Apple-Chef Tim Cook und EU-Kommissarin Henna Virkkunen haben sich zu einem virtuellen Krisengespräch getroffen. Es geht um die Zukunft der künstlichen Intelligenz in Europa – und um 450 Millionen potenzielle Nutzer.
Die Videokonferenz am 30. Juni 2026 sollte den monatelangen Stillstand durchbrechen. Apples neue Siri-KI-Funktionen liegen in der EU auf Eis – und das ausgerechnet wegen des Digital Markets Act (DMA), der eigentlich fairen Wettbewerb fördern soll. Beide Seiten bezeichneten das Gespräch als konstruktiv, doch ein konkreter Durchbruch blieb aus.
Der Streitpunkt: Sicherheit gegen Offenheit
Der Konflikt schwelt seit Monaten. Apple hatte die Einführung seiner KI-gestützten Siri-Funktionen in der EU verzögert – mit Verweis auf Datenschutzrisiken. Die DMA-Vorgaben zur Interoperabilität mit Drittanbietern seien aus Sicherheitssicht problematisch, so das Unternehmen.
Ein von Apple vorgeschlagener Kompromiss – ein sogenannter „Trusted System Agent“ mit einer 18-monatigen Übergangsfrist – scheiterte bereits im Vorfeld. Die EU-Kommission wirft Apple vor, nicht ausreichend kooperiert zu haben und die rechtlichen Anforderungen nicht zu erfüllen.
Für Branchenbeobachter ist die direkte Einschaltung von Tim Cook ein Zeichen: Apple will den Streit beilegen, bevor empfindliche DMA-Strafen fällig werden. Ein konkreter Zeitplan für einen EU-Start wurde jedoch nicht genannt.
Technik mit Potenzial – aber nicht für Europa
Die neue Siri-Generation wurde Anfang Juni auf der Entwicklerkonferenz WWDC vorgestellt. Sie basiert auf Apples eigenen Foundation Models, die unter anderem mit Technologie von Google Gemini entwickelt wurden. Die KI kann Bildschirminhalte erkennen, natürlich kommunizieren und Aktionen über verschiedene Apps hinweg ausführen.
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Die technischen Eckdaten sind beeindruckend: Apps starten 30 Prozent schneller, AirDrop-Übertragungen sind um 80 Prozent beschleunigt. Voraussetzung ist ein iPhone 16 oder neuer, alternativ ein iPhone 15 Pro.
Doch während ein öffentlicher Beta-Test für den Sommer und der Vollstart für den Herbst geplant sind, bleiben die KI-Funktionen in der EU – und auch in China – vorerst blockiert. Grund sind die unterschiedlichen Regulierungsanforderungen.
Cooks neuer Job: Vom CEO zum Chef-Unterhändler
Die Verhandlungen mit Brüssel sind auch ein Vorgeschmack auf Cooks künftige Rolle. Am 1. September 2026 gibt er den CEO-Posten ab und wird Executive Chairman. In dieser Position soll er sich verstärkt um Regierungsbeziehungen kümmern – weltweit.
Das wird nötig sein. Denn Apple steht auch in anderen Märkten unter Druck. In Indien läuft ein Kartellverfahren: Die Wettbewerbsbehörde wirft Apple missbräuchliches Verhalten auf der iOS-Plattform vor. Apple weist die Vorwürfe zurück und verweist auf einen Marktanteil von unter sechs Prozent. Die Anhörung ist für den 21. Juli angesetzt – mögliche Strafen: bis zu zehn Prozent des Umsatzes.
Die 18-monatige Übergangsfrist für Apples Trusted System Agent ist gescheitert – ein Zeichen, dass die EU härter durchgreift. Unternehmen, die KI-Produkte in Europa einführen wollen, brauchen jetzt einen klaren Compliance-Fahrplan. DMA-Fahrplan jetzt sichern
Und auch aus den USA droht Ungemach. Am 26. Juni wurden Strafzölle von 100 Prozent auf Länder angedroht, die Digitalsteuern auf US-Tech-Konzerne erheben. Ein EU-US-Handelsabkommen hatte zwar Zölle auf 15 Prozent gedeckelt, die Digitalsteuer-Frage aber ausgeklammert. Die Entscheidungsfrist läuft am 24. Juli ab.
Für Apple wird die kommende Woche also gleich mehrfach richtungsweisend – technisch, regulatorisch und strategisch.

