Der US-Technologiekonzern Apple hat am 29. Oktober 2026 Bedrohungswarnungen vor möglicher kommerzieller Spionagesoftware an iPhone-Nutzer in 99 Ländern verschickt. In Deutschland erhielten mehrere Bundestagsabgeordnete und Regierungsmitglieder entsprechende Hinweise auf ihren Mobiltelefonen.
Die Benachrichtigungen weisen auf zielgerichtete Angriffe sogenannter Mercenary-Spyware hin, die üblicherweise von hochspezialisierten Akteuren gegen ausgewählte Zielpersonen eingesetzt wird.
Sicherheitsbehörden und Bundestag reagieren auf Warnhinweise
Am 30. Oktober 2026 wandte sich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik an die Mitglieder des Bundestages. Die Behörde riet den Abgeordneten, betroffene Geräte vorsorglich als möglicherweise kompromittiert zu behandeln.
Zu diesem Zeitpunkt war unklar, ob es sich um tatsächliche Infektionen oder lediglich um Angriffsversuche handelte. Am 4. November 2026 meldete die Bundestagsverwaltung schließlich sechs bestätigte Infektionen von Mobilgeräten bei Abgeordneten verschiedener Fraktionen.
Das BSI hatte die Bundestagsverwaltung am vorangegangenen Donnerstag über die Hinweise informiert; erste Warnungen traten bei der SPD-Fraktion auf. Für forensische Analysen forderte die Bundestagsverwaltung Geräte an, die nicht auf Werkseinstellungen zurückgesetzt wurden.
Nach Angaben des BSI kann eine Infektion ohne jede Interaktion der Nutzer erfolgen, was in der IT-Sicherheit als Zero-Click-Angriff bezeichnet wird. Gelingt der Zugriff, ermöglicht die Spionagesoftware das Ausspähen von Nachrichten, Telefonaten, Kontakten, Kalendereinträgen und Standortdaten sowie die unbemerkte Aktivierung von Kamera und Mikrofon.
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Die Behörde empfiehlt einen Sechs-Punkte-Plan zur Schadensbegrenzung: Neben Betriebssystem-Updates und der Aktivierung des sogenannten Blockierungsmodus umfasst dieser gegebenenfalls den Gerätetausch, ein Zurücksetzen der Konten, neue Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierungen, neue vertrauenswürdige Telefonnummern sowie Sicherheitsperren bei Messenger-Diensten.
Betroffene in Bundes- und Landespolitik
Digitalminister Karsten Wildberger bestätigte die Warnmeldungen am 1. November 2026 im ARD-Bericht aus Berlin. Die Hinweise seien besorgniserregend, nähere Details jedoch spekulativ; ein zwingender Bezug zu Künstlicher Intelligenz bestehe nicht. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte, dass die Warnungen sehr ernst genommen würden und Untersuchungen liefen.
Angaben dazu, ob auch Bundeskanzler Friedrich Merz betroffen sei, machte er nicht. Medienberichten zufolge erhielten auch Teilnehmer einer Delegation, die den Kanzler auf einer Asienreise begleitete, sowie Journalisten entsprechende Warnungen. Franziska Brantner von den Grünen machte ihre Warnmeldung öffentlich.
Auch aus den Bundesländern wurden Fälle gemeldet: Das Smartphone des Bremer Bürgermeisters Andreas Bovenschulte erhielt kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Bundesratspräsident eine Sicherheitswarnung von Apple. Dennis-Kenji Kipker von der Hochschule Bremen stuft den Einsatz professioneller Spionagesoftware in solchen Fällen als wahrscheinlich ein.
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Derartige Werkzeuge seien extrem teuer und würden zumeist von staatlichen Stellen gegen hochrangige Politiker, Wirtschaftsmanager oder Aktivisten eingesetzt. Ein Nachweis gelinge meist nur forensisch oder durch Herstellerwarnungen.
Einordnung der Warnungen durch Apple und Experten
Apple stellte klar, dass eine Bedrohungswarnung nicht automatisch den Nachweis einer erfolgreichen Infektion darstellt. Die Installation, ein tatsächlicher Datenabfluss oder konkrete Urheber seien in der Meldung nicht bestätigt.
Die genannte Zahl von 99 Staaten bezeichne lediglich die geografische Streuung der jeweiligen Warnwelle und keine Opferzahlen. Der Hersteller versendet solche Hinweise seit 2021 mehrmals im Jahr in mittlerweile kumuliert über 150 Ländern; eine vorangegangene Welle ging am 13. August 2026 an Nutzer in 110 Staaten.
Bislang sei dem Konzern kein Fall bekannt, in dem ein Gerät mit aktiviertem Blockierungsmodus erfolgreich kompromittiert wurde. Apple bezeichnet seine Warnungen als hochzuverlässig, ordnet sie jedoch keinen konkreten Angreifern zu.
Experten mahnen unterdessen zur Vorsicht. John Scott-Railton von der Forschungsgruppe Citizen Lab warnt vor kostenpflichtigen Programmen, die eine angebliche Entfernung von Spyware versprechen, und betont zugleich, dass das Ausbleiben einer Apple-Warnung keinen Freispruch für ein Gerät bedeute.
Natalia Krapiva von der Bürgerrechtsorganisation Access Now verweist darauf, dass die Warnungen die anhaltende Bedrohung durch Spionagesoftware belegen.
Auf internationaler Ebene sollen Branchenleitlinien unter dem im Februar 2024 von Großbritannien und Frankreich initiierten Pall-Mall-Prozess im November 2026 fertiggestellt werden. Ein Verhaltenskodex für Staaten aus dem April 2025 wird von mehr als 27 Ländern unterstützt.

