Apple vs. Epic: Gericht legt Zeitplan für App-Store-Zukunft fest

Apple und Epic Games legen einen gemeinsamen Verfahrensplan vor. Das Gericht soll nun über die Höhe der Provisionen für externe Zahlungen entscheiden.

Der jahrelange Rechtsstreit zwischen Apple und Epic Games tritt in eine entscheidende Phase. Ein neuer Fahrplan soll klären, welche Provisionen Apple für externe Zahlungen verlangen darf.

Seit dem 15. Mai 2026 liegt ein gemeinsamer Antrag der beiden Tech-Giganten beim US-Bezirksgericht für Nordkalifornien vor. Darin einigten sie sich auf einen detaillierten Verfahrensplan für die nächste Runde ihres seit 2020 andauernden Rechtsstreits. Der Fall dreht sich um die Frage, ob Apples Provisionen für Transaktionen außerhalb des integrierten Bezahlsystems rechtmäßig sind. Der Zeitplan folgt auf eine Entscheidung des Obersten US-Gerichtshof Anfang Mai, der Apples Versuche, das Verfahren zu verzögern, eine Absage erteilte.

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Der Fahrplan: Was kommt auf die Parteien zu?

Der vereinbarte Zeitplan gibt Apple 45 Tage Zeit, um ein formelles Angebot – eine sogenannte „Proffer“ – beim Gericht einzureichen. Dieses auf 30 Seiten begrenzte Dokument muss eine konkrete Provisionsstruktur für sogenannte „Linked-out-Käufe“ vorschlagen. Dabei handelt es sich um Transaktionen, bei denen ein Nutzer einem Link aus einer App auf die Website des Entwicklers folgt, um einen Kauf abzuschließen.

Apple muss in diesem Papier detailliert darlegen, wie es zu den vorgeschlagenen Gebühren kommt. Interne Finanzdaten und betriebswirtschaftliche Rechtfertigungen sind beizufügen. Nach Einreichung des Angebots hat Apple zehn Tage Zeit, alle nicht unter das Anwaltsgeheimnis fallenden Dokumente vorzulegen, die mit der internen Entscheidungsfindung zusammenhängen.

Eine Besonderheit: Epic Games darf bis zu zehn Prozent der zurückgehaltenen Dokumente für eine Überprüfung durch einen Dritten benennen. So soll verhindert werden, dass Apple sensible Informationen einfach unter Verschluss hält.

Nach Abschluss der Dokumentenproduktion hat Epic 60 Tage Zeit, um Stellung zu nehmen. Der „Fortnite“-Entwickler wird voraussichtlich Einspruch gegen Apples vorgeschlagene Gebühren erheben und eigene Beweise für eine angemessene, kostenbasierte Gebühr vorlegen. Apple erhält dann weitere 30 Tage für eine abschließende Erwiderung. Danach könnte das Gericht eine Statuskonferenz anberaumen oder weitere Schritte einleiten.

Der Weg zum aktuellen Verfahren

Der neue Zeitplan wurde notwendig, nachdem der Oberste US-Gerichtshof am 6. Mai 2026 einen Eilantrag von Apple abgelehnt hatte. Richterin Elena Kagan wies im Namen des Gerichts Apples Versuch zurück, die Rückverweisung des Falls an die untere Instanz zu stoppen. Diese Anweisung kam vom 9. US-Berufungsgericht, das den Fall an Bezirksrichterin Yvonne Gonzalez Rogers in Oakland zurückverwies – mit dem Auftrag, eine angemessene Provisionsrate für externe Transaktionen festzulegen.

Hintergrund ist eine Verachtung-des-Gerichts-Entscheidung aus dem Frühjahr 2025. Damals befand das Bezirksgericht, dass Apple vorsätzlich gegen eine Verfügung aus dem Jahr 2021 verstoßen hatte. Der Konzern hatte eine 27-prozentige Provision auf externe Links eingeführt – eine Gebühr, die Epic als nahezu identisch mit der üblichen 30-Prozent-Gebühr für In-App-Käufe ansah und als wettbewerbsschädigend kritisierte.

Apple argumentierte vor dem Obersten Gerichtshof, dass die Offenlegung vertraulicher Geschäftsinformationen während des laufenden Berufungsverfahrens irreparablen Schaden anrichten würde. Epic-CEO Tim Sweeney kommentierte die Entscheidung des Gerichtshof mit den Worten, das hohe Gericht habe Apples Verzögerungstaktiken als nicht haltbar eingestuft.

