Die Frage, wie leicht sich elektronische Geräte reparieren lassen, bleibt ein Dauerthema zwischen Herstellern, Reparaturwerkstätten und Aufsichtsbehörden. Zwei aktuelle Beispiele aus der Berichterstattung von iFixit zeigen, wie unterschiedlich Hersteller mit dem Thema umgehen: Apples langjährige Praxis der Bauteil-Verkopplung sowie der jüngst analysierte Teardown von Valves Steam Frame.
Frankreichs Untersuchung gegen Apple
Französische Behörden ermitteln gegen Apple wegen möglicherweise irreführender Geschäftspraktiken im Zusammenhang mit sogenanntem Parts-Pairing beziehungsweise Serialisierung von Bauteilen. Ausgelöst wurde das Verfahren durch eine Klage der Organisation HOP (Halte à l’Obsolescence Programmée) vom Dezember 2022, die Apple geplante Obsoleszenz vorwarf.
Wie iFixit berichtete, dreht sich der Kern der Untersuchung um die Praxis, dass ausgetauschte Bauteile softwareseitig an das jeweilige Gerät gebunden werden müssen, damit dieses vollständig funktionsfähig bleibt.
Hintergrund dieser Praxis ist ein internes Apple-Service-Dokument aus dem Jahr 2018: Demnach erfordern Reparaturen an Display, Logic Board, Gehäuseoberteil und Touch-ID-Board bei MacBooks sowie an Logic Board und Flash-Speicher bei Desktop-Rechnern den Einsatz des proprietären „Apple Service Toolkit 2 (AST 2) System Configuration Suite“, das eine Verbindung zu Apples GSX-Server voraussetzt.
Ohne diese Freigabe gilt eine Reparatur laut dem Dokument als unvollständig, das Gerät werde funktionsunfähig. Zugang zu AST 2 haben laut den Unterlagen nur Apple Stores selbst sowie eine begrenzte Zahl autorisierter Service-Provider.
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Frühere Fälle wie die „Error 53“-Problematik und das sogenannte Batterygate wurden in diesem Zusammenhang als Präzedenzfälle für Apples restriktiven Umgang mit Fremdreparaturen genannt.
Dass die Serialisierung technische Reparaturen nicht grundsätzlich verhindert, zeigte bereits ein Labortest von iFixit aus dem Jahr 2018: Bei einem 13-Zoll-MacBook-Pro-Modell mit Touch Bar und Apples T2-Chip funktionierte der Tausch von Display und Logic Board in sämtlichen getesteten Kombinationen – auch nach einem Update auf macOS Mojave.
Der eigentliche Streitpunkt ist also nicht die physische Machbarkeit, sondern die softwareseitige Freigabe, die unabhängige Werkstätten von Apples Infrastruktur abhängig macht.
Steam Frame: Reparierbarkeit als Verkaufsargument
Ein gegensätzliches Bild liefert der Teardown von Valves neuem VR-Headset Steam Frame, den iFixit-Autorin Elizabeth Chamberlain vorlegte. iFixit ist seit 2022 Partner von Valve, betont aber, ohne redaktionellen Einfluss des Unternehmens gearbeitet zu haben.
Der Teardown offenbart ein Gerät mit erkennbaren Kompromissen: Der Akku, eine gebogene Zwei-Zellen-Lithium-Polymer-Zelle, ist laut iFixit-Messung mit 20,9 Wh angegeben, während Valves eigene Produktseite 21,6 Wh nennt. Problematisch ist vor allem, dass die Zelle verklebt ist, ohne die inzwischen verbreiteten Stretch-Release-Klebestreifen, die einen unkomplizierten Austausch ermöglichen würden.
Zur Laufzeit berichteten Tester unterschiedlich: Reviewer sprachen von ein bis zwei Stunden, Journalist Sean Hollister maß maximal zwei Stunden – auch im Batteriesparmodus. iFixit rechnet deshalb mit einem nötigen Akkuwechsel binnen etwa zwei Jahren, bietet entsprechende Ersatzakkus für das Gerät vorerst aber nicht an.
Positiver fällt die Bewertung bei anderen Komponenten aus: Gesichts- und Kopfpolster sowie der Nasenbügel sind modular austauschbar, der Kopfgurt lässt sich abnehmen.
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Ein externer microSD-Slot erlaubt zusätzlichen Speicher bis 2 TB neben den fest verbauten 256 GB oder 1 TB. Die Optik nutzt LCD-Panels statt micro-OLED und ist magnetisch an der IPD-Schiene befestigt, wobei die Kabel der Optik an der LCD-Rückseite verklebt sind.
Auf der Hauptplatine verbaut Valve einen Snapdragon 8 Gen 3 – einen Smartphone-Chip aus dem Jahr 2023, nicht den spekulierten Snapdragon Reality Elite – zusammen mit 16 GB LPDDR5X-Arbeitsspeicher und 256 GB Flash-Speicher von SK hynix sowie zwölf Infrarot-Emittern.
Als „klarste verpasste Chance“ bezeichnete iFixit die Lüfterkonstruktion. Beim Controller lassen sich AA-Batterien problemlos wechseln, die Thumbsticks sind jedoch verlötet. Für Reparaturen bietet Valve ein Accessory Replacement Kit für 49 US-Dollar sowie ein Ergonomic Accessories Kit für 59 US-Dollar an, ein Netzteil kostet 29 US-Dollar.
Der praktischen Einstiegspreis für das Gesamtpaket liegt bei 1.147 US-Dollar. Zum Vergleich vergab iFixit dem älteren Steam Deck eine Reparierbarkeits-Wertung von 7 von 10 Punkten.
Auch die Fachpresse zeigte sich beeindruckt vom Demontage-Aufwand: Jacob Ridley von PC Gamer brach einen eigenen Teardown-Versuch ab, während iFixit-Mitarbeiter Shahram Mokhtari die vollständige Zerlegung dokumentierte. Demnach lässt sich das Kernmodul mit SoC, Optik, Arbeitsspeicher, Speicherchip und Sensoren über drei Schalter unter der magnetischen Gesichtsmaske lösen, bevor sechs Torx-Schrauben den weiteren Zugang öffnen.
Zwei Ansätze, ein gemeinsames Thema
Die beiden Fälle verdeutlichen unterschiedliche Facetten derselben Debatte: Während bei Apple die softwareseitige Kopplung von Ersatzteilen im Zentrum regulatorischer Aufmerksamkeit steht, zeigt der Steam-Frame-Teardown, dass auch bei physisch zugänglicher Hardware Detailentscheidungen – etwa bei der Akku-Verklebung – über die tatsächliche Reparierbarkeit eines Produkts entscheiden.

