ArtCraft: Sieben kostenlose Kreativprogramme sollen Adobe Konkurrenz machen

Die Rust-Anwendungen sind kostenlos und plattformübergreifend verfügbar, doch viele Funktionen fehlen; rechtliche und sicherheitstechnische Fragen bleiben offen.

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Der Entwickler Brandon Thomas hat unter dem Namen ArtCraft eine Reihe von sieben quelloffenen Kreativanwendungen vorgestellt, die als kostenlose Alternativen zu bekannten Adobe-Programmen wie Photoshop, Illustrator, Premiere, Lightroom, After Effects, InDesign und Acrobat Pro dienen sollen. Die Software wurde mithilfe des KI-Modells Claude Opus 5.5 in der Programmiersprache Rust geschrieben.

Früher Entwicklungsstand und technische Basis

Die Anwendungen stehen unter freien Lizenzen wie MIT und Apache 2.0. Native Versionen sind für Linux, FreeBSD, macOS und Windows verfügbar, während ausgewählte Werkzeuge auch als WebAssembly-Varianten direkt im Webbrowser ausgeführt werden können.

Laut Thomas handelt es sich bei den Projekten um Neuentwicklungen nach dem Clean-Room-Prinzip ohne Verwendung von Adobe-Quellcode. Das Vorhaben war erst in der Vorwoche angelaufen und erhielt kurz nach dem Start bereits mehrere Aktualisierungen.

Der Funktionsumfang befindet sich allerdings in einem sehr frühen Stadium. Während PhotoCraft und PrintCraft als frühe Alphaversionen vorliegen, befinden sich die übrigen fünf Anwendungen noch in Entwicklung.

Nutzer müssen derzeit mit deutlichen Einschränkungen rechnen, unter anderem beim Textsatz, bei Pinseln und bei der Unterstützung von Plug-ins. PhotoCraft ist immerhin bereits in der Lage, PSD- und PSB-Dateien samt Ebenenstrukturen zu importieren und abzuspeichern.

Rückmeldungen aus der Praxis und Funktionslücken

Erste Anwender berichteten, dass sich PhotoCraft in den Grundzügen bereits ähnlich wie Photoshop bedienen lasse, wiesen jedoch auf gravierende Mängel hin.

So funktionierte unter anderem der Gaußsche Weichzeichner nicht, die Transformationsfunktion verhielt sich unvorhersehbar, und es traten Probleme bei der Ebenenverwaltung sowie beim Farbmanagement auf. Anwender stuften PhotoCraft daher als erst zu 25 bis 35 Prozent tauglich für den täglichen professionellen Einsatz ein.

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Thomas selbst stufte die Programme als frühe Alphaversionen ein, die noch nicht annähernd fertiggestellt seien, und rief die Community zu Fehlermeldungen und Beiträgen auf.

Während er ursprünglich eine vollständige Funktionsparität innerhalb eines Monats anvisiert hatte, erklärte er später, das Erreichen von 99 Prozent werde eher Monate als Jahre in Anspruch nehmen. Das erklärte Ziel bleibt es, vertraute Arbeitsabläufe, Oberflächen und Tastenkürzel der etablierten Vorbilder nachzubilden.

Geschäftsmodell, Sicherheitsfragen und rechtliche Hürden

Die Kernprogramme von ArtCraft sind kostenlos nutzbar. Die Finanzierung soll über den Verkauf von Zugängen für KI-Token und kostenpflichtige, kreditbasierte KI-Generierungen erfolgen, wobei Anwender auch eigene Rechenressourcen oder externe Dienste einbinden können.

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Das Projekt wirft jedoch auch rechtliche und technische Fragen auf. Die enge Anlehnung an bekannte Oberflächen könnte Fragen zum Schutz von Produktgestaltung und Markenauftritt aufwerfen; auch Patent- und Designrechtsfragen gelten als ungeklärt. Adobe hat bislang keine rechtlichen Schritte eingeleitet, und der Nachweis einer reinen Clean-Room-Entwicklung bleibt offen.

Gleichzeitig äußerten Kritiker Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von ungeprüftem, durch künstliche Intelligenz erzeugtem Programmcode. Diese Skepsis spiegelt sich auch in der Branche wider: In einer Entwicklerumfrage des Unternehmens Sonar aus dem Jahr 2026 unter 1.100 Fachleuten gaben 96 Prozent der Befragten an, KI-generiertem Code nicht vollständig zu vertrauen.