Apple patentiert Blick-Tracking durch Brillen und Make-up

Apple entwickelt mit KI ein robustes Blick-Tracking, das auch bei verdeckten Pupillen funktioniert und als Schlüsselsteuerung für kommende Wearables wie Smart Glasses dient.

Apple arbeitet an einem bahnbrechenden Blick-Tracking, das selbst durch dicke Brillen oder Wimperntusche funktioniert. Neue Patente zeigen den Weg zu den erwarteten Smart Glasses.

Die Technologie, die 2024 als reines Hilfsmittel für Barrierefreiheit auf iPhone und iPad startete, entwickelt sich zum zentralen Steuerungselement für kommende Wearables. Kern der Innovation ist ein System namens „High Occlusion Eye Tracking“. Es soll die Augenrotation selbst dann präzise erfassen, wenn die Pupille teilweise verdeckt ist – ein häufiges Problem bei Brillenträgern oder in hellem Sonnenlicht.

Neurales Netzwerk „errät“ den Blick

Das am 12. Februar 2026 erteilte Patent beschreibt einen cleveren Ansatz. Statt sich auf eine klare Sicht auf Iris und Pupille zu verlassen, setzt Apple auf ein rotationales Modell, das von einem „Blick-Schätzer“ gesteuert wird. Die Besonderheit: Mindestens einer dieser Schätzer ist ein trainiertes neuronales Netzwerk. Es lernt, die fehlenden visuellen Daten zu ergänzen, wenn das Auge etwa durch einen Brillenrand verdeckt ist.

Das System arbeitet nicht mit einem festen Augenmittelpunkt, sondern mit einer dynamischen „Zentroid-Region“. Dies macht es unempfindlicher gegen vorübergehende Hindernisse. Erst bei einem bestimmten „Trigger-Ereignis“ wird das Rotationsmodell neu kalibriert. So soll verhindert werden, dass der Mauszeiger auf dem Bildschirm unkontrolliert abdrifft, was bei aktuellen Systemen noch ein großes Problem ist.

Verstellbare Displays für die Smart Glasses

Parallel zur Software arbeitet Apple an der passenden Hardware. Eine Patentanmeldung vom 19. Februar 2026 beschreibt „Geräte mit verstellbaren Displays“ für Kopfmontierte Systeme – ein klares Indiz für die lange erwarteten Apple Glasses.

Die Displays sollen sich mechanisch zwischen einem horizontalen und einem vertikalen Sichtfeld-Modus verschieben lassen. Diese Justierung, per Motor oder manuell, stellt sicher, dass Optik und Sensoren stets perfekt auf die Augen des Nutzers ausgerichtet sind. Diese Präzision ist entscheidend für ein zuverlässiges Blick-Tracking ohne die zahlreichen Kameras des teuren Apple Vision Pro.

Marktbeobachter wie Mark Gurman von Bloomberg erwarten den Start der Apple Glasses noch 2026. Die aktuellen Patente gelten als unmittelbare Vorläufer dieses Produkts.

Heutige Nutzung: Stabil, aber noch nicht perfekt

Bereits heute profitieren Nutzer von der Entwicklung. Das mit iOS 18 eingeführte Blick-Tracking, versteckt in den Barrierefreiheitseinstellungen, hat sich laut einem Test vom 20. Februar 2026 deutlich stabilisiert. Der runde Steuerungs-Cursor sei recht präzise, verirre sich aber gelegentlich noch.

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Für Menschen mit motorischen Einschränkungen ist die Hände-frei-Steuerung des iPhones bereits ein wichtiges Tool. Eine On-Device-KI interpretiert Verweildauer und Blickrichtung als Antippen und Wischen. Der Testbericht fasst zusammen: Die aktuelle Technologie sei „gleichermaßen beeindruckend und frustrierend“ – doch das Software-Fundament trage bereits die fortschrittlicheren Fähigkeiten der neuen Patente.

Ökosystem aus Hardware und KI

Apples Strategie wird im Kontext weiterer Patente klar. Ein Patent vom 8. Januar 2026 beschreibt „Synthetic Gaze Enrollment“. Dabei erstellt das System ein personalisiertes Augenmodell des Nutzers, um den Blick noch besser zu verstehen – ohne Privatsphäre zu opfern.

Zusammen mit einer Technologie für dynamisch anpassbare Linsen (Patent vom 15. Januar 2026) entwirft Apple ein Ökosystem. Verstellbare Displays, adaptive Optik und KI-gestütztes Blick-Tracking sollen eine nahtlose, intuitive Steuerung ermöglichen.

Der Weg in die „Spatial Computing“-Ära ist vorgezeichnet. Maus und Touchscreen erhalten Konkurrenz durch Blick und Stimme. Mit den nun erteilten Grundlagenpatenten und konkreten Hardware-Entwürfen nimmt Apples Strategie für die Zeit nach dem Smartphone immer klarere Formen an.