Apple hat Millionen alter iPhones und iPads mit Notfall-Updates vor einer hochgefährlichen Cyber-Bedrohung geschützt. Die Updates iOS 15.8.7 und 16.7.15 richten sich gezielt an Geräte, die keine neueren Betriebssysteme mehr erhalten – darunter Modelle aus dem Jahr 2014.
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Was der „Coruna“-Exploit anrichten kann
Hinter dem ungewöhnlichen Update steckt der sogenannte Coruna-Exploit-Kit. Sicherheitsforscher von Google und iVerify stuften ihn kürzlich als eine der umfangreichsten iOS-Bedrohungen der letzten Jahre ein. Das Toolkit nutzt eine Kette von 23 Schwachstellen, um gezielt ältere Softwareversionen zwischen iOS 13 und 17.2.1 zu kompromittieren.
Die Angriffsmethode ist tückisch: Besucht ein Nutzer eine präparierte Website, erkennt das Toolkit automatisch das Gerätemodell und die Softwareversion. Anschließend wählt es die effektivste Angriffskette aus, um das System zu brechen. Cyberkriminelle haben Coruna bereits für Spionageangriffe und Attacken auf Kryptowährungs-Nutzer eingesetzt. Im Erfolgsfall könnten sie beliebigen Code ausführen, auf sensible Apps zugreifen und persönliche Daten stehlen – alles ohne Zustimmung des Nutzers.
Welche Geräte die Updates erhalten
Apple hat die Patches in zwei Zweige aufgeteilt, um unterschiedlich alte Hardware abzudecken:
- iOS/iPadOS 16.7.15: Für Geräte, die kein iOS 17 installieren können. Dazu zählen das iPhone X, iPhone 8 und 8 Plus (alle von 2017) sowie die iPad Pro der 1. Generation und die 5. iPad-Generation.
- iOS/iPadOS 15.8.7: Für noch ältere Modelle, die mit iOS 16 den Support verloren. Das betrifft das iPhone 6s (von 2015), die iPhone-7-Serie, das erste iPhone SE, den iPod touch der 7. Generation, das iPad mini 4 und das iPad Air 2 (von 2014).
Damit stellt Apple Sicherheitsupdates für bis zu zwölf Jahre alte Consumer-Elektronik bereit – ein in der Mobilfunkbranche einzigartiger Schritt, der neue Maßstäbe bei der Gerätelanglebigkeit setzt.
Das steckt technisch hinter den Patches
Laut Apples Sicherheitsdokumentation schließen die Updates kritische Lücken in den Kernkomponenten Kernel und WebKit – der Engine des Safari-Browsers. Die WebKit-Schwachstellen betrafen Probleme bei der Speicherverwaltung und Typenverwirrung. Durch manipulierten Webinhalt hätte Speicher korrumpiert und Schadcode ausgeführt werden können.
Die gepatchten Kernel-Lücken, darunter ein sogenanntes „Use-After-Free“-Problem, hätten es einer schädlichen App ermöglichen können, Code mit Kernel-Rechten auszuführen. Das wäre gleichbedeutend mit tiefem Zugriff auf das Herzstück des Betriebssystems. Apple behebt diese ursprünglich bereits 2023/24 für iOS 17 geschlossenen Lücken nun per Backport auch für die älteren Systeme.
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Warum Apple alte Geräte noch schützt
Dieser Schritt spiegelt einen breiteren Trend wider: Nutzer behalten ihre Smartphones immer länger, getrieben von wirtschaftlichen Faktoren und stagnierender Hardware-Innovation. Gleichzeitig wächst der regulatorische Druck. Initiativen in der Europäische Union und Großbritannien fordern längere Sicherheitsunterstützung für Elektronik, um Elektroschrott zu reduzieren und Verbraucher zu schützen.
Aus Sicht der Cybersicherheit ist die Logik klar: Angreifer zielen gezielt auf alte Geräte, in der Annahme, sie würden seltener aktualisiert. Durch das Schließen der Lücken schrumpft die Angriffsfläche und das Geschäftsmodell der Kriminellen wird unattraktiver.
Wie es für alte Apple-Geräte weitergeht
Experten erwarten, dass Apple dieses Muster beibehält: Alte Geräte werden zwar keine neuen Funktionen mehr erhalten, aber weiterhin bei kritischen Sicherheitslücken mit Patches versorgt. Die Zusammenarbeit zwischen unabhängigen Forschern und Herstellern wird dabei immer wichtiger, wie die schnelle Reaktion auf Coruna zeigt.
Allerdings warnen Analysten: Je älter die Hardware wird, desto schwieriger wird die Software-Kompatibilität für moderne Sicherheits-Patches. Irgendwann wird ein Hardware-Upgrade für maximale Datensicherheit unumgänglich sein. Bis dahin lautet die dringende Empfehlung für alle Besitzer alter iPhones und iPads: Die Updates umgehend in den Einstellungen installieren.





