Apple stellt Vision Pro ein: Spatial-Computing-Ära vorerst beendet

Apple stellt die Entwicklung neuer Vision Pro-Modelle ein und verlagert Ressourcen hin zu KI und Smartglasses.

Das berichten mehrere Branchenquellen übereinstimmend. Der Konzern verteilt die Ingenieurteams neu – mit klarem Fokus auf Künstliche Intelligenz.

Vision Products Group wird aufgelöst

Die speziell für das Vision Pro aufgebaute Vision Products Group (VPG) wird aufgelöst. Das war eine seltene Ausnahme in Apples sonst funktionaler Organisation: Normalerweise arbeiten Spezialabteilungen wie Chipdesign, Industriedesign und Softwareentwicklung gemeinsam an allen Produkten. Die VPG agierte dagegen als abgeschottete Einheit mit eigenen Ressourcen für die Vision Pro-Hardware.

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Ein Großteil der Entwickler wechselt nun zu den Siri- und KI-Teams. Branchenbeobachter sehen darin die Rückkehr zu Apples traditionellem Modell. Das Betriebssystem visionOS wird zwar weiter aktualisiert, doch der Fokus liegt nicht mehr auf Hardware-Innovation.

Führungsfrage: Mike Rockwell vor dem Absprung?

Die Umstrukturierung wirft auch Fragen zur Führungsspitze auf. Mike Rockwell, der die Entwicklung des Vision Pro maßgeblich vorantrieb, erwägt offenbar den Abschied. Seit März 2025 leitet er die Siri-Überholung – nun steht er unter der Aufsicht von Software-Chef Craig Federighi. Insidern zufolge ist Rockwell mit dieser Struktur unzufrieden und strebt nach mehr Verantwortung.

Rockwell galt lange als Kandidat für eine Rolle als Chief Technology Officer, der Apples Post-iPhone-Ära mit Wearables definieren sollte. Der Markterfolg des Vision Pro hat diesen Karriereweg jedoch erschwert. Sein möglicher Abgang wäre ein herber Verlust – er gilt als einer der wichtigsten Architekten von Apples Spatial-Computing-Strategie.

M5-Update konnte Verkaufsflaute nicht stoppen

Im Oktober 2025 brachte Apple eine aktualisierte Version des Vision Pro mit dem M5-Chip auf den Markt. Die Neuerungen: 120 Hertz Bildwiederholrate, zehn Prozent mehr Pixel und 30 Minuten längere Akkulaufzeit. Zudem führte Apple ein neues Kopfband für besseren Tragekomfort ein.

Doch der Durchbruch blieb aus. Seit dem Start hat Apple nur rund 600.000 Exemplare verkauft – für ein Unternehmen dieser Größenordnung eine vernachlässigbare Zahl. Hinzu kommt eine „ungewöhnlich hohe“ Rücklaufquote, die weit über der von iPhone oder Apple Watch liegt.

Der Preis von 3.499 Dollar (umgerechnet rund 3.200 Euro) und das Gewicht von über 600 Gramm blieben die größten Hürden. Zudem fehlte eine „Killer-App“ oder ein alltäglicher Nutzen, der den Preis und die Unbequemlichkeit gerechtfertigt hätte. Pläne für eine günstigere „Vision Air“-Version wurden bereits Anfang des Jahres aufgegeben.

Strategiewechsel: KI-Brille statt VR-Headset

Stattdessen forciert Apple nun die Entwicklung leichter KI-Smartglasses. Damit folgt der Konzern dem „Brille-zuerst“-Ansatz, den Konkurrenten wie Meta bereits verfolgen. Anders als das immersive, aber isolierende Vision Pro sollen die neuen Geräte alltagstauglich sein.

Interne Projekte mit den Codenamen N50 und N100 zielen auf Brillen ab, die mit dem iPhone zusammenarbeiten. Die Rechenleistung kommt vom Smartphone, die Brille selbst bleibt leicht und gesellschaftsfähig. Schwerpunkt sind Sprachsteuerung und KI – nicht die komplexen optischen Systeme des Vision Pro.

Der globale Markt für KI-Brillen wächst rasant: Prognosen zufolge könnten bis 2030 jährlich 35 Millionen Geräte ausgeliefert werden. Doch die Technologie des Vision Pro lässt sich nicht einfach übertragen – die Energie- und Wärmeprobleme sind völlig andere. Das Team steht vor einer gewaltigen Herausforderung.

Umstrukturierung unter neuer Führung

Die Neuverteilung der Vision-Mannschaft ist Teil einer größeren Hardware-Reorganisation unter Johny Srouji, der kürzlich zum Chief Hardware Officer befördert wurde. Er hat die Bereiche Hardware Engineering und Hardware Technologies in fünf Kernbereiche gegliedert: Hardware Engineering, Silicon, Advanced Technologies, Platform Architecture und Project Management.

Diese Struktur soll Silos aufbrechen und sicherstellen, dass künftige Chips wie der M5 und der A19 speziell für KI-Aufgaben optimiert werden. Die Vision-Sparte ist nun in diesen größeren Hardware-Apparat integriert. Beobachter sehen darin die Vorbereitung auf die Ära von John Ternus, der im September 2026 Tim Cook als CEO ablösen soll. Ternus gilt als pragmatischer, ingenieursorientierter Führer, der Produkt-Markt-Passung über ambitionierte „Moonshots“ stellt.

Zukunft der Spatial Computing: Software statt Hardware

Das Vision Pro in seiner heutigen Form ist tot. Doch sein Erbe lebt in Software und Sensortechnologie weiter. visionOS wird weiterentwickelt, und medizinische sowie industrielle Anwendungen entstehen. Erst im April 2026 wurde der erfolgreiche Einsatz des Vision Pro bei Katarakt-Operationen gemeldet – ein mögliches Nischenmarkt-Szenario.

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Der Fokus liegt nun auf der Integration von „agentischer KI“ in Apples Ökosystem. Die ehemaligen Vision Pro-Ingenieure sollen Siri zu einer proaktiven, nahtlosen Assistentin machen – die Basis für die kommenden Smartglasses. Die „Spatial Computing“-Ära ist vorerst von einem Hardware-Rennen zu einem KI-Marathon geworden. Neue Hardware-Meilensteine werden nicht vor 2027 oder 2028 erwartet.