise ist taktisch klug: Statt teure High-End-Geräte zu priorisieren, setzt der Konzern auf Masse. Die Produktion des MacBook Neo wurde verdoppelt, während die Lieferzeiten mit 15 bis 23 Tagen stabil bleiben. Ganz anders sieht es bei anderen Apple-Produkten aus: Der Mac mini hat derzeit Wartezeiten von 70 bis 84 Tagen, das Mac Studio kommt auf bis zu 70 Tage.
Um die Kosten zu drücken, hat Apple die Konfigurationen seiner Desktop-Linien angepasst. Der Mac mini-Einstiegspreis stieg von 599 auf 799 Euro – nachdem das Unternehmen das 256-GB-Basismodell strich. Beim Mac Studio ist der Arbeitsspeicher nun auf 96 GB begrenzt. Die freiwerdenden Speichermodule fließen direkt in das volumenstärkste Produkt: das MacBook Neo.
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Die Konkurrenz reagiert anders: Asus, Acer und Lenovo erhöhten ihre Preise um 10 bis 25 Prozent. Nintendo bestätigte am 8. Mai, dass die Switch 2 ab September für 499,99 Euro verkauft wird – ein Preisanstieg von 11 Prozent, direkt zurückzuführen auf die höheren Speicherkosten.
Strategischer Wandel in der Chip-Produktion
Die Preisstabilität des MacBook Neo fällt mit einer grundlegenden Neuausrichtung von Apples Fertigungsstrategie zusammen. Berichten zufolge gibt es eine vorläufige Vereinbarung zwischen Apple und Intel: Intel soll künftig Chips für Apple in den USA produzieren. Die Fertigung in Arizona nutzt Intels 18A-Prozess (1,8 nm), der direkt mit TSMCs 2-nm-Technologie konkurrieren soll.
TSMC bleibt zwar Apples Hauptpartner – der taiwanesische Hersteller soll die 2-nm-A20-Chips für das iPhone 18 Pro im Herbst 2026 liefern. Der Intel-Deal dient jedoch als Absicherung gegen geopolitische Risiken und regionale Lieferengpässe. Die ersten Intel-gefertigten Chips für Apple werden frühestens 2027 für M-Serie-Macs oder 2028 für iPhone-Prozessoren erwartet.
Diese Diversifizierung kommt nicht von ungefähr: Die KI-getriebene Nachfrage nach Hochleistungschips belastet die globalen Fertigungskapazitäten enorm. AMD brachte am 9. Mai seinen Instinct MI350P PCIe-Beschleuniger auf den Markt, der ebenfalls TSMC-Kapazitäten bindet.
Markt unter Druck: Motherboard-Absatz bricht ein
Die Folgen der Speicherkrise zeigen sich deutlich im Hardware-Markt. Asus verkaufte im ersten Halbjahr 2026 nur fünf Millionen Mainboards – ein Rückgang von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. MSI und Gigabyte senkten ihre Jahresprognosen auf 8,4 Millionen beziehungsweise neun Millionen Einheiten. Schuld ist der KI-Boom, der globale Bestände an Hochgeschwindigkeitsspeicher und -speichermedien aufbraucht.
Während Apple auf Masse setzt, konzentrieren sich andere Hersteller auf Nischen mit hohen Margen. Gigabyte brachte am 8. Mai die AORUS RTX 5090 INFINITY mit einem speziellen „Hyperburst“-Kühlsystem auf den Markt – Preise zwischen 3.500 und 5.000 Euro. Nvidias RTX 5050 startete am selben Tag für 249,99 Euro, gedacht für Spieler, die DLSS 4 für 1080p-Gaming benötigen, aber keine Mittelhunderte für Mittelklasse-Hardware ausgeben können.
Auch andere Hersteller passen sich an: DJI brachte am 9. Mai den Osmo Mobile 8P für 159 Euro auf den Markt. Valve führte nach dem Ausverkauf seines überarbeiteten Steam-Controllers am 4. Mai strikte „Ein Gerät pro Konto“-Regeln ein, um Scalper zu bekämpfen.
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Ausblick: Wird der Preis halten?
Ob Apple den 599-Euro-Preis des MacBook Neo dauerhaft halten kann, hängt von der weiteren Entwicklung der Speicherpreise ab. Das iPhone 17 war im ersten Quartal 2026 der weltweite Bestseller mit sechs Prozent Marktanteil – diese finanzielle Polsterung erlaubt Apples aggressive Preisstrategie im Laptop-Segment.
Doch die kommenden Produkte werden teurer: Das iPhone 18 Pro, erwartet im September 2026, soll den ersten 2-nm-Chip von TSMC erhalten. Die neue „Wafer-Level Multi-Chip Module“-Verpackung verspricht höhere KI-Effizienz, treibt aber die Produktionskosten. Auch die Apple Watch Series 12 und Ultra 4 mit neuen S11- oder S12-Chips stehen im September an.
Die zweite Jahreshälfte 2026 verspricht weiterhin volatile Preise. Apples Strategie – hohe Stückzahlen bei niedrigen Margen – wird zum Testfall: Kann ein Unternehmen mit Masse gegen die „RAMageddon“-Krise bestehen? Bislang spricht die verdoppelte Produktion bei stabilem Preis eine klare Sprache: Apple ist bereit, kurzfristige Margen zu opfern, um im immer teureren Markt für tragbare Computer die Nase vorn zu haben.

