Statt teurer VR-Headsets setzt Apple künftig auf leichte KI-Brillen.
Strategischer Kurswechsel unter neuer Führung
Apple hat mehrere geplante High-End-Headsets gestrichen oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Fokus liegt nun auf smarten Brillen ohne Display, die vor allem über Sprachsteuerung und künstliche Intelligenz funktionieren. Die Neuausrichtung geht auf den designierten CEO John Ternus zurück, der am 1. September 2026 offiziell die Führung übernimmt.
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Konkret gestrichen wurden ein direkter Nachfolger des Vision Pro sowie das günstigere Modell „Vision Air“. Das Projekt Vision Air wurde bereits im Oktober 2025 eingestellt. Branchenkenner rechnen frühestens 2028 oder 2029 mit einer Wiederbelebung der Kategorie.
Zwei neue Produktlinien geplant
Die überarbeitete Roadmap sieht nun zwei Hauptkategorien vor:
KI-Smartbrillen (Codename N50): Diese Geräte sollen Ende 2027 auf den Markt kommen. Sie verzichten bewusst auf ein Display und setzen stattdessen auf Audio-Funktionen sowie KI-gesteuerte Interaktionen. Apple testet derzeit vier verschiedene Rahmen-Designs. Ursprünglich für Ende 2026 geplant, wurde der Start verschoben, um Siri und die Gesundheitsfunktionen weiterzuentwickeln.
AR/XR-Brillen: Diese technisch anspruchsvolleren Geräte sind für 2029 oder später vorgesehen. Sie nutzen optische Wellenleiter, um visuelle Informationen einzublenden – und das in einem deutlich leichteren Format als das aktuelle Vision Pro.
Marktentwicklung zwingt zum Umdenken
Der Strategiewechsel kommt nicht überraschend. Das ursprüngliche Vision Pro startete im Februar 2024 zu einem Preis von rund 3.200 Euro und verkaufte sich im ersten Jahr weniger als 500.000 Mal. Die komplexe Anpassung, fehlende Killer-Anwendungen und eine von Nutzern berichtete Tragegrenze von etwa 90 Minuten bremsten den Erfolg.
Während Apple mit dem High-End-Gerät kämpfte, explodierte der Markt für günstigere Smart Glasses. Im zweiten Halbjahr 2025 stiegen die Auslieferungen um 139 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Meta dominiert diesen Bereich mit 82 Prozent Marktanteil – vor allem dank der Zusammenarbeit mit Ray-Ban. Millionen Brillen verkaufte der Facebook-Konzern bereits zu Preisen unter 370 Euro.
Auch Google drängt in den Markt. Am 19. Mai 2026 stellte der Suchmaschinenriese drei Android-XR-Brillen vor, entwickelt mit Samsung, Warby Parker und Gentle Monster. Die Geräte kommen im Herbst 2026 auf den Markt und wiegen Prototypen zufolge weniger als 49 Gramm.
KI-Infrastruktur wird neu aufgebaut
Um die KI-gesteuerten Brillen zu unterstützen, arbeitet Apple an einer grundlegenden Erneuerung der Softwarebasis. Siri wird dafür komplett überarbeitet. Künftig gibt es ein zweistufiges System: Einfache Anfragen verarbeitet das Gerät lokal, komplexere Aufgaben wandern in die Cloud – betrieben mit Nvidia Blackwell B200-Chips.
Berichten zufolge hat Apple eine Vereinbarung mit Google getroffen, um dessen KI-Modell Gemini für die Cloud-Anfragen zu nutzen. Die jährlichen Zahlungen sollen beträchtlich sein. Diese Infrastruktur bildet das Rückgrat der sogenannten „Campo“-Siri-Neugestaltung, die eine eigene App für Text- und Sprachinteraktionen mit KI vorsieht.
Vision Pro lebt durch Software-Updates weiter
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Trotz der Einstellung der Hardware-Nachfolger unterstützt Apple das aktuelle Vision Pro weiterhin mit Software. Auf einer Veranstaltung am 19. Mai 2026 kündigte das Unternehmen neue Barrierefreiheits-Funktionen an, die Ende 2026 mit iOS 27 und visionOS 27 erscheinen sollen.
Dazu gehören eine augengesteuerte Rollstuhlsteuerung, entwickelt mit den Partnern Tolt und LUCI, sowie KI-generierte Untertitel und eine VoiceOver-Bilderkennung zum Vorlesen physischer Dokumente. Zwar hat sich die Unternehmensnutzung des Vision Pro bislang nicht wie erwartet entwickelt, doch die neuen Funktionen zielen gezielt auf professionelle und barrierefreie Anwendungen.
Intern hat Apple zudem auf Kritik aus dem Einzelhandel reagiert. Nach Beschwerden über die komplexen Vision-Pro-Vorführungen und Arbeitsbedingungen stimmte der Konzern Gehaltserhöhungen von rund zehn Prozent für die Mitarbeiter im Einzelhandel zu.

