Nach Hinweisen auf gezielte Ausspähversuche gegen deutsche Spitzenpolitiker stuft die Bundesregierung die Sicherheitslage als gravierend ein. Regierungssprecher Stefan Kornelius betonte, die Vorfälle würden sehr ernst genommen.
Zudem bestätigte er, dass mehrere Bundestagsabgeordnete und Regierungsmitglieder betroffen seien und deren Smartphones möglicherweise kompromittiert wurden. Ob auch Bundeskanzler Friedrich Merz zu den Zielen zählte, sei bislang unklar.
Weltweite Warnungen vor hochentwickelter Spähsoftware
Ausgangspunkt der aktuellen Untersuchungen sind Bedrohungshinweise des Technologiekonzerns Apple, die das Unternehmen ab dem 29. Oktober 2026 an Nutzer verschickte. Neben deutschen Mandatsträgern erhielten Personen in insgesamt 99 Ländern entsprechende Benachrichtigungen.
Apple versendet derartige Hinweise seit dem Jahr 2021 mehrmals jährlich und hat solche Warnungen bislang in über 150 Ländern zugestellt, zuletzt im vergangenen August. Unter den weiteren Empfängern der jüngsten Warnwelle befand sich auch der Beiruter Filmemacher Radwan Mortada, der bereits im Jahr 2021 ins Visier von Spähprogrammen geraten war.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bestätigte, dass mehrere Abgeordnete des Deutschen Bundestages sowie weitere Personen des öffentlichen Lebens zu den Empfängern zählten, nannte jedoch keine genauen Zahlen.
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Nach Einschätzung der Behörde handelt es sich bei den Attacken um sogenannte Zero-Click-Angriffe, die ohne Zutun der Betroffenen wirksam werden können. Bei einer erfolgreichen Kompromittierung erhalten die Angreifer umfassenden Zugriff auf Anrufe, Kontakte, Kalender, Standortdaten sowie auf verschlüsselte Nachrichten, Kamera und Mikrofon.
Hinter den Angriffen vermutet das BSI kommerziell entwickelte, fortgeschrittene Spähprogramme, die zumeist im Auftrag staatlicher Stellen gezielt gegen ausgewählte Personen eingesetzt werden. Als bekanntes Beispiel für solche Werkzeuge gilt Pegasus der NSO Group. Der Sicherheitsforscher Costin Raiu erklärte jedoch, dass die ausgewerteten Protokolldaten bislang keine konkreten Rückschlüsse auf die verantwortlichen Urheber zulassen.
BSI rät Betroffenen zu strikten Schutzmaßnahmen
Digitalminister Karsten Wildberger bestätigte in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin einen Hackerangriff auf Apple-Geräte von Regierungsmitgliedern und Bundestagsabgeordneten. Apple habe auf die potenzielle Gefährdung bestimmter Geräte hingewiesen, woraufhin die Sicherheitsbehörden rasch reagiert hätten. Konkrete Details zu betroffenen Gerätetypen oder den Akteuren nannte der Minister nicht.
Das BSI wandte sich am 30. Oktober 2026 mit einem Informationsschreiben direkt an die Mitglieder des Bundestages. Da die Warnmeldungen von Apple lediglich den Angriffsversuch anzeigen, nicht aber den tatsächlichen Erfolg belegen, riet die Behörde den Empfängern, vorsorglich von einer vollständigen Kompromittierung auszugehen. Ob eine Infektion tatsächlich erfolgreich war, gilt weiterhin als unklar.
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Zur Schadensbegrenzung empfahl die Behörde die zeitnahe Durchführung von Betriebssystem-Updates und die Aktivierung des geräteeigenen Blockierungsmodus. Betroffene sollten sich zudem an Fachexperten wenden und gegebenenfalls auf ein neues Smartphone mit neuer Rufnummer umsteigen.
Zugangsdaten für Apple-Konten, E-Mail-Dienste und weitere Konten sollten über ein garantiert sicheres Zweitgerät geändert werden. Zudem sei es ratsam, bestehende Zwei-Faktor-Authentifizierungen vorab auf ein neues Gerät zu übertragen und auf das Erstellen vollständiger Backups der möglicherweise infizierten Telefone zu verzichten.

