Apple verschärft Kritik am Digital Markets Act

Apple kritisiert die EU-Kommission scharf: Die erzwungene Öffnung von iOS gefährde Nutzerdaten und schaffe neue Angriffspunkte für Drittanbieter.

Apple geht in die Offensive: Nach dem ersten offiziellen Zweijahresbericht der EU-Kommission zum Digital Markets Act (DMA) warnt der Konzern vor massiven Sicherheitslücken. Die erzwungene Öffnung von iOS gefährde sensible Nutzerdaten – etwa WLAN-Zugangsdaten.

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„Eine Gefahr für die Privatsphäre“

Die Debatte um den DMA ist in eine neue, konfrontative Phase getreten. Apple reagierte mit deutlichen Worten auf die jüngste Bewertung der EU-Kommission, die das Gesetz Ende April als vollen Erfolg für Wettbewerb und Verbraucherwahlfreiheit bezeichnet hatte. Aus Sicht des Konzerns ignoriert dieser Bericht fundamentale Sicherheitsrisiken.

Kyle Andeer, Apples Vizepräsident für Produkte und Regulierungsrecht, warf der EU-Kommission eine mangelnde Reflexion über die negativen Begleiterscheinungen der Regulierung vor. Statt einer nüchternen Sicherheitsanalyse nehme man eine Art Selbstbestätigung der Behörden wahr.

Wenn Interoperabilität zur Gefahr wird

Ein zentraler Kritikpunkt: die Anforderungen an die Interoperabilität zwischen Plattformen. Apple argumentiert, dass die Verpflichtung, Kernfunktionen des Betriebssystems für Drittanbieter zu öffnen, neue Angriffsvektoren schafft. Konkret nennt der Konzern das Risiko, dass große Tech-Unternehmen wie Meta über die geforderten Schnittstellen Zugriff auf sensible Daten erhalten könnten.

Dazu zählen WLAN-Anmeldedaten und Netzwerkverläufe. Mit diesen Informationen ließen sich detaillierte Nutzerprofile erstellen – ohne explizite Zustimmung der Anwender. Apple habe diese Bedenken mehrfach thematisiert, die Regulierungsbehörden schienen sie jedoch zu ignorieren.

Auch das sogenannte Sideloading bleibt ein Streitpunkt. Apple führt an, dass die DMA-Vorgaben die Fähigkeit untergraben, schadhafte Software effektiv zu erkennen. Zwar wurde ein Beglaubigungsprozess für Drittanbieter-Apps eingeführt, dieser könne jedoch nicht das Schutzniveau der ursprünglichen Prüfung bieten.

Geldstrafen und Feature-Zurückhaltung

Die Spannungen zwischen Cupertino und Brüssel haben bereits konkrete Folgen. Im Frühjahr 2025 wurde Apple mit einer Geldstrafe von rund 570 Millionen US-Dollar belegt – die Vertragsbedingungen für alternative App-Vertriebe galten als DMA-Verstoß. Apple wehrt sich gerichtlich dagegen.

Die regulatorischen Anforderungen wirken sich zudem auf die Verfügbarkeit neuer Technologien in Europa aus. Bestimmte innovative Funktionen – etwa eine Echtzeit-Übersetzungsfunktion für AirPods – werden vorerst nicht für EU-Nutzer freigegeben. Apple argumentiert, der DMA verbiete exklusive Features für eigene Produkte, solange sie nicht für Konkurrenzprodukte funktionieren. Der Engineering-Aufwand führe zu erheblichen Verzögerungen.

Beobachter sehen darin eine umfassendere Verteidigungsstrategie. Apples Botschaft: Die erzwungene Ähnlichkeit zwischen iOS und Android verringere die Auswahlmöglichkeiten für Verbraucher, da das Alleinstellungsmerkmal eines geschützten, integrierten Systems verloren gehe.

Die Sicht der EU-Kommission

Die EU-Kommission zieht eine dezidiert positive Bilanz. In ihrem Review-Bericht zum zweijährigen Bestehen des DMA erklärten die Beamten, die Märkte seien fairer und bestreitbarer geworden. Gatekeeper wie Apple hätten ihre Designs und Verträge anpassen müssen – neue Geschäftsmöglichkeiten für Wettbewerber seien entstanden.

Sicherheitsbedenken wies die Kommission bisher mit dem Hinweis zurück, dass technische Lösungen für Datenschutz existieren, ohne den Wettbewerb zu unterbinden. Aus Sicht der Regulierer dient das Sicherheitsargument vor allem dem Schutz des lukrativen App-Distributions-Monopols.

Ein weiterer Streitpunkt: die Kerntechnologie-Gebühr (Core Technology Fee), die Apple von Entwicklern erhebt, die alternative Vertriebswege nutzen. Viele Marktteilnehmer fordern deren Abschaffung – sie ersticke den Wettbewerb im Keim.

Das grundsätzliche Dilemma

Die aktuelle Eskalation verdeutlicht den grundsätzlichen Konflikt zwischen dem europäischen Streben nach Marktöffnung und Apples Geschäftsmodell, das auf tiefer Integration von Hard- und Software basiert. Branchenanalysten beobachten, dass Apple zunehmend in die Defensive gedrängt wird. Die notwendige Offenlegung proprietärer Technologien wird vom Management als existenzielle Bedrohung der Markenidentität wahrgenommen.

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Die wirtschaftlichen Auswirkungen des DMA auf Apples Gesamtumsatz sind bislang moderat. Die Nutzerbasis in Europa erweist sich als loyal, auch wenn erste alternative Marktplätze bereits gestartet sind. Das Hauptrisiko: drohende tägliche Zwangsgelder bei anhaltender Nicht-Konformität – bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Was kommt als Nächstes?

Für den Rest des Jahres 2026 werden weitere rechtliche Auseinandersetzungen vor dem Europäischen Gerichtshof erwartet. Apple wird versuchen, durch einstweilige Verfügungen die Umsetzung bestimmter Interoperabilitätsmaßnahmen zu verzögern. Die Ergebnisse dieser Verfahren werden wegweisend für die gesamte Tech-Branche sein – auch andere Gatekeeper wie Meta oder Microsoft beobachten die Rechtsstreitigkeiten genau.

Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, ihre Untersuchungen zu alternativen App-Stores fortzusetzen. Sollten die vorläufigen Feststellungen einer Nicht-Konformität bestätigt werden, könnten in der zweiten Jahreshälfte drastischere Sanktionen folgen.

Verbraucher in der EU müssen sich derweil darauf einstellen: Die funktionale Schere zwischen europäischen iPhones und Geräten in anderen Weltregionen wird vorerst weiter auseinandergehen – während Apple und die EU um das Gleichgewicht zwischen Sicherheit und offenem Wettbewerb ringen.