Japan: Neuer Markt, neue Front

Während sich die juristische Lage in den USA zuspitzt, weitet Epic seine Aktivitäten international aus. Am 30. April 2026 startete der Spieleentwickler seinen eigenen App-Store auf dem iPhone in Japan. Möglich wurde dies durch die vollständige Durchsetzung des japanischen „Mobile Software Competition Act“ (MSCA), der am 18. Dezember 2025 in Kraft trat. Das Gesetz ähnelt in vielen Punkten dem Digital Markets Act (DMA) der Europäischen Union und zwingt große Plattformbetreiber zur Öffnung für alternative App-Vertriebswege und Zahlungsabwickler.

Zum Start bot der Epic Games Store in Japan zunächst nur eigene Titel wie „Fortnite“ und „Rocket League Sideswipe“ an. Epic berichtet, dass zwar viele japanische Entwickler Interesse signalisierten, aber Bedenken wegen möglicher Vergeltungsmaßnahmen oder der Komplexität von Apples Gebührenstruktur äußerten. In Japan hat Apple ein gestaffeltes Provisionssystem eingeführt: 26 Prozent für das eigene Zahlungssystem, 21 Prozent für die Abwicklung durch Dritte und fünf Prozent „Core Technology Commission“ (CTC) für Apps, die über alternative Marktplätze vertrieben werden.

Ein besonderer Streitpunkt bleibt der Installationsprozess. Während der Druck der EU-Wettbewerbshüter Apple dazu zwang, die Installation von Drittanbieter-Stores von 15 auf sechs Bildschirmschritte zu reduzieren, sind es in Japan derzeit noch neun Schritte. Epic forderte die japanische Wettbewerbsbehörde auf, das MSCA rigoros durchzusetzen, um diese „wettbewerbswidrigen Hürden“ zu beseitigen.

Globale Regulierungswelle: EU, Brasilien und Großbritannien

Die Auseinandersetzung zwischen Apple und Epic ist Teil eines weltweiten Trends zur Regulierung von Mobilplattformen. In der EU stellte Apple zum 1. Januar 2026 auf ein einheitliches Geschäftsmodell für Entwickler um. Die ursprüngliche „Core Technology Fee“ wurde durch die „Core Technology Commission“ (CTC) für digitale Waren und Dienstleistungen ersetzt – und zwar über alle Vertriebskanäle hinweg, einschließlich des App Store und des Web-Vertriebs.

Technische Daten von Epic zeigen, dass regulatorische Änderungen messbare Auswirkungen auf das Nutzerverhalten haben. Nachdem Apple gezwungen wurde, die sogenannten „Angstbildschirme“ und Installationshürden in der EU zu vereinfachen, verzeichnete Epic einen Rückgang der Spielerabbrüche während der Installation um 60 Prozent. Dennoch argumentiert Epic, dass Apples Politik – insbesondere die Anforderung an Entwickler, alle Transaktionen an Apple zu melden – weiterhin gegen den Geist der globalen Wettbewerbsgesetze verstoße.

Epic hat weitere Expansionspläne angekündigt. Im Juni 2026 soll der Store in Brasilien starten, Großbritannien und Australien sind für später im Jahr als Zielmärkte vorgesehen. Diese Expansionen hängen von der Umsetzung lokaler Gesetze ab, wie dem britischen „Digital Markets, Competition and Consumers Act“, der ähnliche Öffnungen im iOS-Ökosystem erzwingen dürfte.

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Ausblick: Was bedeutet das für den App Store?

Das laufende US-Verfahren, das sich voraussichtlich bis in den Herbst 2026 hinziehen wird, könnte als Präzedenzfall für die weltweite Berechnung „angemessener“ Gebühren dienen. Sollte das Gericht eine deutlich niedrigere Provision als Apples aktuelle 27 Prozent festlegen, könnte dies eine Massenabwanderung von Entwicklern zu externen Zahlungslinks auslösen – mit potenziell erheblichen Auswirkungen auf Apples margenstarke Serviceeinnahmen.

Branchenbeobachter sehen in der Einigung auf einen Verfahrensplan einen Wandel hin zu einer datengetriebeneren Phase des Konflikts. Erstmals wird Apple gezwungen sein, detaillierte Belege für die spezifischen Prozentsätze zu liefern, die es für Dienstleistungen an Entwickler verlangt, die nicht sein Zahlungssystem nutzen. Während Apple betont, dass diese Gebühren für die Finanzierung der laufenden Investitionen in die iOS-Plattform und die Aufrechterhaltung der Sicherheit notwendig seien, argumentieren Epic und andere Kritiker, dass die Kosten die aktuellen Provisionsniveaus nicht rechtfertigen.

Der Sommer 2026 verspricht eine transformative Phase für die globale Mobilfunkbranche zu werden – mit Japan, das bereits sein neues Wettbewerbsgesetz durchsetzt, Brasilien, das ähnliche Änderungen vorbereitet, und einem US-Gericht, das möglicherweise die Grundlagen des App-Store-Geschäftsmodells neu definiert.