Apple unter Druck: 10–12,5% Zölle auf 60 Länder ab heute

Seit dem 24. Juli 2026 gelten gestaffelte US-Zölle bis 12,5 Prozent. Apple fehlen Ausnahmen, während internationale Kritik laut wird.

Seit dem 24. Juli 2026 gelten neue US-Importzölle gegen 60 Handelspartner – mit Folgen für die Tech-Branche und Apple.

Die Zölle zwischen zehn und 12,5 Prozent ersetzen eine vorläufige Abgabe von zehn Prozent, die diese Woche auslief. Während die US-Regierung für mehrere Industriesektoren Ausnahmen gewährt hat, fehlen für Unterhaltungselektronik und High-Tech-Komponenten bislang klare Schutzregelungen. Betroffen sind rund 99,4 Prozent aller US-Importe.

Rechtsgrundlage und Zwangsarbeitsvorwürfe

Die Trump-Administration stellte die neue Zollstruktur am 23. Juli 2026 fertig – nach einer fünfmonatigen Untersuchung zur Durchsetzung von Zwangsarbeitsverboten. Gestützt auf Paragraph 301 des Handelsgesetzes von 1974 (Trade Act) begründen die Behörden die Abgaben mit unzureichenden Arbeitsrechtsstandards bei den Handelspartnern. Der Schritt folgt auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofs vom Februar, das frühere Zölle für unrechtmäßig erklärt hatte.

Die Regierung bezeichnet die Maßnahmen als notwendigen Schritt zur Wiederbelebung der heimischen Produktion. Parallel dazu prüft das Büro des US-Handelsbeauftragten in weiteren 16 Ländern mögliche Verstöße gegen Überproduktion und Überkapazitäten.

Apples heikle Lage

Für Apple kommt der 24. Juli zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Konzern unterhält enge Fertigungsbeziehungen mit Partnern in vielen der 60 betroffenen Länder. Wichtige Zulieferer wie Foxconn, Luxshare und Pegatron betreiben umfangreiche Werke in Regionen, die nun den zehn- oder 12,5-prozentigen Abgaben unterliegen.

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Die Apple-Aktie notierte bei Inkrafttreten der neuen Regeln bei umgerechnet rund 300 Euro. Zwar sieht der aktuelle Rahmen keine spezifischen Ausnahmen für Apple-Produkte vor, doch könnte der Konzern Erleichterungen beantragen – etwa für Güter, die kurzfristig nicht ersetzbar sind oder deren Besteuerung gesamtwirtschaftliche Störungen auslösen würde. Branchenbeobachter halten es für wahrscheinlich, dass Apple argumentieren wird, seine komplexe Lieferkette sei kurzfristig nicht substituierbar.

Gestaffelte Zölle und Branchenausnahmen

Die Zollstruktur ist nach dem jeweiligen Arbeitsrechtsstatus der Handelspartner gestaffelt:

  • Zehn Prozent zahlen 17 Partner, darunter Kanada, Mexiko, Großbritannien und Indien. Indiens Satz wurde gesenkt, nachdem das Land seine Durchsetzungsmechanismen verschärft hatte.
  • Zehn bis 12,5 Prozent gelten für die EU, Taiwan, Japan, Südkorea und die Schweiz.
  • 12,5 Prozent werden unter anderem von China und Vietnam verlangt.

Breite Ausnahmen gibt es für mehrere Schlüsselindustrien:
Energie und Landwirtschaft: Öl, Gas und Düngemittel sind befreit.
Transport und Metalle: Stahl, Aluminium, Flugzeuge und Autos bleiben vorerst außen vor.
Gesundheit: Medikamente sind weitgehend ausgenommen, Generika erhalten für zwei Jahre einen Nulltarif.
Logistik: Bereits auf dem Weg befindliche Waren sind bis zum 28. Juli 2026 geschützt.

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Internationale Proteste

Die Umsetzung der Zölle hat scharfe Kritik ausgelöst. Die australische Regierung bezeichnete die Maßnahmen als ungerechtfertigt, Brasilien kündigte eine Klage vor der Welthandelsorganisation an. Die EU wies die Begründung zurück, lobte aber einzelne Elemente der überarbeiteten Struktur.

Kanada ließ alle Optionen offen – und sieht sich zugleich mit möglichen separaten 50-Prozent-Zöllen auf bestimmte Waren aus älteren Handelsgesetzen konfrontiert. Menschenrechtsorganisationen zeigten sich dagegen vorsichtig optimistisch: Die neuen Abgaben könnten als Hebel zur Verbesserung globaler Arbeitsstandards dienen – trotz der wirtschaftlichen Belastungen für Verbraucher.