Apple-Warnung vor Spyware: Neue Angriffe erreichen Nutzer in 99 Ländern

Nach Apple-Warnungen stuft das BSI betroffene iPhones vorsorglich als kompromittiert ein und empfiehlt konkrete Schutzmaßnahmen.

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Der US-Technologiekonzern Apple hat am 29.10.2026 eine neue Runde von Sicherheitswarnungen vor hochentwickelter Spionagesoftware an gezielt ausgewählte Nutzer in 99 Ländern verschickt.

Die sogenannten Threat-Notifications richten sich an Personen, die ins Visier von professioneller Söldner-Spyware geraten sind. Seit dem Jahr 2021 hat das Unternehmen bereits Nutzer in over 150 Ländern vor derartigen Angriffen gewarnt; eine vorangegangene Warnwelle im August erreichte 110 Länder.

Betroffene im Bundestag und der Bundesregierung

In Deutschland erhielten seit dem 29.10.2026 mehrere Bundestagsabgeordnete sowie weitere Personen des öffentlichen Lebens entsprechende Warnungen auf ihren Mobilgeräten. Ob es dabei zu einer tatsächlichen Kompromittierung kam oder es sich lediglich um Angriffsversuche handelte, ist unklar.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wandte sich am 30.10.2026 schriftlich an Mitglieder des Bundestags und riet dazu, betroffene iPhones vorsorglich als kompromittiert einzustufen.

Digitalminister Karsten Wildberger bestätigte am 01.11.2026 im ARD-Format „Bericht aus Berlin“, dass Mitglieder des Parlaments und der Bundesregierung Warnmeldungen zu möglicher iPhone-Spyware erhalten hätten.

Eine genaue Anzahl oder Namen der Betroffenen nannte er nicht. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte am selben Tag, die Bundesregierung nehme den Vorfall ernst. Angaben zu Zielpersonen, darunter auch zu Kanzler Friedrich Merz, machte er nicht.

Journalisten und Aktivisten im Visier

Nach vorliegenden Berichten gehören neben Bundestagsabgeordneten und Beamten vor allem Journalisten und Dokumentarfilmer zu den Empfängern der Benachrichtigungen.

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Zu den dokumentierten Einzelfällen zählt der Türkei-Korrespondent Ragıp Soylu, der im Verlauf des Jahres 2026 bereits die dritte Warnung von Apple erhielt. Ebenfalls gewarnt wurde der libanesische Filmemacher Radwan Mortada, der bereits 2017 und 2021 Ziel der Spionagesoftware Pegasus gewesen war.

Costin Raiu machte den Wortlaut der Warnung am 30.10.2026 öffentlich. Es handle sich um neue Angriffe, die unabhängig von der Welle im August stattfänden, wobei die Protokolle keine Hinweise auf konkrete Urheber lieferten.

Apple selbst nannte weder Angreifer noch spezifische Produkte oder ausgenutzte Schwachstellen. Der Konzern betonte, dass Söldner-Spyware weitaus komplexer als gewöhnliche Cyberkriminalität sei und der Großteil der regulären Nutzerschaft niemals davon betroffen sei.

Technische Risiken und Handlungsempfehlungen

Nach Angaben des BSI kann eine erfolgreiche Infektion den Angreifern umfassenden Zugriff auf Nachrichten – einschließlich verschlüsselter Anwendungen –, Telefonate, Kontakte, Kalendereinträge und Standortdaten gewähren sowie Mikrofon und Kamera aktivieren.

Häufig kämen Zero-Day-Lücken und sogenannte Zero-Click-Angriffe zum Einsatz, die keine Interaktion des Opfers erfordern. Neben Politikern seien Journalisten, Menschenrechtsaktivisten sowie Personen mit Zugang zu vertraulichen Informationen besonders gefährdet.

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Das BSI empfiehlt potenziell Betroffenen, das Betriebssystem unverzüglich zu aktualisieren, sofern keine forensische Untersuchung geplant ist, und den Blockierungsmodus dauerhaft zu aktivieren. Besteht ein hohes individuelles Risiko, solle das Gerät komplett ersetzt werden, verbunden mit einer Änderung der Telefonnummer und dem Zurücksetzen aller Konten.

Vor einer forensischen Analyse dürfe kein Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen erfolgen; stattdessen solle ein verschlüsseltes lokales Backup angelegt werden. Die Echtheit von Apple-Warnungen lasse sich direkt über die Plattform account.apple.com überprüfen.

Zudem können sich Betroffene an das Service-Center des BSI, an Apple oder an Hilfsangebote wie die Digital Security Helpline von Access Now wenden. Arbeitgebern rät die Behörde unter anderem zur Überprüfung von Mehrfaktor-Authentifizierungen, zur Kontrolle von Berechtigungen sowie zur Isolierung betroffener Geräte in Verwaltungssystemen.