Apple vs. Großbritannien: Geheime Verschlüsselungs-Anordnung vor Gericht

Apple verlangt mehr Transparenz zur britischen Datenanordnung, doch das Gericht vertagt die Sachentscheidung voraussichtlich auf 2027.

Apple hat vor dem Investigatory Powers Tribunal (IPT) in London gegen die Geheimhaltungspraxis der britischen Regierung im Streit um den Zugang zu verschlüsselten Nutzerdaten geklagt. Die britische Regierung verweigert weiterhin die sogenannte „Neither Confirm Nor Deny“-Position (NCND) zu einer sogenannten Technical Capability Notice, mit der Apple zur Herausgabe von Zugangsmöglichkeiten zu verschlüsselten Daten verpflichtet werden soll.

Anhörung drehte sich nur um die Geheimhaltung selbst

Die Verhandlung vor dem IPT betraf laut einem Bericht von applenieuws.nl vom 19. September 2026 ausschließlich die Frage der Geheimhaltung, nicht das grundsätzliche Recht der britischen Behörden auf einen solchen Datenzugriff. Über die Geheimhaltung selbst wurde noch keine Entscheidung getroffen; die eigentliche Hauptverhandlung in der Sache wird demnach voraussichtlich erst 2027 stattfinden.

Apple erklärte vor Gericht, keine Backdoor bauen zu wollen, und forderte öffentliche Transparenz über die vertrauliche Anweisung des britischen Innenministeriums (Home Office), die eine Hintertür in iPhones verlangt und damit die Verschlüsselung untergräbt.

Scharfe Kritik von Menschenrechtsorganisationen

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Der Anwalt Ben Jaffey, der die Organisationen Privacy International und Liberty vertritt, bezeichnete die britische Geheimhaltungspolitik im Zusammenhang mit dem Apple-Datenzugriff laut communicationstoday.co.in als „farcical“ – also als Farce. Diese Einschätzung teilen laut telegra.ph auch weitere Anwälte und Menschenrechtsorganisationen, die die Geheimhaltung ebenfalls als „Farce“ kritisieren.

Vorgeschichte: Von der globalen Forderung zur UK-spezifischen Anordnung

Der aktuelle Rechtsstreit hat seinen Ursprung in einer geheimen Technical Capability Notice, die Großbritannien 2025 erlassen hatte. Diese sollte Apple ursprünglich dazu verpflichten, Zugang zu Ende-zu-Ende-verschlüsselten iCloud-Backups sowohl von US- als auch von britischen Bürgern zu gewähren.

Die Washington Post hatte laut minory.org über ein geheimes Backdoor-Verlangen berichtet, das sich sogar auf weltweite iCloud-Inhalte erstreckt haben soll.

Die ursprüngliche Forderung, die auch US-Nutzer umfasste, wurde nach Verhandlungen mit der Trump-Administration zurückgezogen. Als Reaktion auf die britischen Forderungen zog Apple die Funktion Advanced Data Protection (ADP) für Nutzer in Großbritannien zurück – das neue erweiterte iCloud-Verschlüsselungsangebot lässt sich dort bis heute nicht aktivieren. Im Standardmodus bietet iCloud demnach 15 verschlüsselte Datenkategorien, mit aktiviertem ADP wären es 25.

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Nach dieser Anpassung erließ London im Juli 2026 laut einem Reuters-Bericht eine zweite Technical Capability Notice, die sich nun ausschließlich auf Apple-Nutzer in Großbritannien richtet und nicht mehr international gilt.

Offener Ausgang

Der aktuelle Streit vor dem IPT markiert damit einen weiteren Schritt in einer seit Monaten andauernden Auseinandersetzung zwischen Apple und der britischen Regierung. Solange die Frage der Geheimhaltung nicht geklärt ist, bleibt auch unklar, in welchem Umfang Details der Technical Capability Notice öffentlich bekannt werden.

Eine inhaltliche Entscheidung über die eigentliche Zugriffsforderung ist damit weiterhin nicht in Sicht – Beobachter rechnen frühestens 2027 mit einer Hauptverhandlung in der Sache.