ArtCraft: Sieben kostenlose KI-Programme fordern Adobe und Microsoft heraus

Brandon Thomas veröffentlichte Open-Source-Kreativ- und Büroprogramme; ihre Alpha-Versionen bieten noch keinen vollständigen Ersatz.

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Anfang Oktober 2026 veröffentlichte der Software-Entwickler Brandon Thomas unter dem Projektnamen ArtCraft sieben kostenlose Open-Source-Anwendungen als direkte Alternativen zur Creative Cloud von Adobe.

Die Programme wurden mithilfe von Künstlicher Intelligenz und der Programmiersprache Rust innerhalb weniger Tage aufgesetzt. Weniger als zwei Wochen nach dem Start der Kreativwerkzeuge folgten zudem Nachbildungen für Microsofts Bürosoftware Word, Excel und PowerPoint.

KI-gestützte Entwicklung im Eiltempo

Thomas, ein Software-Ingenieur aus Atlanta mit 15 Jahren Berufserfahrung, nutzte für die Umsetzung das KI-Modell Claude Opus 5.5 von Anthropic, das in den GitHub-Historien auch als Mitautor aufgeführt wird.

Als wesentlichen Antrieb für das Vorhaben nannte der Entwickler Adobes Kündigungsgebühren bei Jahresabonnements mit monatlicher Zahlweise. Zum Portfolio des Projekts gehören unter anderem PhotoCraft, VectorCraft, FilmCraft, LightCraft, PdfCraft, EffectCraft und DesignCraft sowie CADCraft und SoundCraft.

Auch Microsoft-Pendants wie WordCraft, GridCraft und DeckCraft sind Teil der Suite. Thomas deklarierte die Programme als Clean-Room-Neuentwicklungen. Allerdings wies Andres Guadamuz von der Universität Sussex darauf hin, dass bislang unklar bleibe, ob dieser Prozess einer rechtlichen Prüfung standhalten könne. Lead-Entwickler Martin Caffrey bezeichnete das Geschäftsgebaren von Adobe als zweifelhaft und sammelt finanzielle Mittel für das Klon-Projekt.

Schlanke Dateigrößen bei funktionellen Einschränkungen

Gegenüber den etablierten Schwergewichten der Branche zeichnen sich die Neuentwicklungen durch einen drastisch reduzierten Speicherbedarf aus. Auf macOS benötigt WordCraft lediglich 203 MB und GridCraft 63,8 MB. PhotoCraft belegt 182 MB, während Photoshop 2026 auf 6,42 GB kommt. FilmCraft beansprucht 154,9 MB im Vergleich zu den 7,18 GB von Adobe Premiere.

Funktional befinden sich sämtliche Programme jedoch in einer frühen Alpha-Phase und stellen keinen vollwertigen Ersatz für Microsoft 365 oder die Creative Cloud dar. PhotoCraft öffnet zwar PSD-Dateien, verliert dabei jedoch teilweise Ebeneneffekte sowie Smartfilter und gilt laut den Entwicklern zu etwa 45 Prozent als bereit für professionelle Arbeiten.

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LightCraft zeigt in Version 0.7.1 Schwächen bei Bildrauschen und RAW-Dateien. Dagegen unterstützt WordCraft das DOCX-Format, DeckCraft öffnet PPTX-Präsentationen, und GridCraft verarbeitet XLSX-, CSV- sowie TSV-Dateien mit mehr als 500 Tabellenfunktionen. Thomas rechnet damit, funktionelle Parität mit Adobe binnen Monaten zu erreichen.

Wachsender Marktdruck auf etablierte Software-Konzerne

Die rasante Entstehung der Klone verdeutlicht den strukturellen Wandel in der Branche. Georg Zoeller, früher bei Facebook und heute Chef eines Gesundheitsunternehmens, betonte, dass KI inzwischen das Reverse Engineering komplexer Software ohne Zugriff auf den Original-Quellcode ermögliche. Dies reduziere die Entwicklungskosten und den Marktwert herkömmlicher Programme massiv. Laut Schätzungen von Sensor Tower verdoppelte sich die Zahl neuer Apps im ersten Halbjahr 2026 auf fast 560.000.

Gleichzeitig geraten die hochpreisigen Abonnementmodelle unter Druck. Das Creative-Cloud-Abo schlägt regulär mit 779,99 US-Dollar pro Jahr bei Einmalzahlung oder 69,99 US-Dollar monatlich im Jahresvertrag zu Buche.

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An den Finanzmärkten spiegelt sich die Skepsis wider: Die Adobe-Aktie verlor im Jahresverlauf rund 30 Prozent und notierte zuletzt bei 245,20 US-Dollar. Wells Fargo senkte die Einstufung auf Underweight mit einem Kursziel von 225 US-Dollar, während HSBC die Aktie auf Hold mit einem Kursziel von 267 US-Dollar herabstufte.

Auch der Konkurrent Figma lag mit 21,49 US-Dollar rund 35 Prozent unter seinem Ausgabepreis beim Börsengang. Im Fiskal-Q3 2026 fiel Adobes netto-neue ARR um 36 bis 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die verbleibende Leistungsverpflichtung mit einem Plus von 8 Prozent erstmals seit dem Fiskaljahr 2023 nur noch einstellig zulegte.