Artcraft: Open-Source-Suite fordert Adobe Creative Cloud ohne Abo heraus

Das Rust-Projekt bietet erste Kreativprogramme, weist aber Exportprobleme auf; Adobes Reaktion und die Rechtslage bleiben offen.

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Der Softwareentwickler Brandon Thomas und sein vierköpfiges Team arbeiten an einer kostenlosen Open-Source-Alternative zur Adobe Creative Cloud namens Artcraft. Laut einem Bericht des Online-Magazins Futurism verfolgt das Projekt das Ziel, die Werkzeuge des Marktführers nachzubauen – vollständig ohne Cloud-Anbindung und ohne monatliche Abokosten.

Zum Vergleich: Das offizielle Pro-Abonnement von Adobe, das unter anderem Photoshop, Premiere und Firefly enthält, schlägt für Einzelpersonen derzeit mit rund 78 Euro pro Monat zu Buche. Thomas setzt diesem Vertriebsmodell nun eine quelloffene Sammlung entgegen. Die Suite umfasst beispielsweise Programme wie Photocraft anstelle von Photoshop sowie Lightcraft als Gegenstück zu Lightroom.

Schnelle Entwicklung auf Rust-Basis mit Claude Opus 5.5

Wie das Technikportal PCMag berichtet, entwickelte Thomas den Bildbearbeitungs-Klon PhotoCraft innerhalb von rund 24 Stunden mithilfe des KI-Modells Claude Opus 5.5 des Unternehmens Anthropic. Neben Photoshop und Lightroom fasst das Projekt Artcraft jedoch weit mehr Anwendungen ins Auge.

Geplant und teilweise bereits angelegt sind Nachbauten von Programmen wie Illustrator, Premiere Pro, After Effects, InDesign und Acrobat Pro. Sogar Alternativen zu Softwarelösungen wie Microsoft Office und AutoCAD sind vorgesehen. Technisch basiert das gesamte Projekt auf der Programmiersprache Rust und ist für die Betriebssysteme Windows, macOS sowie Linux konzipiert.

Thomas wies den Eindruck zurück, es handele sich um reines Ausprobieren generativer Werkzeuge ohne Fachwissen. Er betonte seine 15 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung und in der Umsetzung großer Rust-Projekte.

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Einschränkungen im frühen Stadium und Exportprobleme

Trotz des raschen Entstehungsprozesses befindet sich Artcraft laut Teamangaben in einer sehr frühen Entwicklungsphase. Erste Tester berichten von spürbaren Defiziten im praktischen Einsatz. Laut dem Fachportal InfoQ erreicht PhotoCraft derzeit eine funktionale Abdeckung von rund 76 Prozent. Die Einsatzreife für professionelle Arbeitsabläufe wird auf lediglich ca. 45 Prozent beziffert.

Zudem treten technische Hürden im Dateiaustausch auf: Der Export von PSD-Dateien aus PhotoCraft ist nach aktuellem Stand teilweise inkompatibel mit Adobes Originalprogramm Photoshop. Thomas zufolge werde es noch einige Monate in Anspruch nehmen, bis das Projekt eine Funktionsabdeckung von 99 Prozent erreiche.

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Rechtliche Risiken durch deutsches Wettbewerbsrecht

Neben den technischen Herausforderungen bleibt die juristische Situation ungeklärt. Es ist offen, wie der Softwarekonzern Adobe auf die Klonversuche reagieren wird.

Ein Fachanwalt für IT-Recht wies im Gespräch mit Fachmedien darauf hin, dass die sklavische Nachahmung von Programmoberflächen und -strukturen mithilfe künstlicher Intelligenz in Deutschland regelmäßig an den Schranken des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb scheitere. Insbesondere Paragraph 4 Nummer 3 des Wettbewerbsrechts setze der exakten Nachbildung von fremden Marktangeboten enge juristische Grenzen.

Mehr zum Thema bei t3n: „Artcraft: Entwickler baut eine Open-Source KI“