Apple verabschiedet sich von der Vision Pro als eigenständiger Produktlinie. Der Konzern setzt künftig voll auf smarte Brillen und KI.
Der Schritt kommt überraschend, ist aber konsequent: Apples neue Führungsspitze um den designierten CEO John Ternus hat die Vision Pro-Serie von der langfristigen Hardware-Roadmap gestrichen. Stattdessen fließen die Ressourcen in zwei Projekte für intelligente Brillen – und in die künstliche Intelligenz.
Zwei Brillen-Projekte statt High-End-Headset
Die neue Strategie sieht zwei unterschiedliche Smart-Glasses-Modelle vor. Das erste Projekt ist eine Brille ohne Display, die ähnlich wie bestehende Produkte am Markt funktioniert: Sie arbeitet mit Audio und Kamera-Eingaben, zeigt aber keine Bilder an. Ihr Marktstart ist für 2027 geplant.
Das zweite, technisch anspruchsvollere Modell soll echte Augmented Reality (AR) bieten. Diese Brille wird mit optischen Wellenleiter-Displays ausgestattet sein – und kommt frühestens 2029 auf den Markt. Ursprünglich hatte Apple hier einen aggressiveren Zeitplan verfolgt.
Die bereits im Mai kolportierte „Vision Air“ – eine abgespeckte Version des Vision Pro – wurde komplett gestrichen. Auch eine dünnere Variante des Headsets wird nun nicht mehr vor Ende 2028 erwartet.
visionOS lebt weiter – mit fremder Hardware
Obwohl Apple die eigene Headset-Entwicklung zurückfährt, gibt der Konzern das Betriebssystem visionOS nicht auf. Ganz im Gegenteil: Erst am 15. Juli veröffentlichte Apple ein 74-seitiges Pflichtenheft für Fremdhersteller von Motion-Controllern.
Während Apple die Hardware-Strategie anpasst, schafft die EU mit dem AI Act bereits klare Fakten für den Einsatz intelligenter Systeme. Welche neuen Regeln und Risikoklassen Ihr Unternehmen jetzt kennen muss, erfahren Sie in diesem kompakten Leitfaden. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen und Pflichten kompakt erklärt
Die neuen Richtlinien beschreiben Controller mit Infrarot-LEDs und Trägheitssensoren (IMU), die Tracking-Geschwindigkeiten von bis zu 120 Hertz erreichen. Möglich wird dies durch das Update auf visionOS 27, das im Herbst erscheint.
Um die Entwicklung voranzutreiben, arbeitet Apple mit DFRobot und MIKROE zusammen. Erste Entwickler-Kits sollen zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 verfügbar sein. Die Fremd-Controller ersetzen allerdings nicht die bewährte Handsteuerung – sie ergänzen sie für spezielle Anwendungen.
Milliarden-Markt: Vom Headset zur Brille
Der Kurswechsel kommt zu einem günstigen Zeitpunkt. Der globale Brillenmarkt wird aktuell auf umgerechnet rund 225 Milliarden Euro geschätzt – mit einem prognostizierten Wachstum auf über 425 Milliarden Euro in den nächsten sechs Jahren.
Analysten von Asymco sehen für Apple ein Potenzial, das an den Erfolg der Apple Watch erinnert: Bis 2033 könnte die smarte Brille dem Konzern jährlich rund 23 Milliarden Euro Umsatz bringen.
Die Integration von KI in Wearables eröffnet neue Möglichkeiten, bringt aber auch komplexe rechtliche Anforderungen mit sich. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche KI-Systeme künftig als Hochrisiko gelten und was Verantwortliche in IT und Recht nun konkret tun müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zur EU-KI-Verordnung herunterladen
Die Neuausrichtung passt zudem zu Apples Offensive bei generativer KI. Erst am 16. Juli erreichte die Apple-Aktie ein Rekordhoch – ausgelöst durch positive Reaktionen auf neue KI-Funktionen. Besonders die Neugestaltung von Siri kommt bei Nutzern gut an und lässt selbst ältere Hardware wie neu wirken.
Mehr als nur Brillen: Apples Wearable-Zukunft
Die Forschung bei Apple geht aber weit über Brillen hinaus. Der Konzern arbeitet offenbar an weiteren Wearable-Formaten: AirPods mit integrierten Kameras und spezielle KI-Anhänger sind im Gespräch. Der gesamte Wearable-Markt soll bis 2035 jährlich um 20 Prozent wachsen – und Apple will ein großes Stück dieses Kuchens.

