Künstliche Intelligenz treibt die Nachfrage nach Hochleistungs-DDR5-RAM in die Höhe – und zwingt Hersteller zu drastischen Maßnahmen.**
Apple hat am heutigen Montag sein günstigstes Desktop-Modell aus dem Sortiment genommen. Der Einstiegs-Mac-Mini für 599 US-Dollar (rund 550 Euro) ist Geschichte. Wer künftig einen Mac Mini sein Eigen nennen will, muss mindestens 799 Dollar (etwa 735 Euro) für die Version mit 512 Gigabyte Speicher ausgeben. In Frankreich stieg der Einstiegspreis auf 949 Euro.
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Die Branche spricht längst von „RAMaggedon“. Dahinter steckt eine simple, aber folgenreiche Entwicklung: KI-Workloads fressen Speicher in nie dagewesenem Ausmaß. Während ältere DDR4-Chips im April binnen eines Monats rund 16 Prozent an Wert verloren, verteuerte sich DDR5 um knapp drei Prozent. Für das zweite Quartal 2026 prognosticieren Analysten einen Preissprung von über 60 Prozent bei Vertragspreisen.
Die Speicher-Lücke wird zum Problem
Der Grund für die Explosion der Kosten liegt in den Anforderungen moderner KI-Prozessoren. Wo früher 16 oder 32 Gigabyte Arbeitsspeicher ausreichten, verlangen KI-Inferenz-Aufgaben heute 300 bis 400 Gigabyte. Spezialisierte KI-Chips benötigen bis zu viermal so viel Speicher wie Standardprodukte. Die Folge: Die globale DRAM-Versorgung klafft um rund zehn Prozent auseinander.
Apple-CEO Tim Cook räumte in einer Finanzkonferenz ein, dass die Nachfrage nach KI-fähiger Hardware „alle Prognosen übertroffen“ habe. Die Engpässe bei fortschrittlichen Fertigungsverfahren und Speicherkomponenten könnten Monate brauchen, um sich zu stabilisieren. Mit der Streichung des margenschwachen 256-Gigabyte-Modells versucht Apple offenbar, die volatile Preisentwicklung am DRAM-Markt abzufedern.
Milliarden für Speicherriesen
Die Hersteller der begehrten Chips lachen sich derweil ins Fäustchen. Samsung, SK Hynix und Micron – die drei größten Speicherproduzenten der Welt – sollen 2026 einen gemeinsamen Nettogewinn von 350 Milliarden Dollar einfahren. Samsung erwirtschaftete im ersten Quartal satte 94 Prozent seines Gewinns mit der Halbleitersparte. Die Aktienkurse schießen durch die Decke: SK Hynix legte 90 Prozent zu, Samsung 72 Prozent.
Goldman Sachs hat seine Prognose für DRAM-Preise im Jahr 2026 auf 250 bis 280 Prozent nach oben korrigiert – die vorherige Schätzung lag bei 150 Prozent. Auch NAND-Flash-Speicher soll um 200 bis 250 Prozent teurer werden.
Konsumenten spüren den Schmerz
Die Auswirkungen beschränken sich längst nicht mehr auf den PC-Markt. Sony erhöhte Anfang Mai die Preise für die PlayStation 5 in Südkorea – die Digital Edition verteuerte sich um satte 43 Prozent. Grund sind die explodierenden Kosten für DRAM und NAND-Flash, die im ersten Quartal um über 50 beziehungsweise 90 Prozent anzogen.
Marktforscher von IDC erwarten, dass PC-Preise bis Ende 2026 um zehn bis 20 Prozent steigen werden. Viele Hersteller können die höheren Komponentenkosten nicht mehr schlucken. In China versuchen Distributoren zwar, Lagerbestände zu günstigeren Spotpreisen abzubauen – die Vertragspreise für die Massenproduktion bleiben jedoch auf steilem Aufwärtstrend.
Der Cloud-Effekt
Einige Unternehmen reagieren auf die Krise mit einem Strategiewechsel. Amazon-CEO Andy Jassy beobachtet, dass steigende Kosten für lokale Speicherhardware und Lieferengpässe die Migration in die Cloud beschleunigen. Google Cloud verzeichnete im ersten Quartal ein Umsatzplus von 63 Prozent, Azure von 40 Prozent. Unternehmen suchen offenbar Alternativen zu teuren hauseigenen Serverinstallationen.
Ausblick: Das Ende der günstigen Hardware
Der Trend zu „Ultra“-Produktkategorien zeichnet sich bereits ab. Apple soll für 2027 ein „MacBook Ultra“ mit OLED-Touchscreen und M6-Prozessor planen – oberhalb der aktuellen MacBook-Pro-Reihe. Im Mobilsegment wird ein faltbares „iPhone Ultra“ für Ende 2026 erwartet, das auf 2-Nanometer-Fertigung und Apples eigene C2-Modems setzt.
Doch die Umsetzung hängt an den Fertigungskapazitäten von Partnern wie TSMC. Branchenkreisen zufolge ist Apple nicht mehr der Hauptabnehmer für TSMCs Spitzentechnologie – KI-Chip-Designer wie Nvidia dominieren zunehmend die Produktionspläne.
Das Ungleichgewicht am Speichermarkt wird sich bis weit ins Jahr 2027 ziehen. DDR4 bleibt zwar günstig und verfügbar, verliert aber rapide an Bedeutung für lokale KI-Anwendungen. Verbraucher müssen sich auf eine „leise“ Umstrukturierung der Produktpaletten einstellen: Die günstigsten Konfigurationen verschwinden, höherpreisige Modelle mit mehr Speicher rücken nach.
Die Zeiten günstiger, leistungsstarker Einstiegshardware dürften vorerst vorbei sein.

