Apple will AirPods zu medizinischen Gesundheits-Scannern umrüsten

Neue Patente zeigen Apples Vision für AirPods als Gesundheitsgeräte mit EEG- und Herz-Kreislauf-Sensoren. Die Markteinführung wird schrittweise erwartet.

Ein neu veröffentlichtes Patent zeigt: Die Zukunft der AirPods liegt nicht im Klang, sondern in der Gesundheitsüberwachung. Die US-Patentschrift US20230225659A1, die am 4. Mai 2026 öffentlich wurde, beschreibt Pläne für Gehirnaktivitätssensoren und erweiterte Herz-Kreislauf-Überwachung direkt im Ohr.

Hirnströme messen – direkt aus dem Gehörgang

Das Patent mit dem Titel „Biosignal Sensing Device Using Dynamic Selection of Electrodes“ skizziert ein System, bei dem aktive Elektroden in den austauschbaren Ohrstöpseln und Referenzelektroden in den Gehäusestielen sitzen. Die Technik soll elektrische Aktivitäten des Gehirns (EEG), Muskelbewegungen (EMG) und sogar Augenbewegungen (EOG) erfassen können.

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Das größte Hindernis: Jeder Mensch hat anders geformte Ohren. Apples Lösung ist ein automatisches Algorithmus-System, das aus mehreren Elektroden dynamisch diejenigen auswählt, die das stärkste Signal bei geringstem Rauschen liefern. Eine maßgeschneiderte Passform für jeden Nutzer wäre damit nicht mehr nötig.

Die Technologie könnte weit über Schlafanalyse und mentale Gesundheit hinausgehen. Denkbar wären Neurofeedback-Therapien oder die Früherkennung neurologischer Erkrankungen wie Epilepsie oder Demenz. Branchenbeobachter sehen darin den Schritt, Hirnstrommessung aus dem klinischen Umfeld in den Alltag zu holen – sofern Datenschutzfragen geklärt werden.

Herzüberwachung per Mikrofon und LED

Parallel zur Hirnforschung hat Apple Patente für die Herz-Kreislauf-Überwachung eingereicht. Eine bereits im Herbst 2024 erteilte Patentschrift beschreibt, wie interne Mikrofone Herzaktivitäten aufzeichnen sollen. Das System könnte Herzrhythmusstörungen wie Bradykardie, Tachykardie und unregelmäßige Herzschläge erkennen.

Noch ambitionierter: Algorithmen sollen mögliche Verengungen der Halsschlagader aus den Mikrofonsignalen herausfiltern können. Auch die Bestimmung der Pulswellenlaufzeit – ein Indikator für den Blutdruck – wäre möglich.

Die optischen LED-Sensoren in den AirPods pulsieren über 100 Mal pro Sekunde, um den Blutfluss durch die Ohrarterien zu messen. Interne Tests zeigen eine Genauigkeit, die mit Handgelenkssensoren vergleichbar ist.

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Körpertemperatur und Bewegungsanalyse

Für die kommenden AirPods Pro 3 verdichten sich die Hinweise auf integrierte Temperatursensoren. Der Gehörgang gilt als deutlich stabilerer und genauerer Messort für die Kerntemperatur als das Handgelenk, wo Umwelteinflüsse die Werte verfälschen. Die Apple Health App könnte so Fieber zuverlässiger erkennen und langfristige Gesundheitstrends aufzeichnen.

Forschung aus dem Jahr 2025 deutet zudem auf ein System zur Erkennung von Muskel-Skelett-Problemen hin. Ein Patent aus dem Frühjahr 2025 beschreibt die Überwachung von Gangmustern, Atmung und körperlicher Stabilität. Mittels maschinellem Lernen könnte das Gerät subtile Veränderungen erkennen, die auf Verletzungen oder chronische Erkrankungen hindeuten.

Den ersten Praxistest absolvierte die Technologie bereits in den Powerbeats Pro 2, die mit integrierter Herzfrequenzmessung auf den Markt kamen – ein wichtiger Validierungsschritt vor dem Einsatz in den Flaggschiff-AirPods.

Marktaussichten und Zeitplan

Die strategische Neuausrichtung der AirPods als Gesundheitsgeräte dürfte dem Wearable-Markt enorme Impulse verleihen. Analysten rechnen für 2026 mit 65 bis 68 Millionen verkauften AirPods – ein deutlicher Sprung gegenüber 48 Millionen Einheiten im Jahr 2023.

Die AirPods Pro 2 erhielten Ende 2023 lediglich ein Update auf USB-C. Die Branche wartet nun auf die AirPods Pro 3. Lieferkettenberichte aus dem Jahr 2025 deuteten auf eine große Produktvorstellung im September jenes Jahres hin, gemeinsam mit dem iPhone 17 und der Apple Watch Series 11. Die fortschrittlichsten Gesundheitsfunktionen – insbesondere EEG und neuronale Überwachung – könnten jedoch erst im Laufe des Jahres 2026 schrittweise eingeführt werden, während Apple die Fertigungsprozesse verfeinert.

Ausblick: Vom Kopfhörer zum medizinischen Gerät

Der Wandel von Unterhaltungselektronik zu medizinischen Monitoren ist ein regulatorischer und ethischer Quantensprung. Apple hat bereits 2024 die FDA-Zulassung für die AirPods Pro 2 als Hörgerät erhalten – ein Beleg für die Fähigkeit des Konzerns, komplexe medizinische Zertifizierungen zu meistern.

Mit neuronalen und kardialen Sensoren in Alltagsgeräten rückt der Schutz der dabei erhobenen intimen Daten in den Fokus. Das Potenzial für Früherkennung und personalisierte Behandlung ist enorm – doch es werden neue regulatorische Rahmenbedingungen nötig sein, um zu regeln, wie kognitive Zustände und physiologische Signale gespeichert und analysiert werden dürfen. Eines ist jetzt schon klar: Die Zukunft der AirPods wird nicht davon bestimmt, wie sie klingen, sondern was sie über den Gesundheitszustand ihres Trägers verraten.