Im Rechtsstreit zwischen Apple und OpenAI wegen mutmaßlichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen hat Apple neue forensische Beweise beim Bundesgericht eingereicht. Eine Analyse des Firmen-MacBooks des ehemaligen Apple-Ingenieurs Chang Liu soll belegen, dass dieser vertrauliche Schaltpläne heruntergeladen und bei OpenAI weiterverwendet habe.
Was die forensische Analyse zeigt
Laut Apples Gerichtsschriftsatz habe Liu am 7. März 2026 einen vertraulichen Schaltplan heruntergeladen und diesen am 18. März 2026 in einer LTspice-Simulation eingesetzt.
Die Analyse des MacBooks, die am 21. August geliefert wurde, deute zudem darauf hin, dass Liu einem KI-Agenten beigebracht habe, die Simulationssoftware LTspice auszuführen, und dass er versucht habe, Beweise zu vernichten. Nach Apples Darstellung soll Liu einen Kollegen angewiesen haben, entsprechende Spuren zu löschen, nachdem Ermittlungen angelaufen waren.
Apple zufolge hatte Liu das von Apple ausgegebene MacBook nach seinem Ausscheiden im Januar 2026 behalten und eine Authentifizierungsschwachstelle genutzt, um vertrauliche technische Dokumente herunterzuladen. Es geht dabei um proprietäre Schaltpläne für Stromwandler.
Vorwurf der Beweisvernichtung gegen OpenAI
Apple wirft nicht nur Liu, sondern auch OpenAI vor, an der Vernichtung von Beweismaterial beteiligt gewesen zu sein. Nach Apples Angaben seien OpenAI-Mitarbeiter sich Lius Zugriff auf Apples Cloud-Speicher bewusst gewesen. Auf Basis dieser Vorwürfe fordert Apple beim Gericht eine beschleunigte Beweisaufnahme sowie Geldentschädigung und eine einstweilige Verfügung gegen OpenAI.
Eine Anhörung zu diesem Antrag ist für den 1. Oktober 2026 angesetzt. Zudem beantragt Apple eine einstweilige Verfügung, um OpenAI die Nutzung der umstrittenen Technologie zu untersagen – eine Gerichtsentscheidung darüber steht noch aus.
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Beklagte und Hintergrund des Verfahrens
Die Klage, die Apple im Juli 2026 eingeleitet hatte, richtet sich gegen OpenAI, das Unternehmen io Products, den früheren Apple-Mitarbeiter Tang Yew Tan sowie Chang Liu. OpenAI hatte io Products im Jahr 2025 für 6,5 Milliarden US-Dollar übernommen. Nach Apple-Angaben sind mittlerweile mehr als 400 frühere Apple-Mitarbeiter bei OpenAI beschäftigt.
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OpenAI weist Vorwürfe zurück
OpenAI hat gemeinsam mit io Products und den beiden ehemaligen Apple-Mitarbeitern beim Gericht beantragt, Apples Klage wegen Verletzung von Geschäftsgeheimnissen mit Präjudiz abzuweisen. Das Unternehmen argumentiert, Apple habe weder die angeblich vertraulichen Informationen noch eine konkrete unrechtmäßige Aneignung ausreichend benannt. Entsprechende Klageabweisungsanträge liegen dem Gericht bereits vor.
Der Ausgang des Verfahrens hängt nun maßgeblich davon ab, wie das Gericht die vorgelegten forensischen Beweise bewertet und ob es Apples Antrag auf beschleunigte Beweisaufnahme stattgibt. Die für den 1. Oktober 2026 angesetzte Anhörung dürfte dabei eine erste Weichenstellung im Verfahren markieren.

